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Wesel
Mordprozess Dagmar E.: Sohn spricht von Folter

Wesel. Das Duisburger Landgericht hat gestern erneut den Sohn der ermordeten Dinslakenerin Dagmar E. gehört. Er belastete seine Mitangeklagten weiter schwer. So schilderte er vor Gericht erneut, dass ihn der zur Tatzeit 17-Jährige der drei Brüder, die sich mit Alexander E. vor Gericht verantworten müssen, immer wieder bedrohte.

Sein Freund habe gedroht, ihn zu Tode zu foltern. Er habe ihm gesagt, er werde ihm "Gliedmaßen abhacken und Gedärme rausschneiden", wenn er nicht schweigt. Die Drohungen bezeichnete Alexander E. als "sehr horrorfilmmäßig". Außerdem habe er ihm ein Messer an den Hals gehalten. Auch sei der Mitangeklagte sehr anspruchsvoll gewesen. Zu oft habe er von ihm Geschenke haben wollen. Wenn er auf die Aufforderung, ihm etwas zu kaufen, mit einem "Nein" antwortete, weil er kein Geld hatte oder die Forderung überflüssig fand, habe dieser wochenlang nicht mit ihm geredet. Auch habe er ihm mehrmals Geld gegeben.

Alexander E. sprach außerdem davon, dass einer der Angeklagten ihn davon abhielt, aus dem Fenster zu springen. Auf die Vorhaltungen des Gerichts, dass Gewaltandrohungen und Verhinderung von Selbstmord nicht so recht zusammenpassen, hatte der 25-Jährige eine Erklärung: Die Brüder hätten nicht aus Sorge gehandelt, sondern nur nicht mit seinem möglichen Selbstmord in Verbindung gebracht werden wollen. Die Vernehmung war mit Widersprüchen gespickt. Auch die Telefonüberwachung warf noch Fragen auf.

Bisher müssen sich zwei der Brüder wegen Mordes, ein weiterer wegen Anstiftung zum Mord und der Sohn des Opfers wegen Totschlags durch Unterlassen verantworten. Denn Alexander E. soll nach bisherigen Erkenntnissen lediglich nicht eingegriffen und Musik gehört haben, als seine Mutter neben ihm ermordet wurde. Gestern wies der Richter allerdings darauf hin, dass statt Totschlags durch Unterlassen auch eine "aktive Teilnahme" an der Tötung denkbar wäre.

Alexander E. belastete auch den 26-Jährigen, einen Trinkhallenbesitzer aus Wesel, der als mutmaßlicher Auftraggeber des Mordes angeklagt ist, weiter. Ihm habe er 1000 Euro aus dem Verkauf der Einrichtung des Kosmetiksalons seiner Mutter gegeben. Der 26-Jährige habe auch gefordert, Alexander E. solle "seine Brüder raushalten", wenn der Verdacht auf sie fällt.

Dem Drängen der Verteidigung, den Haftbefehl gegen den 26-jährigen Weseler aufzuheben, kam das Gericht nicht nach. "Ein dringender Tatverdacht ist nicht ausgeräumt", erklärte der Richter. Der Prozess wird fortgesetzt.

(bil)
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