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Wesel
Nach 162 Jahren: Spielwaren Franck schließt

Wesel: Nach 162 Jahren: Spielwaren Franck schließt
"Am Ende konnten wir mit dem Angebot im Internet nicht mehr mithalten: Dorothee Cramer ist die Entscheidung schwer gefallen, das Geschäft Ende Mai zu schließen. "Ich hätte gerne noch 20 Jahre weitergemacht." FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Dorothee Cramer hat die Immobilie an der Hohen Straße an Schreibwaren Michelbrink verkauft. Bis Ende Mai laufen die Geschäfte. Von Klaus Nikolei

Das wohl älteste Fachgeschäft in der Weseler Innenstadt gibt auf: Ende Mai wird Spielwaren Franck, von Dorothee Cramer in fünfter Generation geführt, für immer schließen. "Es ist eine Entscheidung der Vernunft, nicht des Herzens", sagt die 48-jährige Diplom-Ökonomin im Gespräch mit unserer Zeitung. Einen zusätzlichen Leerstand wird es allerdings nicht geben. Denn Dorothee Cramer hat das Geschäftshaus an der Hohen Straße 32 verkauft. Und zwar an Nils Michelbrink, Chef des schräg gegenüberliegenden Fachgeschäfts Schreibwaren Michelbrink an der Hohen Straße 43. Anfang Juni sollen die aufwendigen Umbauarbeiten beginnen, im August soll dann der Umzug in das Wohn- und Geschäftshaus erfolgen. "Wir werden versuchen, allen fünf Franck-Mitarbeiterinnen eine Stelle bei uns anzubieten", kündigte Nils Michelbrink an. In das neue Objekt wird er nach eigenen Angaben "mehrere Hunderttausend Euro" investieren. Für sein Haus Hohe Straße 43 gibt es bereits einen Interessenten. Unterschrieben ist allerdings noch nichts.

Dass der Handel mit Spielwaren in Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche Tablets und Smartphone den Vorzug vor klassischem Spielzeug und Brettspielen geben, immer schwieriger werden würde, darauf hatte sich Dorothee Cramer schon seit Jahren vorbereitet. Die Folge war, dass Abteilungen geschlossen wurden. Weil aber in jüngster Zeit die Konkurrenz durch das Internet einfach zu groß geworden ist, muss sie jetzt die Reißleine ziehen.

"Auch wenn unsere Auswahl immer noch ganz gut war, konnten wir einfach nicht mit dem Angebot im Internet mithalten", sagt sie. Das sei kein Weseler Problem, sondern ein Trend, unter dem die gesamte Branche leide. "So wie uns ist es schon vielen meiner Kollegen gegangen, die alle der Vedes-Einkaufsgenossenschaft angehören", bedauert die Weselerin. 1994, unmittelbar nach Ende ihres Studiums, stieg Dorothee Cramer in das Geschäft ein, das sie fünf Jahre später von ihrem Vater Fritz übernahm. "Ich dachte mir damals, Kinder werden immer geboren und gespielt wird immer."

Zwei Dinge gibt es, die sie derzeit ein wenig trösten: "Zum einen freuen wir uns, dass sich viele unserer Stammkunden bedanken und die Schließung sehr bedauern. Das tut schon gut und zeigt, dass wir vieles auch richtig gemacht haben. Zum anderen, dass es keinen weiteren Leerstand geben wird und Nils Michelbrink hier garantiert etwas Gutes für Wesel schaffen wird."Was sie ab Juni beruflichen machen wird, steht noch in den Sternen. "Ich hätte am Liebsten noch 20 Jahre weitergemacht", sagt sie.

Nun aber endet eine ungewöhnliche Firmengeschichte, die im September 1856 begann. Damals gründete Friedrich Peter Franck an der Hohen Straße sein Geschäft für handwerkliche Erzeugnisse der Drechslerkunst. Recht schnell entwickelte sich daraus eine Stock- und Pfeifen-Fabrik. Wenig später nahm er auch Lederwaren mit ins Programm auf. 1905 erwarb sein Sohn Wilhelm Adolf das Nachbarhaus und expandierte. Seine Frau Marie legte ihre ganze Tatkraft und Liebe in den Aufbau einer Spielzeug-Abteilung. Als Wilhelm Adolf Franck unerwartet 1926 verstarb, musste sein Sohn Ernst im Alter von 21 die Leitung des Geschäftes übernehmen. Ende des Zweiten Weltkriegs ging das Geschäft der Familie Franck im Bombenhagel unter.

1947 begannen die Großeltern von Dorothee Cramer mit dem Verkauf in einem Gartenhäuschen an der Wackenbrucher Straße auf dem Fusternberg, bezogen wenig später ein knapp 25 Quadratmeter großes Ladenlokal an der Friedenstraße. 1951 kehrte das Geschäft an seinen angestammten Platz zurück. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Geschäft mehrfach umgebaut, zuletzt 1989 beim Bau der Apollo-Passage.

Quelle: RP
 
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