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Wesel
Netz für Schwangere geknüpft

Wesel: Netz für Schwangere geknüpft
Vier setzen auf eine Karte (v.l.): Nadine Richter, Gabriele Tjardes, (vorn), Claudia Meys und Tanja Halici machen jetzt verstärkt Jugendliche auf die breite Angebotspalette der Schwangerschaftsberatung aufmerksam. FOTO: RPO
Wesel. Diakonie, SKF und Awo haben Konkurrenzgedanken beiseite gewischt und einen gut funktionierenden Arbeitskreis gestartet. Verstärkt widmen sie sich nun jungen Leuten und AlG II-Empfängerinnen. Von Fritz Schubert

wesel/dinslaken Freundschaft, Liebe, Sex, Verhütung, Schwangerschaft – weiß da heutzutage nicht jedes Kind Bescheid ? Eben nicht, sagen die Expertinnen der Schwangerenberatungsstellen aus Wesel und Dinslaken, die für alle Kommunen im rechtsrheinischen Teil des Kreises Wesel zuständig sind. Im Weseler Lutherhaus machten sie gestern auf die Bandbreite ihrer Angebote aufmerksam und stellten Ergebnisse ihrer Netzwerk-Arbeit vor. Den Konkurrenzgedanken haben sie vor zwei Jahren beiseite gewischt.

5000 Karten mit Herz

Gabriele Tjardes (Diakonisches Werk Wesel), Claudia Meys (Dinslaken), Nadine Richter (Sozialdienst katholischer Frauen Wesel) und Tanja Halici (Arbeiterwohlfahrt) treten gemeinsam auf. Verstärkt widmen sie sich jetzt jungen Leuten. Vorbeugen wollen sie und appellieren daran, nicht erst zu kommen "wenn es zu spät ist". Helfen sollen 5000 Karten. Sie liegen nun an Orten aus, die von Jugendlichen besucht werden, Kinos, Videotheken, Jugendzentren, Kneipen. Pick-up-Karte nennen sie den knallgelben Info-Karton, den ein angebissenes Lebkuchenherz mit Liebesperlen-Belag ziert.

Passend zur freizügigen Karnevalszeit bringen die Beraterinnen ihr Angebotsinfo unters Volk. Im Jahresverlauf gebe es Wellenbewegungen. Ein heißer Sommer, Weihnachten/Silvester oder eben Karneval – sechs Wochen später erhöhe sich die Beratungsnachfrage. Allein rund 1000 Fälle registriert die Diakonie Wesel im Jahr. Nicht immer geht es um konkrete Schwangerschaft. Wie Tanja Halici amüsiert berichtet, bekam sie mal Besuch von fünf Musliminnen im Alter von zwölf bis 15 Jahren. Der Frauenarzt hatte die Gruppe zur Beratung geschickt. Die Mädchen wollten die Pille verschrieben bekommen, weil sie gehörten hatten, dass sie eine schönere Haut mache. Daraus entwickelte sich laut Halici ein munteres Gespräch über alle möglichen Themen. Gut informiert ging das Quintett. Und das sollen künftig noch viel mehr junge Leute können, die oft wenig über die Palette der Beratungsstellen wüssten, sagt Gabriele Tjardes. Kostenlos und anonym gibt es Infos. Und wenn es schnell gehen muss, dann gibt es auch sofort einen Termin.

Gefruchtet hat die Netzwerk-Arbeit auch auf anderer Ebene. Mit der Hartz-Arge wurde ein Flyer für schwangere AlG II-Empfängerinnen entwickelt. Die können nämlich auf Antrag wesentlich mehr Hilfen bekommen. Nur wissen das nicht alle Betroffenen. Auch Arge-Mitarbeiter, die ja laut Tjardes nicht alle aus dem Fachgebiet Soziales kommen, gehören zur Klientel, die mit dem Blatt informiert wird.

Quelle: RP
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