| 00.00 Uhr

Kreis Wesel
Moers Festival: Paukenschlag zum Schluss

Kreis Wesel. Gestern Abend bot der künstlerische Leiter des Moers Festivals dem Aufsichtsrat der Moers Kultur GmbH an, seinen bis 2020 laufenden Vertrag mit sofortiger Wirkung zu beenden. Auch der Geschäftsführer zeigte sich zum Rückzug bereit. Von Anja Katzke

Reiner Michalke wirkt fahrig, als er am Abend ans Mikrofon tritt. Wer den sonst souverän agierenden Festivalchef kennt, ahnt sofort, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und genauso kommt es. Nach ein paar Worten über das erfolgreich verlaufene 45. Moers Festival, die Musiker und die weiter optimierte Festivalhalle, lässt Reiner Michalke die Bombe platzen: "Es ist eine Bilanz, die Anlass dazu gibt, aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Ich habe heute Carmen Weist (der Aufsichtsratsvorsitzenden der Moers Kultur GmbH) angeboten, meinen Vertrag mit sofortiger Wirkung zu beenden." Als Begründung nennt er die aktuelle Diskussion über die Zukunft des Moers Festivals, das in finanzielle Schieflage geraten ist. Das Pfingstspektakel konnte in diesem Jahr nur stattfinden, weil die Stadt Moers eine Garantieerklärung für das Moers Festival abgab.

"Ich möchte den Weg für eine ergebnisoffene Diskussion frei machen", erklärte Michalke. Für die anstehenden Aufgaben benötige er den Rückhalt in der Stadtgesellschaft, der zurzeit aber nicht gegeben sei. Michalke ist seit elf Jahren künstlerischer Leiter des Festivals. Sein Vertrag würde regulär 2020 auslaufen. Er sei damals angetreten, um das Moers Festival von Jahr zu Jahr zu entwickeln. Dafür brauche man Zeit und Kraft. Carmen Weist (SPD), Vorsitzende der Moers Kultur GmbH, will Michalkes Entscheidung nicht akzeptieren. "Ich hatte so kurzfristig nicht die Möglichkeit, alle im Aufsichtsrat der Moers Kultur GmbH vertretenen Fraktionen zu informieren. Ich kann aber für die SPD-Fraktion sagen: Wir möchten dieses Angebot nicht annehmen." SPD-Fraktionschef Mark Rosendahl, der gestern Abend auf dem Festival war, nickte. "Wir wollen die Bemühungen fortsetzen, das Moers Festival im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu entwickeln", betonte die Aufsichtsratsvorsitzende. Sie bat Michalke, seinen Vertrag zumindest bis 2020 zu erfüllen.

Die Entwicklung zeichnete sich bereits beim Empfang am Sonntag ab. Gäste aus Politik und Kultur waren gekommen. Ein Themenbereich wurde beredt umschifft: die Zukunft des Moers Festivals und der Halle am Solimare. Bislang ist sie ungewiss. Die Stadtverwaltung ist mit der Erstellung eines Träger- und Betreiberkonzepts beauftragt worden, außerdem hat der Rat die Sonderprüfung des Wirtschaftsplans der Kultur GmbH beschlossen. Geschäftsführer Dirk Hohensträter arbeitet mit Unterstützung von Wirtschaftsprüfern am Jahresabschluss der GmbH. Eine Ursache für Michalkes Rücktrittsangebot scheint ein Disput mit dem neuen Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH, Dirk Hohensträter zu sein, über die finanzielle Situation. Michalke sprach von "angeblicher" Schieflage. Hohensträter lobte das Festival als top-organisiert, machte aber klar, dass es aufgrund der finanziellen Situation nicht leicht werde, das Musikfest für die Zukunft zu rüsten und in der jetzigen Form weiterzuführen. "Ob es gelingen wird, wird auch der politische Prozess zeigen." Am Sonntag bezeichnete er das Festival im RP-Gespräch als Marke, die man nicht beschädigen dürfe. Am Abend erklärte er, dass auch von seiner Seite die Möglichkeit bestehe, den Weg freizugeben. Das war das zweite Rücktrittsangebot in einer Viertelstunde.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Wesel: Moers Festival: Paukenschlag zum Schluss


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.