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Wesel
Neues Klo wird zweimal täglich gereinigt

Wesel: Neues Klo wird zweimal täglich gereinigt
Gestern bei der Eröffnung (v. r): Wolfgang Lingk und Jutta Radtke (beide CDU), Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Ulrich Marose (beide SPD). FOTO: Sebastian Peters
Wesel. Die Toilettenanlage am Bahnhof ist eröffnet. Täglich soll sie 365-mal im Jahr gereinigt werden, am Anfang sogar doppelt täglich. Achtung: Die Anlage schließt nach 23 Uhr automatisch, signalisiert aber lediglich "besetzt". Von Sebastian Peters

Die Stadtverwaltung hat gestern bei der Eröffnung des neuen Weseler Toilettenhäuschens am Bahnhof mitgeteilt, dass die Anlage in den ersten vier Wochen zweimal pro Woche gereinigt werden soll. Basierend auf diesen Erfahrungen soll dann eine Taktung für die kommenden Jahre festgestellt werden. Geplant sei auf jeden Fall eine Reinigung an 365 Tagen im Jahr, erklärte Heiner Versteege vom Gebäudeservice.

Jahrelang hatte Wesel über das Fehlen einer Toilettenanlage am Bahnhof diskutiert: Es gab nur Behelfslösungen. Die Bahn wollte nicht tätig werden. Also initiierte die Stadt Wesel den Bau der Anlage selbst. 130.000 Euro hat das Toilettenhaus gekostet, das laut Stadtchefin Ulrike Westkamp (SPD) "vandalismushemmend" ausgerichtet sei. Das bedeutet: Es soll schwer sein, das Haus zu verunstalten. 90 Prozent der Kosten werden über kommunale Fördermittel getragen, zehn Prozent trägt die Stadt.

Toilettenpapierspender mit Abfalleimer FOTO: Sebastian Peters

Selten ist eine Toilettenanlage wohl mit so viel Öffentlichkeit eingeweiht worden. Neben Bürgermeisterin Westkamp kam der Beigeordnete Klaus Schütz, Kämmerer Paul-Georg Fritz, Anita Timmreck vom Fachbereich Gebäudeservice sowie viele Vertreter aus der Weseler Politik. Fast ebenso groß war die Schar der Fotografen. Ulrike Westkamp betrat die Toilettenanlage nicht im Beisein der Presse. "Nur Bilder von außen mit mir", sagte die Bürgermeisterin in Richtung der Fotografen. Sie würdigte in ihrer Ansprache, dass sich die Toilette optisch in die Umgebung einfüge.

Wichtig für nächtliche Besucher: Die Toilette öffnet morgens um 5 Uhr und schließt nachts um 23 Uhr - automatisch. Danach wird die rote Lampe leuchten und ein "Besetzt-Signal" geben. Es befindet sich also niemand auf der Toilette, wenn man nachts davor steht. Sie kann schlicht erst am Morgen wieder genutzt werden. Diese Nutzungszeiten sollen in Kürze auch außen angeschrieben werden, erklärte Anita Timmreck vom Gebäudeservice.

Selbst über Blitzableiter verfügt die Toilettenanlage. FOTO: Sebastian Peters

Die Liste der Ausstattungsgegenstände ist lang: Drei mal vier Meter ist die Anlage groß, es gibt einen WC-Raum mit behindertengerechter Toilette, dazu einen separaten Technikraum. Der Boden ist fugenlos und besteht aus Kunstharz. Die Innenwände sind aus Stahlbeton, selbsttragend mit Vollwärmeschutz nach der Energieeinsparverordnung. Eine Fußbodenheizung ist eingebaut, ebenso doppelwandige wärmegedämmte Edelstahl-Türen. Die Türen schließen per Magnet, ein international gültiges Frei/Besetzt-Piktogramm signalisiert, ob man die Toilette nutzen kann. Auch einen ausfahrbaren Wickeltisch hat die Toilettenanlage. Unter dem separaten Urinal befindet sich ein Boden namens Urifloor: ein Stahlboden mit Löchern. Bei jedem Spülgang wird er mit gereinigt. Die Innenbeleuchtung ist vandalismushemmend und in die Decke integriert. Sowohl innen wie auch außen sind die Wände durch nahezu unzerstörbares Glas ummantelt. So sind Graffiti leichter zu entfernen.

Es gibt einen wandintegrierten, selbstabschließenden Abfallbehälter. Für die behindertengerechte Ausstattung gibt es zwei Notruftasten, zwei Umsetzhilfen mit Auslöser für WC-Spülung und Papierrollenhalter sowie einen beidseitig anfahrbaren WC-Topf mit knapp einem Meter Bewegungsfläche zur Wand. Das Klo hat eine Sensortaste sowohl für WC-Spülung, Seife, Wasser als auch für den Luft-Händetrockner. Papier zum Abtrocknen der Hände gibt es nicht. Damit von außen möglichst wenig beschädigt werden kann, hat die Toilette eine nach innen liegende Regenrinne. Selbst Blitzableiter sind zu allen Seiten installiert.

Ein ausklappbarer Wickeltisch für Eltern mit Kleinkind FOTO: Sebastian Peters

Die Anlage wurde bei der Firma Hering in Burbach gebaut und als Ganzes nach Wesel transportiert. Vor zwei Wochen wurde sie aufgestellt. Der ASG hat im Nachgang das Pflaster angeglichen, so dass die Anlage barrierefrei erreichbar ist. Ein ähnliches Modell steht im niederrheinischen Viersen. Im März hatte die Verwaltung dort das Toilettenhaus besucht und Erfahrungen mit nach Wesel gebracht.

Anlässlich dieser Ausstattung ist die Nutzungsgebühr fast günstig zu nennen: 50 Cent zahlt man. Behinderte haben die Möglichkeit, die Anlage mit einem sogenannten Euroschlüssel kostenlos zu nutzen.

Quelle: RP
 
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