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Heike Kemper
"Nuhrs Fotos machen Museum bekannt"

Heike Kemper: "Nuhrs Fotos machen Museum bekannt"
FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Wesel. Wesels Kulturbeauftragte Heike Kemper möchte vor allem mehr und jüngeres Publikum in die Galerie im Centrum an der Ritterstraße locken und Neuankäufe sowie Dauerleihgaben öffentlichkeitswirksam im Eingangsbereich präsentieren.

WESEL Im Kulturausschuss hat Heike Kemper, seit einigen Monaten Wesels Kulturbeauftragte, ein von ihr aufwendig verfasstes Museumskonzept vorgestellt. Ein Gespräch mit der 53-Jährigen über verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, die Fotoausstellung des Kabarettisten Dieter Nuhr 2016 im städtischen Museum und den kunstinteressierten Menschen Heike Kemper.

Wenn in Wesel das Stichwort Museum fällt, denkt fast jeder zunächst an das Preußen-Museum, die wenigsten an das Städtische Museum Galerie im Centrum. Was wollen Sie tun, um das zu ändern?

Kemper Es stimmt, dass dieser Ausstellungsort nicht sofort ins Auge fällt. Die Sichtbarkeit könnte besser sein.

Wie das immer so ist: Gutes zu haben reicht nicht, es muss auch gut verkauft werden.

Kemper Das Wort "verkaufen" hat für mich einen negativen Beigeschmack. Sagen wir mal so, wir müssen das Museum mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen durch Marketing und intensivere Öffentlichkeitsarbeit. Die bessere Erkennbarkeit des Gebäudes ist eine Möglichkeit.

Im Kulturausschuss sprachen Sie davon, dass Neuerwerbungen in einer Vitrine gezeigt werden sollen.

Kemper Richtig. Ab Ende dieses Monats werden wir in einer Vitrine im Foyer des Centrums, also unweit der Kartenvorverkaufsstelle des Bühnenhauses, mehrere Werke des Weseler Künstlerehepaares Schermann-Buschmann zeigen. Ein Bild der Künstlerin Maria Buschmann-Scherman hat das Städt. Museum in diesem Jahr erworben. Es soll mit einem ihrer Werke bzw. einem Werk ihres Mannes, Artur Buschmann, die im Bestand des Museums sind, ausgestellt werden.Wir wollen den Menschen in Wesel gerne zeigen, welche Kunstwerke uns als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden, welche Bild man uns schenkt und was die Stadt zukauft. Wobei für großartige Zukäufe das Geld fehlt.

Was ist der Stadt zuletzt geschenkt oder an die Stadt verliehen worden?

Kemper Die Tochter des aus Berlin stammenden und in Wesel heimisch gewordenen Malers Heinz Luckenbach hat uns mehrere Hundert wunderbare Aquarelle als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Dafür gibt es noch Platz?

Kemper Ja, noch. Sie sind an einem sicheren und geheimen Ort aufbewahrt.

Wie viele Kunstwerke befinden sich derzeit im Besitz der Stadt?

Kemper Um die 15.000, davon aber auch viele wenig wertvolle.

Wie viele davon sind zu sehen?

Kemper Eine gute Frage. Wie bei allen Museen, ist nur ein Bruchteil zu sehen. Wir haben auch einige Objekte an andere Museen verliehen, beispielsweise ans Preußen-Museum.

Das derzeit wegen Umbauarbeiten noch geschlossen ist. Wie lange eigentlich noch?

Kemper Das kann ich nicht genau sagen. Ich weiß nur, dass die Kooperation mit dem Preußen-Museum mindestens bis Ende des Jahres dauert. Bekanntlich sind Stücke aus dem Preußen-Museum in unserer Schill-Ausstellung in der Zitadelle zu sehen. Es könnte aber noch einige Monate dauern bis das Preußen-Museum wieder öffnet.

Zurück zur Galerie. Bei Vernissagen ist kaum einer der Gäste unter 50.

Kemper Das ist wohl richtig. Und das würden wir auch gerne ändern. Der Niederrheinische Kunstverein hat kürzlich zur Kulturnacht eine Kinderführung angeboten, die sehr gut angekommen ist. Wir möchten die Zusammenarbeit mit Schulen intensivieren, Workshops anbieten, attraktive Flyer erstellen.

Ist es nicht so, dass es oft auch mit dem Thema einer Ausstellung zusammenhängt, ob die Leute kommen? Wenn ein Düsseldorf eine Miro-Ausstellung angekündigt wird, ist deutlich mehr los, als wenn Werke eines eher unbekannten Künstlers gezeigt werden.

Kemper Das ist ohne Zweifel richtig. Ausstellungen, die sich auf die Stadtgeschichte bezogen waren immer top besucht.

Auf ähnlich gute Besucherzahlen dürfen Sie hoffen, wenn Kabarettist Dieter Nuhr im Stadtjubiläumsjahr 2016 eine Fotoausstellung in seiner Geburtsstadt eröffnet. Was können Sie zur Ausstellung schon sagen?

Kemper Dieter Nuhr wird die Ausstellung am 24. Januar eröffnen. Bis zum 13. März wird er Fotos, die er von Wesel gemacht hat beziehungsweise noch machen wird Fotos gegenüberstellen, die er in den letzten Jahren im Ausland gemacht hat. Das Ganze trägt die Überschrift "Nuhr aus Wesel". Wir erwarten viele Gäste. Im Jubiläumsjahr gibt es noch ein Highlight, mit dem wir hoffen, vor allem ein jüngeres Publikum zu begeistern.

Sie sprechen von der Comic-Ausstellung?

Kemper Genau. Wir zeigen im Sommer 2016 erstmals als Ausstellung den Fahrrad-Mod-Comic des aus Wesel stammenden Tobias Dahmen.

Wie oft gehen Sie eigentlich selbst in Ausstellungen?

Kemper (lacht) So fünf bis zehn Mal im Jahr.

Haben Sie Lieblingsmuseen?

Kemper In der Nähe gehe ich gerne in die Museen in Oberhausen -Schloss und Gasometer - oder ins Folkwang nach Essen. Ich liebe das Haus der Geschichte in Bonn, das ebenso wie die Galerie im Centrum keinen Eintritt verlangt. Meine Lieblingsmuseen sind leider weit weg: Das Musée d'Orsay in Paris und das National Air and Space Museum in Washington.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT HEIKE KEMPER.

Quelle: RP
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