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Wesel/Hamminkeln/Schermbeck
Mühlenflügel bei Orkan beschädigt

Wesel/Hamminkeln/Schermbeck: Mühlenflügel bei Orkan beschädigt
Die Mühle an der Dohlenstraße in Hamminkeln ist ramponiert. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel/Hamminkeln/Schermbeck. Umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer, Stromausfall: Sturmtief Friederike, das gestern über den Niederrhein gefegt ist, hat den Einsatzkräften viel Arbeit beschert. Viele Schulen blieben zu. In Dingden drohte eine Büffelherde auszubüxen. Von Klaus Nikolei

Auf den Tag genau elf Jahre nach dem Orkan Kyrill fegte gestern das Sturmtief Friederike über den Niederrhein. Gegen 10 Uhr nahm Friederike so langsam Fahrt auf und löste bis gegen 14 Uhr im gesamten Kreisgebiet rund 700 Einsätze aus. Das erklärte ein Sprecher der Kreisleitstelle für das Rettungswesen auf Anfrage unserer Redaktion. In den meisten Fällen mussten die Wehrleute für umgestürzte Bäume und Strommasten ausrücken. Aber auch heruntergefallene Dachziegel, abgerissene Stromkabel und ausgefallene Ampeln gehörten zum Einsatzrepertoire der Kräfte. Unter anderem waren drei Stromleitungen in Wesel betroffen - eine davon am Heideweg. Nach Angaben des Innogy-Verteilnetzbetreibers Westnetz kam es am Niederrhein und im Kreis Borken zu Stromausfällen. Waren zu Beginn des Orkans 50.000 Einwohner ohne Strom, konnte Westnetz nach eigenen Angaben am Spätnachmittag 43.000 Einwohner in den betroffenen Kommunen wieder mit Energie versorgen.

In Wesel musste die Feuerwehr nach Angaben von Wehrchef Thomas Verbeet zu mehr als 100 Einsätzen ausrücken. In der Spitze waren zeitgleich 89 Leute in 20 Fahrzeugen im Einsatz. Meist mussten Bäume zersägt werden, die auf Straßen gestürzt waren. Gesperrt werden mussten zeitweise die Ferdinand-Galle-Straße und die Ritterstraße. Auch die B8 war am Spätnachmittag in Höhe Friedrichsfeld betroffen.

Die Mitarbeiter der Schermbecker Bauhofes hatten alle Hände voll zu tun, um diesen umgestürzten Baum von Straße Landwehr zu entfernen. FOTO: Scheffler

Verbeet erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass zahlreiche Bürger bei der Weseler Feuerwache angerufen hätten, weil sie unter 112 bei der Kreisleitstelle nicht durchgekommen seien. Das jedoch wird bei der Leitstelle bezweifelt. Ein Sprecher sagte: "Natürlich müssen die Bürger etwas warten, wenn gleichzeitig 100 Leute anrufen. Da muss man etwas Geduld aufbringen."

Kurios: In Dingden musste die Polizei am Nachmittag eine Büffelherde in Schach halten. An der Krechtinger Straße war ein Baum in einen Weidezaun gestürzt, weshalb bei der dort eingepferchten Herde kurzfristig die Hoffnung auf Freiheit keimte. In Hamminkeln wurden außerdem die Flügel der Windmühle an der Dohlenstraße beschädigt. Überdies stürzte ein Baum aufs Dach eines Reihenhauses an der Blumenkamper Straße.

Dieses Hausdach am Blumenkamper Weg in Hamminkeln wurde zerstört. FOTO: Klaus nikolei

Das Sturmtief hatte natürlich auch Auswirkungen auf den Schulunterricht. So blieb eine Vielzahl von Schulen in der Region - bis auf die jeweils vorgeschriebene Betreuungsgruppe - geschlossen. In Wesel hatten die meisten Schulleitungen nach der Veröffentlichung der Unwetterwarnung am Mittwoch um kurz nach 19 Uhr über Mail, Whatsapp oder Facebook die Eltern und Schüler über die Entscheidung informiert. Unter anderem am Konrad-Duden-Gymnasium funktionierte diese Art der Informationsweitergabe so gut, dass am Morgen kein einziger Schüler in der Betreuungsgruppe auftauchte. Das erklärte Ulrike Freund, die Schulpflegschaftsvorsitzende des KDG. Ins AVG kam nur eine Handvoll Schüler.

Eine der wenigen Schulen, in der gestern unterrichtet wurde, war die Gesamtschule am Lauerhaas. Schulleiter Dirk Timmermann erklärte, dass er selbst am Mittwoch erst gegen 23 Uhr offiziell von der Unwetterwarnung erfahren habe. "Wie hätten wir da die Schüler und Eltern informieren sollen? Die Eltern brauchen Sicherheit für die Betreuung ihrer Kinder - und die war bei uns gegeben", sagt Timmermann. Gut ein Drittel der Schüler war ganz normal zum Unterricht erschienen, der Rest zu Hause geblieben. "Das ist auch gut so, dass die Eltern letztlich entscheiden können", sagt der Gesamtschulleiter.

An vielen Straßen, so wie hier in Blumenkamp, liegen umgestürzte Bäume. FOTO: Klaus Nikolei

Um Schulleitungen künftig die Entscheidung zu erleichtern, bei Unwettergefahr auf Unterricht zu verzichten, will die Stadt Konsequenzen ziehen und die Kommunikation verbessern. Teamleiter Thorsten Hummel hat gestern alle Schulleitungen angemailt, um eine Lösung abzustimmen: "Wir wollen eine gemeinsame Plattform finden, so dass wir künftig auch abends miteinander kommunizieren können, wenn es nötig sein sollte."

Quelle: RP
 
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