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Kreis Wesel
Niag verjüngt die Fahrzeugflotte

Kreis Wesel. Zwei neue Gelenkbusse bieten mehr Platz für Rollstuhlfahrer. Auch vier neue Standardwagen sind im Dienst. Von Josef Pogorzalek

Man stelle sich vier VW Golf, Stoßstange an Stoßstange gestellt, vor. Dahinter noch ein quer geparkter Smart Fortwo: Das ist in etwa die beeindruckende Länge der neuen Niag-Gelenkbusse. Zwei der 18,75 Meter messenden Ungetüme sind auf den Linien des Verkehrsunternehmens unterwegs. Gestern stellte die Niag in Moers die Neuanschaffungen offiziell vor. Neben den superlangen Gelenkbussen (Stückpreis: 290.000 Euro) wurden auch vier sogenannte Standardwagen (für je 200.000 Euro) gekauft.

Die neuen MAN-Gelenkbusse seien 75 Zentimeter länger als die bisherigen, sagte gestern Niag-Betriebsleiter Andreas Meuskens. Sie verfügten nicht nur über eine zusätzliche Sitzreihe mit neun Plätzen; in der Busmitte gibt es auch mehr Stellfläche, zum Beispiel für Kinderwagen, Rollatoren oder für Rollstuhlfahrer. Rollstühle müssen im Bus entgegen der Fahrtrichtung vor einer "Prallfläche" stehen. "Bisher war es oft so, dass ein Rollstuhlfahrer an der Haltestelle vor der Tür stand und nicht in den Bus konnte, weil der Platz besetzt war", sagte Meuskens. Die neuen Gelenkbusse verfügen über zwei solcher sicheren Stellplätze.

Der demografische Wandel sei auch im Öffentlichen Nahverkehr spürbar. Der Anteil von Fahrgästen mit Rollatoren und Rollstühlen steige. Insgesamt sei er aber doch noch gering. Das liege auch daran, dass viele der 3600 Haltestellen im Niag-Gebiet von den Kommunen noch nicht behindertengerecht umgestaltet worden seien. Bis 2020 schreibe eine EU-Richtlinie die Schaffung einer behindertengerechten Infrastruktur vor. Rheurdt sei mit gutem Beispiel bereits vorausgegangen. "Dort wurden alle Haltestellen umgebaut." Aber zum Beispiel am Königlichen Hof in Moers, wo täglich 10.000 Fahrgäste ein- und aussteigen, müsse dringend etwas geschehen. "Und es wird etwas geschehen."

Die neuen Iveco-Standardbusse sind in Sachen Barrierefreiheit aber auch nicht das Gelbe vom Ei. Zwar verfügen sie über Stellflächen und Klapprampen. Eine seitliche Absenkung des Fahrzeugs beim Einstieg ist ebenfalls möglich; sie ist längst Standard in den Niag-Bussen. Wer sich setzen möchte, muss aber wenigstens eine Stufe, im Fonds sogar bis zu drei Stufen erklimmen. Ganz hinten thront der Fahrgast dann sozusagen über den Dingen - was vielen Schülern Spaß machen wird.

Der Kauf der Standardfahrzeuge mit gestuftem Innenraum war eine Preisfrage, sagte Meuskens. Diese Busse seien rund 15.000 Euro billiger als diejenigen ohne Stufen. Die Niag gehört zur Rhenus-Veniro-Gruppe, die insgesamt 40 solche Fahrzeuge gekauft habe. In der Addition wirke sich der Preisvorteil erheblich aus.

Regelmäßig erneuert die Niag ihren Fahrzeugpark, der (inklusive der Tochterfirma Look-Reisen) derzeit 183 Busse zählt. Parallel zu den Neuanschaffungen werden alte Fahrzeuge, die seit 2002 und 2003 unterwegs waren, ausgemustert. Bis zu einer Million Kilometer haben sie auf dem Tacho. Der Reparaturaufwand sei mittlerweile hoch. In fernen Ländern sind die Niag-Oldtimer mitunter dennoch gefragt. "Manche werden verschrottet, andere über Händler in die ganze Welt verkauft", sagte Betriebsleiter Andreas Meuskens.

Quelle: RP
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