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Niederrhein
Multikönner für den Hof von morgen

Niederrhein. Auf der "GreenLive" können Fachleute bis morgen erfahren, wie der Krise in der Landwirtschaft zu begegnen ist.

Viele nachdenklich oder sogar besorgt stimmende Aussagen waren im Vorfeld getroffen worden. Darüber, dass die Landwirtschaft sich derzeit in einer besonders schwierigen Zeit befindet, weil Milch- und Fleischpreise im Keller sind, weil die EU sich immer neue Härten für die Branche ausdenkt, weil die Umweltauflagen immens sind. Wer jedoch gestern durch die Hallen der Messe Kalkar wanderte, um die diesjährige "GreenLive" aus der Nähe zu betrachten, hörte auch andere Töne. Wenn es kein Pfeifen im Dunkeln war, sind viele Berufsvertreter und Akteure aus benachbarten Branchen durchaus der Meinung, dass die Zeiten für die Landwirtschaft bald wieder besser werden. Wenn auch nur dann, wenn die handelnden Personen auf die neuen Umstände marktgerecht reagieren.

Sich darauf vorzubereiten bot (und bietet noch bis morgen) die Messe einmal mehr reichlich Gelegenheit. Mehr als 220 Aussteller, darunter Hersteller, Zulieferer und Dienstleister aller Art, gaben einen guten Überblick über ihre Angebotspalette. Kurz vor 13 Uhr standen die Landwirte, die sich (zum Teil) mit dem Gedanken trugen, das eine oder andere Gerät anzuschaffen, vor dem Eingangstor Schlange. Ganz pünktlich eröffnete Wunderland-Chef Han Groot-Obbink die Messe. Wer noch nicht zuhause am Tisch gesessen hatte, fand an einem der Stände eine leckere Kleinigkeit und machte sich so gestärkt auf den Rundweg. Landwirte haben meist wenig Zeit, weswegen viele von ihnen zielgerichtet auf den Stand lossteuerten, dessentwegen sie gekommen waren. Aber auch das Umsehen lohnte sich, denn wer auch künftig noch von seinem Hof leben will, muss perspektivisch planen.

Ein Trend: große, starke, oft multifunktional einsetzbare Geräte. Denn die Landwirte am Niederrhein - allein im Kreis Kleve gibt es 1800 Betriebe mit rund 9000 Beschäftigten - bedienen sich keinesfalls nur der Dienste von Lohnunternehmen. Viele Aufgaben werden selbst angepackt, vorausgesetzt, der Hof hat eine Größe, die entsprechende Investitionen lohnt.

Der Deutz-"Warrior", der genauso respekteinflößend wirkt, wie sein Name vermuten lässt, ist ein riesiger Schlepper mit mannshohen Rädern, 285 PS und allem, was der Bauer benötigt, um den Boden zu bearbeiten oder Gülle zu transportieren. Zu kaufen gibt es ihn für eine Vierteilmillion Euro etwa bei Pieper in Rees-Millingen. Ebenfalls ein vielbeachteter Riese: der "Manitou" in der Jubiläums-Edition. "Dieser Teleskopstapler kann Heu, Stroh, Mist oder Material für die Biogasanlage bis in sieben Meter Höhe heben", erklärt Michael Bongers von der Firma Reiter.

Streutgens aus Nierswalde ist mit Hofladern vertreten, Multikünstlern, die im Stall und auf dem Hof zum Einsatz kommen. Für 30.000 oder 40.000 Euro sind wendige Kleinfahrzeuge zu bekommen, die Paletten bewegen, kehren, schaufeln, heben oder auch Rundballen zerschneiden können. In Kommunen und Betrieben kommen vermehrt leise und umweltfreundliche Elektrofahrzeuge zum Einsatz. Grünschnitt transportieren, Werkzeuge von A nach B bringen, Friedhöfe in Ordnung halten - dafür sind sie geeignet. Versicherer, Experten für Tiergesundheit oder Hallenbau - die Produktpalette ist riesig. Und weil Landwirte auch "normale" Verbraucher sind, darf Jahrmarktatmosphäre, vermittelt durch Schuhcreme, Käse, Garten-Deko und Haushaltsartikel, auch dabei sein.

(nik)
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