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Kreis Wesel
Moerser Feuerwehrmann überwintert am Südpol

Kreis Wesel. Grüße vom südlichsten Zipfel der Erde hat jetzt die Moerser Wehr erhalten. Marcus Heger vom Löschzug in Scherpenberg ist Mitglied der Besatzung der Forschungsstation Neumayer III (Foto) in der Antarktis. Von Jürgen Stock

Bei Marcus Heger ist es gerade 14 Uhr. Draußen steuern die Temperaturen ihrem Tageshöhepunkt entgegen: Minus 33 Grad im Schatten, wobei es derzeit für Heger eigentlich nichts Anderes als Schatten gibt. Der Moerser arbeitet seit Dezember als IT- und Elektronik-Ingenieur (Funker) an Deutschlands südlichstem Arbeitsplatz, der Neumayer Station III in der Antarktis. Bis er das erste Mal die Sonne im antarktischen Winter wieder aufgehen sieht, muss der 39-Jährige noch einige Wochen warten. Derzeit herrscht in der Antarktis die zwei Monate dauernde Winternacht. Dann kann es bis zu minus 50 Grad kalt werden.

"Mit neun Leuten sind wir hier, die 36. Überwinterungsmannschaft, seit März quasi auf Eis gelegt", schrieb Heger jetzt in einer Mail an die Feuerwehr Moers. Der Ingenieur ist seit Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Scherpenberg. "Das erste Flugzeug, Rosinenbomber (DC3/ BT67) mit Skiern", schreibt Heger weiter, "kommt erst im November. Bis Februar 2017 sind wir noch hier."

Den ganzen Winter über ist das Team abgeschlossen von der Außenwelt. Bis zur nächsten Forschungsstation der Südafrikaner ist es eine Tagesreise. Immerhin gibt es eine Kommunikationsverbindung: über Mail und über Satellitentelefon. Die dazugehörige Technik instandzuhalten, ist Hegers Job. Seine Erfahrungen als Feuerwehrmann und Rettungssanitäter dürften wohl eine Rolle gespielt haben, warum die Wahl für den Posten als einer von neun "Üwis" (Überwinterern) auf Heger fiel. Vor dem Flug ins ewige Eis gab es noch eine Sonderschulung an der Außenstelle für Schiffssicherung in Neustadt (Holstein). "Wir sind hier quasi die Betriebslöschgruppe, ohne Chance auf Verstärkung", berichtet Heger.

In Moers hatte Heger sich einen Namen als Amateurfunker gemacht. So veranstaltete er unter anderem die "Field Days" auf der Pattberg-Halde. Seine Leidenschaft zur Frickelei kommt ihm jetzt am Südpol zugute: "Wenn hier etwas kaputt geht", sagt er im Gespräch mit der RP, "kann man ja nicht im nächsten Fachgeschäft Ersatz besorgen. Da muss man improvisieren." Langweilig sei ihm bislang noch nicht geworden. Da ist zum einen die tägliche Arbeit und zum anderen sind da die Übungen für alle Arten von Notfällen. Nach Feierabend werde viel gespielt. "Sogar einen Billardtisch haben wir."

Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen zählt Heger den Blick in den staubfreien Nachthimmel: "Die ganze Milchstraße kann man sehen, dazu die Polarlichter - Wahnsinn." Im Licht des vergangenen Sommers, als die Temperaturen die Null-Grad-Grenze streiften, besuchten die Männer Kolonien von Robben und Pinguinen.

Erst im Februar 2017 wird Heger an den Niederrhein zurückkehren. Worauf freut er sich am meisten? "Ganz klar", antwortet er. "Darauf, mal wieder etwas Grünes zu sehen und draußen auch etwas zu riechen."

Quelle: RP
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