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Kreis Wesel
Nachwuchs für die Seeadler

Kreis Wesel: Nachwuchs für die Seeadler
Von Fischen und Wasservögeln ernähren Seeadler sich in erster Linie. Allerdings steht so manches Mal auch Aas auf ihrem Speiseplan. Seeadler sind monogam; gut einen Monat dauert es, bis ein Jungtier schlüpft. FOTO: Nabu
Kreis Wesel. Schon seit einigen Jahren lebt ein Seeadler-Pärchen auf der Bislicher Insel - nun hat es zwei Jungvögel bekommen. Es ist seit Jahrhunderten die erste Seeadler-Brut in NRW. Von Heidrun Jasper

Der Seeadler an sich liebt die Ruhe. Und vor allem die Weite. Beides findet das Seeadler-Pärchen, das seit einigen Jahren auf der Bislicher Insel in Xanten lebt, in dieser zehn Quadratkilometer großen Auenlandschaft aus Wald, Wiesen und Gewässern. Kürzlich hat das Pärchen zum ersten Mal Nachwuchs bekommen. "Wir haben gedacht: Irgendwann brüten die vielleicht", sagt Thomas Traill von der Biologischen Station im Kreis Wesel. Jetzt haben sie es getan: Zwei Jungvögel sind am 8. Juli zum ersten Mal gesichtet worden.

Seit Jahrhunderten hat es in ganz Nordrhein-Westfalen keine Brut mehr gegeben, weiß der 29-Jährige, der in Aachen Chemie studiert hat und seit zwei Jahren als Biologe in der Station in Wesel arbeitet. Denn Greifvögel (und dazu gehört auch der Seeadler) galten als Feinde, Steinadler beispielsweise haben Lämmer geschlagen. Also wurden sie vor Jahrhunderten gejagt, später tat das Pflanzengift DDT sein Übriges und sorgte dafür, dass in Mitteleuropa Seeadler fast verschwunden waren. Fast. Zwar handelt es sich bei dem Seeadler-Pärchen auf der Bislicher Insel um das einzige in ganz NRW; anders sieht es dagegen in Ostdeutschland aus, wo es noch Gegenden gibt, in denen wenig Menschen leben.

Zum Beispiel die Uckermark, Heimat von Kanzlerin Angela Merkel und eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Deutschlands. "Hier findet man mehr Seeadler", weiß Thomas Traill. Und auch, dass der Seeadler monogam lebt, etwas mehr als zwei Meter Spannbreite hat und sich in erster Linie von Fischen und Wasservögeln ernährt. Allerdings isst er auch Aas, "allzu wählerisch darf man auch als Seeadler nicht sein, wenn man überleben will".

Das Pärchen, das jetzt Nachwuchs bekommen hat, ist etwa fünf Jahre alt, glaubt der Biologe. Typisch für diese Art ist neben der Größe der riesige Schnabel. Die Jungvögel sind dunkelbraun, "die Alten haben einen hellen Kopf und einen überwiegend weißen Schwanz". Und sie sehen völlig anders aus als die gängigen Greifvögel, "machen beim Fliegen den Eindruck eines großen Brettes", sagt Thomas Traill über den Fleischfresser, der etwa vier Kilogramm wiegt, bis zu 20 Jahre alt werden kann, in der Spannbreite sogar den Storch übertrifft und wie dieser Nester auf Bäumen baut.

Einen Monat brauchen die Jungen, um zu schlüpfen; fast weitere drei Monate dauert es, bis sie herangewachsen sind. Eine Zeit lang bleiben sie im Familienverbund, irgendwann werden aber auch junge Seeadler von ihren Eltern vertrieben. Als Vogelliebhaber freut sich Thomas Traill über die Seltenheit der Aufzucht, als Biologe darüber, dass das Naturschutzgebiet in der Lage ist, Seeadler zu tragen. Denn wie gesagt: Der Seeadler braucht Fläche, verteidigt sein Territorium gegen Greifvögel, lässt nicht zu, dass andere Seeadler in seinem Gebiet wildern. Und wenn man Glück hat und es ist nicht diesig oder nebelig, dann kann man sie auch sehen, die Seeadler auf der Bislicher Insel.

Quelle: RP
 
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