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Wesel
Moden Kubatta schließt Ende des Jahres

Wesel: Moden Kubatta schließt Ende des Jahres
FOTO: Stadt Wesel
Wesel. Weil sich kein Nachfolger gefunden hat, werden Mathilde Kettelhack und ihr Mann Peter schweren Herzens das traditionsreiche Fachgeschäft an der Brückstraße schließen. Unklar ist noch, was ab Januar mit dem Ladenlokal passiert. Von Klaus Nikolei

Mathilde Kettelhack und ihre vier Mitarbeiterinnen werden in den nächsten Wochen den zahlreichen Stammkundinnen des Modehauses Kubatta immer und immer wieder diese eine Frage beantworten müssen: "Warum nur hören Sie auf?" Und die Inhaberin wird stets die gleiche Antwort geben: "Mein Mann und ich haben uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Aber leider haben wir niemanden gefunden, der unsere Arbeit fortsetzen möchte." Weder in noch außerhalb der Familie.

Ende des Jahres verliert Wesel - und vor allem das Domviertel - eines der bekanntesten und ältesten Fachgeschäfte für hochwertige Damenmode, das vor drei Jahren noch 75-jähriges Firmenjubiläum gefeiert hatte. Zweifelsohne ein Verlust, denn Kubatta war ein Anziehungspunkt für Frauen aus der Region.

Dass Moden Kubatta in gut neun Wochen schließt, bedauert Mathilde Kettelhack sehr. Allerdings freut sie sich, künftig mehr Zeit mit ihrem Mann, der Familie und Freunden verbringen zu können. FOTO: Nikolei

Mathilde Kettelhack, die über viele Jahrzehnte dafür gesorgt hat, dass in dem Modehaus an der Brückstraße - und auch im Haupthaus in Borken - eine ganz besondere, sehr persönliche Atmosphäre herrscht, wird ab Januar endlich mehr Zeit für sich und ihren Mann Peter haben, der als Wirtschaftsexperte immer im Hintergrund mitgearbeitet hat. Für beide tröstlich ist die Tatsache, dass alle Mitarbeiterinnen im neuen Jahr zu einem anderen Arbeitgeber wechseln oder ebenfalls in den Ruhestand treten. Was mit dem Ladenlokal zwischen Leyensplatz und Großem Markt ab Januar passiert, steht noch nicht fest. "Wir bedauern es sehr, dass mit Kubatta ein alteingesessenes und anerkanntes Fachgeschäft schließt", sagt Wirtschaftsförderer Johannes Opgen-Rhein. Ähnlich groß sei auch das Bedauern bei vielen Kundinnen. "Wir werden uns jetzt bemühen, einen guten Ersatz zu finden. Das allerdings kann nur im Zusammenspiel mit dem Eigentümer funktionieren."

Ein Blick in die Firmenchronik, die nun bald geschlossen wird, verrät, dass Kubatta zwar schon seit den 1950er Jahren in Wesel ist, die Wurzeln aber in Oberschlesien liegen. Dort hatten im Jahr 1938 Mathilde Kettelhacks erste Schwiegereltern Josefine und Johannes Kubatta in Ratibor ein Textilunternehmen gegründet. 1944 mussten sie mit ihrem vier Jahre alten Sohn Hans die Heimat verlassen, um in den Westen zu fliehen.

Nach Zwischenstationen erreichten sie Coesfeld, um dort die Firma "J. Kubatta Wäschefabrikation" aus der Taufe zu heben. Damals ging es um die Versorgung der Menschen mit Heimtextilien und Bekleidung des täglichen Bedarfs. Das Konzept passte genau in die Nachkriegszeit. 1952 wurde die Produktion schließlich nach Borken verlegt. Von dort expandierte die Firma, eröffnete Geschäfte in Homberg, Kamp-Lintfort, Rheinhausen, Dinslaken, Bocholt und Wesel. Ende der 1960er Jahre - Sohn Hans, der 1990 verstorben ist, hatte die Firma zwischenzeitlich übernommen - wurde die Produktion eingestellt, so dass man sich auf den Verkauf von Damenoberbekleidung konzentrierte. Mitte der 1970er Jahre beschloss die Familie, nur noch die beiden Geschäfte in Borken und Wesel zu betreiben, die nun am Silvestertag 2016 ihre Pforten für immer schließen werden.

Quelle: RP
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