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Kreis Wesel
Nach Zug-Absage: Flüchtlinge hilflos

Kreis Wesel. Markus Jansen, Leiter der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) im Rheinberger Ortsteil Orsoy ist im Urlaub von der Nachricht überrascht worden, dass der Rosenmontagszug im Rheinstädtchen unter anderem mit dem Hinweis auf unkalkulierbares Konfliktpotenzial mit Flüchtlingen abgesagt worden ist. Jansen unterbrach seine Ferien für ein paar Stunden, um seinem Team und den derzeit rund 200 Asylbewerbern in der Einrichtung wegen der aufwühlenden Ereignisse beizustehen, die weit in die Republik ausstrahlen. Seine Einrichtung war für Medienvertreter gestern verschlossen. Auch Bewohner wollten sich nichtöffentlich äußern. Von Bernfried Paus

Jansen selbst stellte sich im Gespräch mit der Rheinischen Post vor seine Schützlinge: "Mir ist sehr daran gelegen, dass die Bewohner nicht zum Spielball gemacht werden. Die haben zu der Entscheidung, den Karnevalszug abzusagen, nicht das Geringste beigetragen". Die Entscheidung, die ihn "sehr verwundert" habe, müssten der Karnevalsverein 1. OKK 99, Stadt und Polizei verantworten, so der Einrichtungsleiter.

Er berichtet davon, dass die Flüchtlinge über Fernseh-Bilder sehr wohl mitbekommen hätten, dass in Orsoy im Zusammenhang mit der Unterkunft Dinge im Gange seien, die mit ihnen zu tun hätten. "Die Verunsicherung ist auf jeden Fall da", sagte Jansen, "gerade weil das schlimme Geschehen in Köln noch nachwirkt." Da gebe es bis heute mehr Fragen als Antworten. Auch deshalb, so der Einrichtungsleiter, wehre er sich vehement dagegen, "alle Flüchtlinge pauschal unter ein Zelt zu stellen" und zu kriminalisieren. "Das nenne ich höchst unfair und letztlich gefährlich", sagt Markus Jansen.

Petra Platzek, die im Pfarrheim St. Peter für die Volkshochschule Rheinberg einen Integrationskurs mit 15 Männern leitet, hat gestern Morgen hautnah erfahren, wie stark die aktuellen Nachrichten viele Flüchtlinge in Orsoy belasten. "Die Angst geht um", so ihr handfester Eindruck. Einige Männer hätten ihr von einem denkwürdigen Erlebnis an einer Bushaltestelle gegenüber der Kirche im Ort erzählt, nachdem die ersten Nachrichten von der Absage des Karnevalszuges im Netz unterwegs waren. Ein Autofahrer habe unvermittelt die Seitenscheibe runtergedreht, die Männer übel beschimpft und den Stinkefinger gezeigt.

"Die Männer sind die Leidtragenden der Ereignisse und völlig hilflos. Sie wissen gar nicht, wie sie sich gegenüber solchen aggressiven Äußerungen verhalten sollen", sagt ihre Deutschlehrerin, die ihnen gestern Morgen erst einmal versucht hat zu erklären, was Karneval am Rhein eigentlich bedeutet. Sie habe ihnen geraten, "neutral zu bleiben und den Ball flach zu halten", wenn Ärger drohe.

Quelle: RP
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