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Niederrhein
Moderne Schatzsuche mit GPS

Niederrhein: Moderne Schatzsuche mit GPS
Niederrhein. Geocaching heißt die moderne Form der alten Schnitzeljagd. Die Suche nach den "Caches" genannten "Schätzen" erfreut sich auch in Duisburg wachsender Beliebtheit, was in der Cacher-Szene selber nicht immer gern gesehen wird. Von Julia Zuew (Text und Foto)

Es ist nicht viel los im Landschaftspark Duisburg an diesem Tag - es ist zwar trocken, aber bewölkt. Hin und wieder weht ein kühler Wind. "Das ist perfektes Wetter zum Cachen", sagt Silke. Wenig Beobachter und trotzdem trockene Füße - so ist die Jagd auf die Caches am angenehmsten. Der Cache dieser Tour ist schwer zu finden - um an die richtigen Koordinaten zu kommen, müssen Silke, ihr Sohn und ein Schulfreund erst nach bestimmten Zahlen Ausschau halten, Rätsel und Gleichungen lösen. Silke sucht nicht nur in Nordrhein-Westfalen nach Caches. So stand auch beim letzten Urlaub in Rom Geocaching auf dem Programm. "Es hat sehr viel Spaß gemacht, auch wenn einige der Caches leider geplündert waren." Manchmal nehmen Finder nämlich die versteckten Döschen einfach mit.

Mit ihrem Sohn geht sie regelmäßig auf Caching-Touren, manchmal kommen auch Schulfreunde des Jungen mit. Die Hinweise der Cache-Inhaber sind nicht immer einfach zu deuten - auch im Landschaftspark rätselt die Truppe lange, welche Objekte und Abschnitte im Landschaftspark gemeint sind. Caches sind quasi versteckte "Schätze" und sehr verschieden. Um mit der digitalisierten Schatzsuche loszulegen, sind nur ein Internetzugang und ein Gerät mit GPS-Funktion nötig - was für manche Cacher mehr Fluch als Segen zu sein scheint, wie sich später herausstellt. Von Filmdöschen mit einem Namenszettel bis zu kleinen Tupperdosen mit Postkarten und kleinen Gegenständen ist alles dabei.

Und auch nach Art der Suche und Lage der kleinen "Schatzkisten" sind die Caches eingeteilt. Neben der ganz traditionellen Form, wo die Sucher den Koordinaten folgen, gibt es auch Aufgaben und Rätsel, mit deren Lösungen erst klar wird, wo die Suche hinführt. Manche liegen mitten in der Stadt, andere wieder im Wald, in den Bäumen - gewöhnlich versuchen die Ersteller aber, die Caches an ungewöhnlichen Orten zu verstecken. Beim Cache im Landschaftspark ist ein Teil der Belohnung die Suche selbst - vom Hochofen aus reicht der Blick weit über Halden, Werktürme und Autobahnen und macht den Aufstieg direkt wett. Was jedoch auf den ersten Blick wie eine Schatzsuche vor der Haustür wirkt, stellt sich beim zweiten Blick als recht polarisierendes Hobby heraus. So offen wie Silke gehen bei weitem nicht viele damit um. Anonymität und Geheimhaltung werden in der Cacher-Szene großgeschrieben. Viele Geocacher scheinen öffentliche Aufmerksamkeit regelrecht zu verteufeln - zum Teil aus gutem Grund, wie ein langjähriger Cacher erzählt. "Das Problem an diesem internetabhängigen Hobby ist seine in den letzten Jahren exorbitant gewachsene Popularität", sagt er. Seit mehr als zehn Jahren ist er Cacher. Da nun mittlerweile jeder Smartphone-Besitzer die Ausrüstung zum Geocachen hat, ist die Community massiv gewachsen. Eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft sei es früher gewesen - dank Medienberichten und leichter Zugänglichkeit sei dies nun lange Vergangenheit. Mittlerweile seien immer mehr Cacher dazukommen, die nicht viel mit Vorsicht und Vernunft am Hut haben: "Die Qualität der ausgelegten Caches sank", stellt er fest und fügt hinzu: "Jeder Depp schmiss eine Filmdose an die nächstbeste mit Efeu bewucherte Wand und meinte, er habe der Geocaching-Welt einen riesigen Gefallen getan." Außerdem würde unter den Besuchermassen auch die Natur rund um die Caches leiden: "In Wäldern wird von Horden von Menschen die Vegetation platt gelatscht." Dabei würden sich die "Geo-Zombies", wie der anonyme Cacher sie nennt, sich der Folgen ihre Handlungen gar nicht bewusst werden.

Ein Sprecher des LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) sagt dazu: "In der Normallandschaft ist Geocaching kein Problem. Sobald es aber um ein Naturschutzgebiet oder Privatwälder geht, ist es anders." Zwar seien auch im Naturschutzgebiet Caches kein Problem, solange diese an den zugewiesenen Fuß- und Fahrradwegen bleiben - dies ist aber nicht immer der Fall. Ein Verstoß gegen die Gesetze im Naturschutzgebiet könne teuer werden - bis zu mehrere Tausend Euro kann das Bußgeld betragen. Dafür müsse ein Cacher aber schon großen Mist bauen, so der Sprecher. Grundsätzlich heißt es trotzdem: abseits der Fußwege ist Cachen im Naturschutzgebiet unerwünscht.

"Als ich mit dem Cachen anfing, wusste ich nichts von den Konflikten", erzählt Silke. Recht schnell habe sie jedoch gemerkt, dass die Cacher-Community sich über Zuwachs nicht immer freut. Und unter den Cachern selbst gebe es auch Streitigkeiten, die dann ins reale Leben übergreifen. Auch Auseinandersetzungen mit Jagd- und Naturschutzverbänden seien ein großes Thema beim Geocaching. "Mittlerweile gibt es zum Beispiel Caches, die nach Absprache mit den Jägern gesucht werden dürfen", berichtet sie. Es gebe quasi einen Zeitplan, in dem das Gebiet für die Cacher freigegeben ist. Silke macht sich allerdings nicht viel aus der gespaltenen Stimmung in der Geocaching-Welt: Sie mache kein großes Geheimnis um ihr Hobby. "Am Wochenende haben wir auch schon eine neue Tour geplant", sagt sie lachend und rechnet die nächsten Zahlen aus.

Quelle: RP
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