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Wesel
Mutterkälte - ein heißer Mordfall

Wesel: Mutterkälte - ein heißer Mordfall
Eva Karnofsky hat erneut ein Buch geschrieben, das in ihrer Heimat spielt. Ging es im Lokal-Krimi Nummer eins um das umstrittene Fracking, ist jetzt das Thema Wohlstandsverwahrlosung dran. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Wesel. Eva Karnofskys neuer Krimi ist jetzt zu haben. Die Geschichte ist spannend und intelligent zugleich. Am Samstag stellt sie ihr Buch auf der Messe in Frankfurt vor.

Um es vorweg zu sagen: Eva Karnofsky, Journalistin aus Hamminkeln, ist ein guter Kriminalroman gelungen. Die Geschichte um die karrieregeile Abgeordnete Rita Tewes-Hülshorst und den Unternehmer-Gatten Rainer Tewes, die keine Zeit, keine Liebe für ihre Kinder haben, aber jede Menge Geld, um sie mit Verwöhnen stillzuhalten, ist ein Sozialdrama der spannenden Art. Nicht mit dem sozialkritischen Zeigefinger, sondern als gesellschaftliches Fundament einer Handlung, die Karnofsky stringent und horizontal durcherzählt. Direkt und schnörkellos, manchmal mit leichter Ironie und immer mit knackigen Typen. "Mutterkälte" im Umkehrschluss zur versagten Liebe heißt ihr zweiter Krimi nach "Opferfläche", der diesmal in der Trierer editions treves erschienen ist. Das Buch ist bereits im Handel erhältlich. Eine Erstlesung in Hamminkeln hat kürzlich schon Appetit gemacht (RP berichtete).

Die Bezeichnung "Wohlstandsverwahrlosung", um die es in dieser Geschichte schwerreicher, stark beschäftigter Eltern und ihrer verwahrlost ausflippender, um Liebe ringender Kinder geht, fällt erst ganz zum Schluss. Gottseidank, der Krimi hätte auch angesichts des schwierigen Themas ein besserwisserisches Bekehrungsdrama über die marode Gesellschaft werden können. Schließlich ist die Materie komplex, die gesellschaftliche Frage stellt sich immer, und die Informationen aus fachlicher Hand für die Autorin waren intensiv. Das lässt sich in der Danksagung nachlesen. Aber die Hamminkelner Journalistin, die als Literaturkritikerin für Deutschlandfunk, WDR und SWR arbeitet, hat sich Fakten und Genauigkeit besorgt, um ihre Figuren zu beleben, zu charakterisieren und so handeln zu lassen, dass die sozialen Verwerfungen aus ihnen heraus schlüssig werden. Dazu gehört schriftstellerische Qualität. Spannung bleibt bis zum Schluss, wer denn nun die gemeuchelte Rita Tewes-Hülshorst auf dem Gewissen hat. Die Lösung ist nicht ganz so unerwartet.

Wie es Leser mögen, greift Karnofsky ihr Personal aus dem ersten Buch auf, etwa Karola Krauss oder Torsten Schmitt von den Niederrhein-Nachrichten. Keine Typen, sondern lebensechte Charaktere mit Wünschen und Zweifeln. Ein bisschen viel wird das Redaktionsleben ausgemalt mitsamt Ehrgeiz, immer die schnellste Nachricht zu platzieren und schnell noch das passende Bild zu schießen. Der Titel "Mutterkälte" stammt übrigens von RP-Redakteur Bernfried Paus. "Dem Redaktör ist nichts schwör", sagt Eva Karnofsky, die nach eigenen Angaben "Titel nicht kann". Nobody is perfect, aber das Buch ist lesenswert.

Die Autorin stellt ihr Buch am Samstag, 17. Oktober, 14 Uhr, auf der Frankfurter Buchmesse vor.

Thomas Hesse

Eva Karnofsky: Mutterkälte; 176 Seiten, 12,80 Euro, editions treves, ISBN 978-3-88081-563-6

Quelle: RP
 
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