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Kreis Wesel
Moers Festival steht vor dem Aus

Kreis Wesel: Moers Festival steht vor dem Aus
Ob es das Festival (hier der Auftritt von Sara McDonald im Jahr 2015) Pfingsten stattfindet, ist noch unklar. FOTO: Klaus Dieker
Kreis Wesel. Die Moers Kultur GmbH befindet sich in einer finanziell dramatischen Schieflage. Der Geschäftsführer prognostiziert für das Festival einen Verlust von 300.000 Euro in 2015. Der GmbH könnte die Insolvenz drohen. Das Ende des Festivals? Von Anja Katzke

Dirk Hohensträter hat Kassensturz für das Jahr 2015 gemacht. Das Ergebnis, das der Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH dem Aufsichtsrat in dessen jüngster Sitzung vorgelegt hat, ist dramatisch. Demnach hat die Moers Kultur GmbH beim Moers Festival allein 2015 voraussichtlich einen Verlust in Höhe von 300.000 Euro eingefahren. Das prognostizierte Defizit ist damit deutlich höher als bislang erwartet. Es droht der GmbH möglicherweise sogar die Insolvenz.

Für den 3. März ist die Programm-Pressekonferenz des Moers Festivals terminiert. Sie soll stattfinden. Ob und in welcher Form das Moers Festival zu Pfingsten und in den nächsten Jahren aber realisiert werden kann, darüber kann die GmbH zurzeit noch keine verbindlichen Aussagen machen. "Wir werden zu Beginn deutlich machen, dass das Programm nur unter Vorbehalt vorgestellt wird und die Situation erläutern", sagte Aufsichtsratsvorsitzende Carmen Weist. Das aktuelle Festival ist seit Monaten in Vorbereitung. Die Verantwortlichen müssen nun abwägen, wie hoch der Schaden für die Stadt ist, wenn das Festival zu Pfingsten nicht stattfinden wird.

Aus Kreisen des Aufsichtsrats hieß es gestern, dass eine Absage des Festivals 2016 mehr kosten würde als die Durchführung. Die Kosten würden sich bei einem Ausfall auf 433.000 Euro belaufen. "Es wird das Festival in seiner jetzigen Form nicht mehr geben. Das wird die Moers Kultur GmbH aus wirtschaftlichen Grünend nicht mehr stemmen können", erklärt Bürgermeister Christoph Fleischhauer.

Hohensträter, der erst seit dem 1. Januar in Nachfolge von Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb Geschäftsführer der Kultur GmbH ist, Bürgermeister Christoph Fleischhauer und Aufsichtsratsvorsitzende Carmen Weist haben den Mitgliedern des Aufsichtsrats am Mittwochabend die Hiobsbotschaft überbracht und sie über die finanziell dramatische Lage informiert.

Die Betroffenheit sei groß gewesen, sagte Carmen Weist auf RP-Anfrage. Lösungsansätze müssen nun in den politischen Fraktionen beraten werden. Die Entscheidung darüber, wie es für die Moers Kultur GmbH und das Moers Festival weitergeht, wird am Ende die Gesellschafterversammlung treffen.

Um GmbH und Festival zu retten, käme zum Beispiel eine Patronatserklärung des Gesellschafters, also der Stadt Moers, in Frage. Sie würde damit eine Verlustübernahmegarantie abgeben. Als zweiter Ansatz werden Restrukturierungsmaßnahmen genannt. Dazu muss der neue Geschäftsführer abklären, wie liquide die GmbH tatsächlich ist. Es steht allerdings die Prüfung noch aus, wie hoch das Eigenkapital der Moers Kultur GmbH eigentlich ist.

Eine dritte Möglichkeit wäre, dass der Gesellschafter der Kultur GmbH ein Darlehen gewährt. Die Problematik besteht darin, dass die Stadt als Gesellschafterin selbst Haushaltssicherungskommune ist. Die Stadt muss jede neue freiwillige Ausgabe mit der Bezirksregierung Düsseldorf abstimmen. Bürgermeister Fleischhauer erklärte darüber hinaus, dass keine andere freiwillige Leistung für das Festival eingesetzt werden könne.

Der städtische Zuschuss für das Festival beläuft sich auf 336.000 Euro. Der Zuschuss, eine freiwillige Leistung der Stadt Moers, war im Rahmen der Haushaltskonsolidierung vor drei Jahren um 40 Prozent auf diese Summe gekürzt worden. Seither schloss das Festival mit Defiziten ab. Die jährlichen Mehrkosten beliefen sich laut Kultur GmbH zuletzt auf ein strukturelles Defizit von 89.000 Euro. Das Loch im Etat wurde durch aufgelöste Rückstellungen geschlossen. Eine der Ursachen für das vom Geschäftsführer prognostizierte Defizit ist, dass offenbar keine neuen Rückstellungen gebildet wurden. Die Jahresabschlüsse und Wirtschaftspläne der Kultur GmbH standen in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik der Politik. Die beauftragten Wirtschaftsprüfer gaben laut Kultur GmbH jedoch bislang für die Aufrechnungen grünes Licht. Selbst die im November vom Bund avisierten Zuschüsse von je 150.000 Euro für drei Jahre, die den Fortbestand des Festivals sichern sollten, scheinen nicht dabei helfen, die Moers Kultur GmbH aus der Finanzmisere zu ziehen. Sie hat einen weiteren Finanzposten zu stemmen: Die Festivalhalle am Solimare, die dazu beitragen sollte, die zu hohen Infrastrukturkosten im Freizeitpark zu senken, schlägt mit 200.000 Euro jährlich an Abschreibungen zu Buche. Die Fraktionen sind informiert. Voraussichtlich Anfang nächster Woche wird es eine Pressekonferenz mit allen Beteiligten geben. Geklärt werden muss auch, wie es für das Schlosstheater und das Comedy Arts Festival weiter geht. Beide Kultureinrichtungen befinden sich unter dem Dach der GmbH.

Quelle: RP
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