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Serie "Hinter Den Kulissen"
Millionen-Investition für sauberes Wasser

Serie "Hinter Den Kulissen": Millionen-Investition für sauberes Wasser
Auch das Entnehmen von Wasserproben gehört zum Aufgabenbereich von Abwassermeister Pascal Dahmen. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Um aus stinkenden Abwässern reines Wasser zu machen, das in den Rhein geleitet wird, betreiben die Stadtwerke einen großen Aufwand. Probleme bereiten dem Klärwerk vor allem Hygieneartikel, die gedankenlos in Toiletten entsorgt werden. Von Klaus Nikolei

Ja, es stinkt in der Weseler Kläranlage im Stadthafen tatsächlich so, wie man sich das als Laie vorstellt. Wobei, wenn man ganz ehrlich sein soll, ist der Gestank in der sogenannten Rechenhalle derart unerträglich ist, dass zartbesaiteten Naturen der Aufenthalt in der Halle unweit der Fischertorstraße nur wenige Sekunden zugemutet werden kann. Ein kurzer Blick auf all die Dinge, die da ein riesiger Rechen aus dem Abwasser zieht (siehe Infobox), reicht, um fluchtartig das Gebäude zu verlassen.

"An den Geruch gewöhnt man sich im Laufe der Zeit", versichert Betriebsleiter Jens Keil, der die Gäste von der RP zusammen mit seinem Stellvertreter Pascal Dahmen und Peter Bootz, dem technischen Prokuristen der Stadtwerke, über das mehrere Tausend Quadratmeter große Gelände mit den beiden markanten, eierförmigen Faultürmen führt. Gerne erfüllt das Trio der Redaktion den Wunsch, "hinter die Kulissen" zu blicken um zu erfahren, was alles passieren muss, um jährlich sechs Millionen Kubikmeter Abwässer (4,8 Millionen aus Wesel, 900.000 aus Voerde/Friedrichsfeld und 300.000 aus Alpen/Menzelen) so aufzubereiten, dass am Ende vergleichsweise sauberes Wasser in den Rhein eingeleitet werden kann.

Aus der oberen Etage des Klärwerk-Bürogebäudes hat man einen guten Blick über das Areal mit seinen zahlreichen Becken, die ein wenig an eine große Fischzuchtstation erinnern. In den einzelnen Becken wird das zunächst von den groben Teilen befreite Abwasser immer weiter gereinigt. Unter anderem im Bio-P-Becken werden mit Hilfe von Bakterien unter anderem Stickstoff und Phosphat abgebaut. Zum Stichwort Phosphat erklärt Peter Bootz, dass die weltweiten Phosphat-Vorräte nur noch für etwa 100 Jahre reichen. "Aus diesem Grund werden wir ab dem nächsten Jahr 50 Prozent des Faulschlamms, der bislang noch komplett in Asdonkshof verbrannt wird, nach Emmerich transportieren. Dort wird eine neue Anlage errichtet, in der aus dem Faulschlamm ein Düngemittelzusatz produziert wird." Aber nicht nur in Emmerich wird kräftig investiert, sondern auch in Wesel. Unter anderem 600.000 Euro in ein neues Prozessleitsystem und eine Million Euro in neue Verfahrenstechnik. Peter Bootz geht davon aus, dass in einigen Jahren weitere Millionen nötig sein werden, weil dann der Gesetzgeber eine vierte Reinigungsstufe vorschreiben könnte. "Mit Hilfe von Ozon und Aktivkohle könnten Rückstände von Arzeimitteln aus den Abwässern geholt werden. Platz genug hätten wir dafür", sagt er.

Bis aus der stinkenden Brühe, die über die Kanäle in der Kläranlage gelangt (im Durchschnitt 500 bis 700 Kubikmeter pro Stunde), augenscheinlich sauberes Wasser geworden ist, vergehen normalerweise gut 24 Stunden. Auch wenn das Wasser am Ende sehr klar und rein erscheint, hat es keine Badewasserqualität. Denn, so sagt Jens Kiel: "Wir können keine Keimfreiheit garantieren. Deshalb verstehe ich auch niemanden, der im Rhein schwimmen geht." Zumal das ja bekanntlich auch äußerst gefährlich ist.

Übrigens: Schulklassen und Gruppierungen, die sich die Kläranlage einmal ansehen möchten, können wochentags unter der Rufnummer 0281 9660-253 einen Termin vereinbaren.

Quelle: RP
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