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Anne Oberndorfer
"NRW sind 5000 Euro offenbar zu viel"

Anne Oberndorfer: "NRW sind 5000 Euro offenbar zu viel"
Anne Oberdorfer ist Geschäftsführerin des seit 2007 in Wesel existierenden Mehrgenerationenhauses. Auch sie war jüngst im Düsseldorfer Landtag. FOTO: Malz
Wesel. Anne Oberdorfer, die Geschäftsführerin des Weseler Mehrgenerationenhauses (MGH) beklagt, dass das Land sich sehr schwer tut, die von der Berliner Koalition geforderten Fördergelder für die 57 MGH in NRW zur Verfügung zu stellen.

WESEL/Düsseldorf Zu den Vertretern der 57 Mehrgenerationenhäuser in NRW, die jüngst im Foyer des Düsseldorfer Landtages in Gesprächen mit den Abgeordneten auf die Bedeutung der MGS hingewiesen und um finanzielle Unterstützung gebeten haben, gehörte auch Anne Oberdorfer. Sie ist nicht nur Geschäftsführerin des seit 2007 existierenden MGH in Schepersfeld (Stichwort: Mutter-Kind-Heim), sondern auch Mitglied im siebenköpfigen Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der nordrheinwestfälischen Mehrgenerationenhäuser.

Frau Oberdorfer, ist die Finanzierung des Mehrgenerationenhauses in Wesel für die nächsten Jahre gesichert oder müssen Sie sich Sorgen machen?

Oberdorfer Ich hoffe sehr, dass letztlich alles gut ausgeht und wir die nötigen Fördergeld aus Düsseldorf bekommen.

Über welches Summe sprechen wir da?

Oberdorfer Seit dem Bestehen des MGH 2007 erhalten wir jährlich 40 000 Euro. In den ersten fünf Jahren der Modellförderung zahlte uns der Bund je 20 000 Euro für Personal und Sachkosten. Man hatte insgeheim gehofft, dass sich die MGH danach durch Gelder der Kommunen und durch verschiedene Einnahmen einmal selbst tragen könnten. Doch das hat sich als Irrtum herausgestellt. So kam es, dass das Programm um drei Jahre verlängert wurde und die Kommunen 10 000 Euro zuschießen müssen. Wir in Wesel bekommen kein Geld, sondern schachwerte Leistungen.

Beispielsweise?

OberdorEr Der ASG entsorgt beispielsweise Müll eines Festes für uns kostenlos. Oder unsere Veranstaltungshinweise werden von verschiedenen Netzwerkpartnern veröffentlicht, so dass wir im Bereich Öffentlichkeitsarbeit sparen können.

Und jetzt geht es darum, wie die MGH weiter finanziert werden können?

Oberdorfer Genau. Ab 2016, so steht es im Koalitionsvertrag von CDU und SPD, sollen die Länder einen Teil der Fördermittel übernehmen. Der Bund will 30 000 Euro zahlen, Land und Kommune je 5000.

Und wo ist das Problem. Sie sagten doch, es geht um 5000 Euro.

Oberdorfer Ja, es geht um je 5000 Euro für die 57 Mehrgenerationenhäuser in NRW. Und mit dieser Ausgabe tut sich das Land sehr schwer. Denn in Düsseldorf heißt es, dass es sich um ein Bundesprogramm handelt und man wenig Geld habe. Um die Politiker von unserer Arbeit zu überzeugen, haben wir jetzt im Foyer des Landtages Lobbyarbeit im politischen Raum betrieben, indem wir die Abgeordneten über unsere Arbeit informiert und von unserer wichtigen Arbeit überzeugt haben.

War denn auch der Weseler SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Meesters bei Ihnen?

Oberdorfer Zwei Mal sogar. Er hat sich sehr für unsere Arbeit interessiert und uns Unterstützung zugesagt.

Was gedenken Sie und Ihre Kollegen von der Arbeitsgemeinschaft zu tun, um das Land zur Zahlung der Fördermittel zu bewegen?

Oberdorfer Herr Meesters hat uns den Tipp gegeben, dass wir jetzt noch einmal die Sprecher der einzelnen Fraktionen anschreiben sollen. Wir haben übrigens auch mit der Landtagspräsidentin Carina Gödecke gesprochen, die sich ebenfalls sehr für unsere Arbeit interessiert hat.

Wenn man in Wesel über das MGH spricht, gibt es immer noch Menschen, die darunter das Zusammenleben von mehreren Generationen unter einem Dach verstehen.

Oberdorfer Das ist halt so. Man muss immer noch erklären, dass wir eine Art Begegnungsstätte für Jung und Alt sind. Bei uns treffen sich Menschen, beispielsweise zum gemeinsamen Singen, alle vier Wochen zum "Bunten Salon" oder zum Reparaturcafé. Bei uns werden Kurse und Workshops für Kinder und Erwachsene angeboten, wir sind gut vernetzt und haben eine Art Leuchtturmfunktion. Egal welche Fragen einen Menschen bewegen, wir können helfen und sie an die zuständigen Stellen verweisen.

Auch im Bereich Pflege?

Oberdorfer Wir selbst bieten keine Pflegedienstleistungen an, sondern können nur vermitteln.

Wie hängen eigentlich der Kindergarten und das Eltern-Kind-Heim mit dem MGH zusammen.

Oberdorfer Beides sind Einrichtungen des MGH, dessen Träger der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) ist.

Bundesweit engagieren sich MGH für Flüchtlinge. Sie auch in Wesel?

oberdorfer Wir unterstützen die Flüchtlingshilfe, die beispielsweise Kinder bei uns im Second-Hand-Laden einkleidet. Oder Flüchtlingsfrauen nehmen unsere Schwangerschaftsberatungshilfe an. Man sieht daran, dass wir auf vielen Gebieten tätig sind. Und das möchten wir auch bleiben und hoffen deshalb auf die finanzielle Unterstützung des Landes.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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