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Wesel
Ohne Sprachkenntnisse keinen Job

Wesel. Im Wirtschaftsförderungsausschuss sprach die Leiterin der Weseler Agentur für Arbeit über die Chancen von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. Von Klaus Nikolei

In den Kreisen Wesel und Kleve, für die die Weseler Arbeitsagentur zuständig ist, haben derzeit weniger als 100 anerkannte Asylbewerber einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz beziehungsweise einen Ausbildungsplatz. Das mag sich wenig anhören. Doch spricht man mit Agentur-Chefin Barbara Ossyra wird deutlich, dass es gar nicht viel mehr sein können. Denn: "Ohne gute Deutschkenntnisse können Arbeitsverhältnisse nicht geschlossen werden. Und kaum ein Flüchtling, der in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen ist, spricht Deutsch. Deshalb müssen die anerkannten Asylbewerber mit Hilfe von Sprach- und Integrationskursen so schnell wie möglich die Sprache lernen. Das dauert eben etwas."

Gestern war Barbara Ossyra zu Gast im Weseler Rathaus. Während der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses berichtete sie ausführlich über die Probleme, die Flüchtlinge derzeit noch auf dem Arbeitsmarkt haben und was getan werden muss, um sie mittel- und langfristig zu integrieren.

Aufmerksam lauschten die Politiker den Worten der Agentur-Chefin. Die teilte unter anderem mit, dass mehr als die Hälfte der gut 9000 Flüchtlinge in den Kreisen Wesel und Kleve aus Syrien stamme, gefolgt von Menschen aus dem Irak und Iran. Unter den 2500 bislang bei der Arbeitsagentur registrierten Asylbewerbern gebe es zahlreiche ungelernte Kräfte und nur vergleichsweise wenige, die sich als "Fachkräfte" bezeichnen - nämlich unter 30 Prozent. "Wir werden viele, wenn auch nicht alle Flüchtlinge in den nächsten zehn Jahren integrieren. Das denke ich schon. Aber natürlich wird die Arbeitslosenquote erst einmal steigen", sagte Barbara Ossyra in Richtung Wolfgang Lingk. Der CDU-Mann hatte unter anderem die Sorge geäußert, dass junge Flüchtlinge ausgebildet würden, dann aber später nicht vermittelt werden könnten.

Die CDU war es auch, die um einen Bericht der Agentur-Chefin zum "Netzwerk Emmericher Unternehmer" gebeten hatte. Mit Hilfe der Stadt, der IHK und der Agentur für Arbeit hatten fünf Firmen im Herbst 2015 ein Netzwerk geschaffen, das Flüchtlingen Deutschkurse und Praktika in den jeweiligen Betrieben anbietet. "Das war damals in Deutschland dramatisch. Wir sind heute weiter. Weil es jetzt unter anderem genügend Sprachkurse und Arbeitsmarktprogramme gibt, halten wir in Wesel nichts von einem solchen Netzwerk", erklärte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp.

Quelle: RP
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