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Wesel
Nuhr das Beste beim Heimspiel des Wortakrobaten in Wesel

Wesel. "Mein erster Auftritt war in Wesel. Es war beim Krippenspiel, und ich war der Esel. Danach sind wir weggezogen", erinnerte sich Dieter Nuhr, der am Donnerstag mit seinem Programm "Nur Nuhr" in der Niederrheinhalle zu Gast war. Dass es sich bei dem gebürtigen Weseler um den derzeit wohl angesagtesten Wortakrobaten der deutschen Kabarett-Szene handelt, zeigte sich schon an der Parkplatznot lange vor dem Auftritt. Rund 1800 Zuschauer durften sich auf einen gut aufgelegten Nuhr freuen, der absolut kein Blatt vor den Mund nahm. Von Erwin Kohl

Durchschnittlich sechs Minuten am Tag lacht der Deutsche, erzählte Nuhr. Ein Wert, der an diesem Abend deutlich überschritten wurde. Zwei rasant vergehende Stunden lang widmete sich der Träger des Jacob-Grimm-Preises Deutsche Sprache unterschiedlichsten Themen wie der Gender-Forschung, den verschiedenen Steuersätzen für Weihnachtsbäume oder geschlechtsspezifischen Darmbakterien.

Immer wieder griff er auch aktuelle Themen wie etwa die mangelhafte Ausrüstung des deutschen Militärs auf. "Die Bundeswehr verfügt weltweit über die modernsten Kindertagesstätten, aber beim Manöver müssen sie laut Peng rufen, weil die Munition fehlt. Ich weiß nicht, ob das den IS beeindruckt."

Dieter Nuhr bietet aber nicht nur die komischen Momente, er widmet sich immer wieder gerade den politisch brisanten Themen. Geht es um rechtsradikale "Dumpfbacken", kann sich der engagierte Entertainer regelrecht in Rage reden. "Dieses braune Pack will ich nicht hier haben. Falls ein Nazi im Publikum ist: Gehen Sie bitte und lassen sich das Eintrittsgeld zurückgeben."

Auch zum Flüchtlingsthema bezieht Nuhr klar Stellung. Der Kabarettist fordert zum offenen Dialog mit Zuwanderern auf und erntet dafür Applaus. Skeptikern und chronischen Dauernörglern hält er genüsslich den Spiegel hin. Dass man auf einem deutschen Bahnhof eingepfercht in einem gelben Quadrat raucht, daran müssten sich Syrer ebenso gewöhnen wie an die berühmte deutsche Pünktlichkeit. "Wenn in Damaskus um 16.34 Uhr ein Zug ankommen soll, dann macht er das auch. In Deutschland kommt der Zug um 18.04 Uhr, hat die umgekehrte Wagenreihenfolge und fährt in die falsche Richtung."

Quelle: RP
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