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Schermbeck
Ölpellet-Skandal: Scharfe Kritik am Kreis

Schermbeck: Ölpellet-Skandal: Scharfe Kritik am Kreis
Die Deponie von Nottenkämper: Hier wurden die Ölpellets vergraben. Was geschieht jetzt mit dem Material? FOTO: Helmut Scheffler
Schermbeck. Der Schermbecker Umweltausschuss bemängelt die Informationsweise im Ölpellets-Skandal.

So einig waren sich die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses gestern Abend in Schermbeck nur selten. Bei der Behandlung des Umweltskandals auf dem Mühlenberg der Firma Nottenkämper gab es gestern kein einziges Ausschussmitglied, das auch nur ansatzweise den Kreis Wesel in seinem bisherigen Verhalten verteidigt hätte. Kritik gab es zwar auch gegenüber der Bezirksregierung wegen einer zu geringen Kontrolle des Kreises Wesel und wegen des Fernbleibens eines Vertreters von der gestrigen Sitzung. Hauptziel aller sich häufenden Kritiken gegenüber Behörden war der Kreis Wesel. Die Formulierung "Das ist einfach bedauerlich!", mit welcher der Ausschussvorsitzende Rainer Gardemann die Abwesenheit des Kreises Wesel kommentierte, klang noch relativ harmlos.

Als sachkundiger Bürger der SPD warf Stefan Steinkühler den Behörden mangelnde Aktivität vor. Als Gründe für die mangelnden Informationen vermutete Steinkühler Arroganz, Ignoranz und Ungeschicktheit. "Das Abblocken", so Steinkühler, "geschieht teilweise mit sehr fadenscheinigen Argumenten." Steinkühler bedauerte, dass die Behörden entweder keine Antwort gaben oder solche, deren Qualität man hinterfragen müsse.

Erst nach Bekanntwerden des Umweltskandals habe der Kreis Wesel verstärkte Kontrollmaßnahmen begonnen, bedauerte der BfB-Fraktionsvorsitzende Klaus Roth "Da muss man sich doch fragen", so Roth, "was hat der Kreis denn eigentlich vorher gemacht? Ich finde das alle sehr beschämend."

Jürgen Trick (Bündnis 90/Die Grünen) stellte fest, dass der Kreis Wesel an vielen Stellen behaupte, die Deponie sei sicher. Er bemängelte auch die Nichtvorlage der erforderlichen Entsorgungsnachweise. "Wie kann eine Firma sich als Opfer darstellen, die einen solchen Prokuristen anstellt?", ergänzte Trick seine Ausführungen.

"Der Kreis Wesel hält sein schützende Hand über die Firma Nottenkämper", zeigte sich Egon Stuhldreier (CDU) überzeugt, es sei denn, man sei nicht fähig, fachgerechte Proben zu ziehen.

CDU-Ratsmitglied Wilhelm Hemmert-Pottmann zweifelt daran, dass die Tonschichten so dicht sind, wie es immer dargestellt wird, und befürchtet, dass Giftstoffe in die Gahlener Tiefbrunnen gelangen könnten. Außerdem stellte er in den Raum, dass auch der Baron von Nagell als Grundstückseigentümer mit in den Blickpunkt gerückt werden müsse. Das Schermbecker CDU-Ratsmitglied Heinz Hemmert erinnerte daran, dass ölhaltige Sandproben, die in einer Gahlener Deponie der Firma Nottenkämper vor 15 Jahren heimlich genommen wurden und der zuständigen Behörde eingereicht wurden, plötzlich verschwunden waren.

Um den Kreis Wesel zu verpflichten, alle von den Schermbecker Politikern beantragten Einsichtnahmen in Unterlagen zu ermöglichen, bat Klaus Roth (BfB) die Verwaltung, einen entsprechenden Antrag an die Bezirksregierung zu stellen. "Das ist kein Problem", antwortete Bürgermeister Mike Rexforth. Die Antwort der Bezirksregierung werde aufbereitet und dann den Politikern vorgelegt.

Viele Fragen blieben offen, viele konnten an diesem Abend nicht beantwortet werden. Nun hoffen die Politiker darauf, dass im Rahmen der Versammlung des BürgerForums mehr Licht ins Dinkel kommt. Das BürgerForum lädt zu einer Veranstaltung zum Thema Umwelt-Skandal im Bereich des Mühlenbergs ein, die am 30. November im Café Holtkamp beginnt.

(hs)
 
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