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Wesel
"Nur Brüssel kann Milchbauern helfen"

Wesel: "Nur Brüssel kann Milchbauern helfen"
FOTO: Malz Ekkehart
Wesel. Während der offenen Fraktionssitzung der CDU diskutierten Kommunalpolitiker mit Landwirten über Möglichkeiten, das schleichende Höfesterben zu verhindern - in Zeiten, in denen Bauern lediglich 22 Cent pro Liter Milch erhalten. Von Klaus Nikolei

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann werden in den nächsten Jahren bis zu 1800 Milchviehbetriebe in Nordrhein-Westfalen schließen müssen. Diese Zahl jedenfalls nannte CDU-Fraktionschef Jürgen Linz zu Beginn einer bemerkenswerten öffentlichen Fraktionssitzung, in der Antworten auf die Frage gefunden werden sollten: "Wie können wir Kommunalpolitiker helfen, das Höfesterben zu verhindern?"

Um es vorweg zu sagen: Nicht die Politiker vor Ort werden den arg gebeutelten Landwirten helfen können, sondern offenbar nur der Bundeslandwirtschaftsminister. "Christian Schmidt muss in Brüssel dafür sorgen, dass die dort eingerichtete Monitoringstelle aktiv wird. Die hat nämlich derzeit noch keine Zähne", erklärte Christoph Klein vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Der Landwirt aus Wertherbruch war zusammen mit Gregor Holland (Sonsbeck; Vorsitzender der Milcherzeuger im Kreis Wesel) und dem Bislicher Volker Dingebauer (stellvertretender Vorsitzender des CDU-Agrarausschusses Kreis Wesel), zu dem Informationsaustausch eingeladen worden. Wilhelm Neu, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, hatte kurzfristig abgesagt. Er musste nach Brüssel.

Um seinen Zuhören die Arbeit der Monitoringstelle zu erklären, verglich Klein sie mit Schildern und Ampeln. "Ohne sie gäbe es im Straßenverkehr ein Chaos. Es muss ein Anreiz geschaffen werden, dass Landwirte für jeden nicht produzierten Liter Milch 25 Cent erhalten. Das Geld dafür ist vorhanden: 1,2 Milliarden Euro aus der Superabgabe, die zu Zeiten der Milchquote für überschüssige Mengen gezahlt werden mussten."

So manchem Politiker wurde während der Sitzung erst bewusst, dass nicht die großen Lebensmitteldiscounter allein für den Preisverfall bei der Milch verantwortlich sind, sondern ein Überangebot zu der Krise geführt hat. Seit April 2015 kann nämlich jeder Landwirt so viel Milch produzieren, wie er will. "Der Markt ist gesättigt. Es werden drei Prozent mehr Milch zu den Molkereien gebracht, als verarbeitet werden kann. So kommt es dazu, dass wir nur 22 Cent pro Liter Milch bekommen, der im Supermarkt oft schon für 42 Cent angeboten wird. Klar, dass mit solchen Preisen niemand kostendeckend arbeiten kann", so Dingebauer. Und er ist überzeugt: "Lösungen bekommen wir nur international hin."

Einer der interessierten Gäste am Montagabend war Milchviehhalter Reinhard Buchmann aus Obrighoven. Er sieht ein großes Problem darin, dass immer mehr landwirtschaftliche Fläche verschwindet. "Allein durch das geplante Naturschutzgebiet an der Grav-Insel geht die Futtergrundlage für 500 Kühe verloren." Er geht übrigens davon aus, dass eine Reglementierung nichts bringt. "Wir haben einen Strukturwandel mit und ohne Quote."

Nach knapp anderthalbstündiger Diskussion versprach Jürgen Linz den Landwirten, das Thema im Auge zu behalten und "es von unten nach oben durchzureichen". Dingebauer, Klein und Holland hoffen, dass die Weseler CDU nun die Dinslakener Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss auf die Nöte der hiesigen Milchviehhalter aufmerksam macht, damit diese beim Landwirtschaftsminister der CSU vorspricht. "Denn nur der kann in Brüssel etwas bewirken", sagt Klein.

Quelle: RP
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