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Kreis Wesel
"Natürlich Niederrhein" startet in Moers

Kreis Wesel. Im Gartencenter Schlößer hat gestern ein Testlauf begonnen, in dem erprobt werden soll, wie die Verbraucher auf das neue Angebot einer regionalen Marke für Stauden und Topfblumen reagieren. Von Jürgen Stock

Draußen vor den Pavillons des Gartencenters Schlößer fallen drei Tische mit Stauden besonders auf: Zum einen hat es den Anschein, als ob Lavendel, Ziersalbei und Orchideenprimel hier noch ein wenig prächtiger blühen als an den anderen Ständen, zum anderen, weil dort mitten im Blumenmeer ein Foto mit zwei jungen Herren auf die Erzeuger der Blütenpracht aufmerksam macht: Stefan van Issem aus Geldern und Tobias Mund aus Kerken werben mit den Fotos für ihre im Familienbetrieb heimischen Gewächse. An diesem Tag sind die beiden sogar persönlich anwesend. Sie wollen auf den Start des Marketing-Projekts "Natürlich Niederrhein" aufmerksam machen.

Unter der wissenschaftlichen Begleitung der Fontys-Hochschule Venlo und der Hochschule Rhein-Waal (Kleve und Kamp-Lintfort) will die Branche in den nächsten acht Wochen erkunden, ob sich mit dem Gütesiegel "Natürlich Niederrhein" mehr Pflanzen verkaufen lassen als mit No-Name-Produkten. "Vor allem wollen wir Zahlen sammeln für den Abverkauf", betont Gartencenter-Chef Thomas Schlößer.

Er erinnert an einen zweiwöchigen Probelauf im vergangenen Jahr, als die ersten Pflanzen unter dem Logo "Natürlich Niederrhein" für zwei Wochen in den Handel kamen. Fontys-Studenten fanden durch Kundenbefragung im Moerser Gartencenter heraus, dass die Kunden nicht nur bei Erdbeeren und Tomaten, sondern auch bei Zierpflanzen heimischen Produkten den Vorzug geben und bereit sind, dafür auch etwas mehr zu zahlen.

Das Ergebnis soll nun mit Daten unterfüttert werden. Da die Initiatoren aber nicht nur wissen wollen, ob das geschützte Logo in der Region gut ankommt, sondern sich auch für das nationale Vermarktungspotenzial interessieren, läuft parallel zu dem Versuch mit den drei Verkaufstischen in Moers auch ein Test bei der Gärtnerei Pötschke in Schwerte. "Äpfel aus dem Alten Land sind zu einem Begriff geworden, auch wenn viele Kunden gar nicht wissen, wo das Alte Land liegt", erläutert Agrobusiness-Geschäftsführerin Anke Schirocki. Daniel Köhli vom Pflanzen-Großhändler Gasa aus Kevelaer nickt. "Wir wollen versuchen, eine starke Marke Niederrhein auch beim Geschäft mit Stauden zu schaffen", sagt er. Immerhin gebe es am Niederrhein, so die Agro-Expertin Schirocki, die höchste Dichte von Zierpflanzen-Erzeugern in der Bundesrepublik. Die meisten davon seien Familienbetriebe wie der von Tobias Mund in Geldern. "Wir verkaufen ja unsere Stauden bis nach Norwegen hinauf", sagt Gärtnermeister Mund. "Aber von dort bekommen wir nie eine Reaktion, ob die Kunden zufrieden sind."

Das soll sich mit der gestern gestarteten Kampagne ändern. Unter den Fotos der Studenten befindet sich ein Internet-Link und ein QR-Code, hinter denen sich weitere Informationen zu den erzeugenden Betrieben verbergen. Verbraucher haben so auch die Möglichkeit, direkt mit den Erzeugern Kontakt aufzunehmen und so ein Defizit abzubauen: "Gärtner wissen zwar sehr viel über Pflanzen, aber nur sehr wenig über die Konsumenten", sagt Fontys-Dozent Henning Janßen.

Thomas Schlößer ist überzeugt, dass sich das Experiment spätestens im kommenden Jahr auszahlen wird: "Die Leute bewahren die Etiketten mit dem Logo häufig auf. Und wenn die Ware gut war, kaufen sie sie im nächsten Jahr wieder."

Quelle: RP
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