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Wesel
"Nicht von Versäumnissen ablenken"

Wesel. Volksbank wehrt sich gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit Eklat bei Bauvereins-Hauptversammlung. Von Klaus Nikolei

Vergangene Woche hatte der Bauverein die Presse schriftlich sehr ausführlich darüber informiert, wie intensiv er sich auf die Wiederholung der Hauptversammlung am 9. November vorbereite. Denn diesmal will das Team um Vorstand Anett Leuchtmann deutlich besser vorbereitet sein auf viele Dutzend Fragen unliebsamer Kleinaktionäre von außerhalb. Die sind - weil vertraglich vereinbart - mit Vollmachten der Volksbank Rhein-Lippe als juristischer Eigentümerin der Aktien ausgestattet und hatten eine Klage wegen Verfahrensfehlern beim Landgericht eingereicht. Trotz intensiver Berichterstattung bat Leuchtmann die Presse jetzt nochmals zum Gespräch, um zusammen mit Anwalt Lothar Venn (Hamminkeln) erneut die Position des Bauvereins darzustellen und deutlich zu machen, dass man sich "nicht erpressen" lasse (RP berichtete).

Bekanntlich hat sich auch die Volksbank, die von SPD-Fraktionschef Ludger Hovest im Zusammenhang mit der Bauvereins-Klage u.a. wegen "unverschämter Dividendenforderungen" als "Heuschrecke" bezeichnet wurde, jüngst im Rat zu den Vorwürfen geäußert. Auch darüber wurde in den Medien berichtet.

Doch auch bei der Volksbank gibt es nach wie vor große Zweifel, ob unter anderem verunsicherte Voba-Mitglieder und Bauvereins-Mieter die ganze Sache auch wirklich verstehen und erkennen, dass die Volksbank unverhofft in "den Fokus einer kommunalpolitischen Kampagne" geraten ist. Deshalb haben die beiden Vorstände Ulf Lange und Gerhard Wölki am Tag nach der Ratssitzung Pressevertreter eingeladen, um die ganze Sache nochmals aus ihrer Sicht darzustellen. Doch genau das ist, wie Ulf Lange ganz offen zugab, "nicht so einfach. Selbst als mich meine Gattin gebeten hat, ihr das alles mal genau zu erklären, habe ich gedacht: , Wie sag' ich's meiner Frau."

Zunächst holte Wölki weit aus und erklärte unter anderem, dass man von "den Attacken und dem Heuschrecken-Vorwurf der SPD-Fraktion" getroffen worden sei. Denn man betreibe nachhaltige Geschäfte in der Region und habe seit 2008 allein sechs Millionen Euro Gewerbesteuer gezahlt. Der Kleinaktionär aus Meerbusch, dem man vor 24 Jahren etwas weniger als 400 vinkulierte Namensaktionen des Bauvereins verkauft hat, habe das Recht, bei der Hauptversammlung kritische Fragen zu stellen. "Man sollte ein solches Recht nicht durch Druck kleinreden", so Wölki.

Lange erklärte, dass es sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Sache gebe. Vor allem auch im Rat. "Wir hoffen, dass wir durch unsere Darstellung dazu beigetragen haben, die Spitzen aus der Diskussion zu nehmen." Gleichwohl machte er deutlich, was aus Sicht der Volksbank Auslöser für die Kampagne war: "Eine desolat geführte Jahreshauptversammlung des Bauvereins. Punkt. Wenn Aktionäre zahlreiche Fragen stellen, dann ist das so." Den Einwand, dass der Bauverein die Klage anerkannt hat, um einen endlosen Rechtsstreit zu verhindern, ließ Lange nicht gelten. "Kein Vorstand sollte eine Klage anerkennen, die nicht rechtens ist."

Was er und Wölki überhaupt nicht verstehen können, ist der Vorwurf, dass durch eine zehnprozentige Dividendenforderung der Bauverein dauerhaft geschädigt werde. "Die Stadt hält 71 Prozent der Aktien und damit die alleinige Entscheidungshoheit. Man sollte nicht auf andere zeigen, um nicht von eigenen Versäumnissen abzulenken." Eine zehnprozentige Dividende, so Lange, hätte lediglich einen Liquiditätsabfluss von 260.000 Euro zur Folge. Zu Mieterhöhungen würde das nicht führen. Wölki hat ausgerechnet, dass der Meerbuscher Aktionär für seine Anteile rund 1700 Euro erhalten würde. Gleichwohl ist die Volksbank bemüht, die Anteile zurückzukaufen. "Allerdings nur zu einem vertretbaren Preis." Wie berichtet, hatte Investor Rolf Hauschildt am Rande der Ratssitzung der RP auf Anfrage erklärt, dass es nach wie vor sein Ziel sei, dass die Bauvereinsaktien auf seinen Namen umgeschrieben werden.

Zum Ende des Gesprächs ist beiden Bankdirektoren wichtig, dass nun so schnell wie möglich Ruhe in die ganze Sache kommt, die eigentlich allen Beteiligten bislang nur geschadet hat: "Und wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, dann soll man Gerichte entscheiden lassen und sich nicht streiten."

Quelle: RP
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