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Wesel
Modellbau ist kein teures Hobby mehr

Wesel: Modellbau ist kein teures Hobby mehr
FOTO: Heinz Kunkel
Wesel. Lediglich 400 Besucher kamen zur Messe in die Niederrheinhalle, die weibliche Besucher waren in der Minderheit.

Die Modelleisenbahn zählte viele Jahrzehnte zum Klassiker unter dem Weihnachtsbaum. Vor allem Jungen und nicht selten Väter bekamen bei ihrem Anblick leuchtende Augen. Bei der Modellbaumesse in der Niederrheinhalle wurde deutlich, dass dieses Hobby längst in der Nostalgie-Schublade verschwunden ist. Der Altersschnitt der rund 400 überwiegend männlichen Besucher lag deutlich über dem 60. Lebensjahr, und die meisten der 25 Aussteller betreiben den Verkauf der Modellbahnutensilien als Nebengewerbe.

"Es ist ein aussterbendes Hobby. Von den über 2.000 Modellbahngeschäften aus den 70er Jahren sind gerade mal 400 geblieben. Und in jedem Jahr sind es 50 weniger", sagt Ralf Schulte. Neben einer geänderten Interessenlage bei Jugendlichen gibt der Dortmunder vor allem den Platzbedarf und die Kosten als Gründe für die Misere an. "Ich habe eine Zweitwohnung nur für meine Modellbahnanlage gemietet, weil zu Hause kein Platz ist. Sie ist 31 Quadratmeter groß und hat etwa 100.000 Euro gekostet", sagt Aussteller Schulte.

FOTO: Heinz Kunkel

Auf Messen wie diesen können die Modellbahner eine große Auswahl an Schnäppchen finden und diese auf einer kleinen Teststrecke gleich ausprobieren. Der Grund für das reichhaltige Angebot ist, dass viele Anlagen nach dem Tod des Betreibers von den Erben aufgelöst werden. Ein Umstand, der es Fachhändlern wie Alfred Wilfert schwer macht. "Es sind so viele Gebrauchtteile zu niedrigen Preisen auf dem Markt, dass wir Händler kaum noch existieren können. Ich habe mein Geschäft mittlerweile nur noch anderthalb Stunden am Tag geöffnet", berichtet der Krefelder. Sein Kollege Dieter Bartlsperger kann die Kunden sogar verstehen: "Wenn Sie eine halbwegs vernünftige Lok kaufen möchten, bezahlen Sie 500 bis 700 Euro und dann haben Sie noch kein einziges Gleis. Welches Kind kann sich das noch leisten?"

Wie der Nachwuchs wieder für das Hobby zu begeistern ist, machen unsere niederländischen Nachbarn vor, weiß Klaus Kuhn: "Es gibt dort sehr viele Modellbahnclubs mit eigenen Jugendgruppen. Mit vielen Eignern lässt sich auch eine große Anlage finanzieren." Der Oberhausener ist der "Immobilienhändler" unter den Modellbauern. Seine Häuser und Lokschuppen versprühen ihren ganz eigenen, bei Modellbahnfreunden sehr beliebten Charme. "Ich versehe die Gebäude mit Gebrauchsspuren, sorge dafür, dass sie von einer Patina bedeckt sind, die sie natürlich wirken lässt."

Die einzige Händlerin, die nicht mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat, ist Jasmin Quitkat. Das liegt vor allem an der Anpassungsfähigkeit ihrer großspurigen Gartenbahnen. "Die Spur G ist kompatibel zu den Playmobil-Bahnen, das macht für viele den Einstieg in die Modellbahnwelt leichter", erzählt die Fachfrau aus Lüdenscheid. Dazu kommt der günstige Einstiegspreis von 120 Euro für ein bereits gut ausgestattetes Starterset. "Diese Bahn kann man dann nach und nach ausbauen, bis der Garten voll ist", so Quitkat.

(erko)
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