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Niederrhein
Oper Duisburg: Drei Teile zu Konservenklängen

Niederrhein. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernimmt morgigen Abend um 19.30 Uhr ihren Ballettabend "b.31" in ihr Duisburger Haus. Der erste Teil ist Martin Schläpfers "Obelisco". Von Ingo Hoddick

In seiner im Jahr 2007 für Mainz entstandenen Choreographie wurde Martin Schläpfer der archaische Obelisk, angeregt durch Salvatore Sciarrinos Orchesterwerk "Il tempo con l'obelisco", zu einem poetischen Träger, zu einer Achse, um die er sieben Musiken aus unterschiedlichsten Zeiten und Genres wie Planeten kreisen lässt.

"Obelisco" ist ein Ballett voller Poesie, nächtlicher Schönheit, traumverlorener Trance, ein Ballett auch über Füße und Schuhwerk - barfuß, in Schläppchen, auf Spitze und auch auf High Heels: Schuhe, die über diese Welt hinausheben oder an sie binden.

Der zweite Teil "Adagio Hammerklavier" von Hans van Manen, jenes 1973 mit Het Nationale Ballet Amsterdam uraufgeführte Stück zu Christoph Eschenbachs die Qualitäten einer extremen Langsamkeit auslotenden Einspielung des dritten Satzes aus Ludwig van Beethovens "Großer Sonate für das Hammerklavier" op. 106, zählt längst zu den unbestrittenen Meisterwerken des 20. Jahrhunderts. Mit der Neueinstudierung durch Igone de Jongh - eine der Musen des Meisters und Amsterdamer Starballerina - hat das Ballett am Rhein sein Repertoire um ein Werk erweitert, das in seiner Konzentration, Klarheit und unbestechlichen Stilsicherheit für Hans van Manen einerseits typisch ist, zugleich aber eine andere Seite des niederländischen Starchoreographen zeigt, ist es doch vielleicht das sublimste seiner Werke. Die Welt in "Adagio Hammerklavier" ist dunkel getönt und gleichsam entrückt; geprägt von einem Wissen, dass alle Sehnsucht keine Erfüllung finden wird.

Wie im antiken Theater folgt in "b.31" auf zwei tragische Stücke ein heiterer Abschluss. Unter dem Motto "Life could be a dream" schuf das erfolgreiche britisch-spanische Duo Paul Lightfoot und Sol León mit "SH-BOOM!" ein verspieltes Ballett voller Humor, Esprit und positiver Energie. Entstanden ist es 1994 für einen Workshop des Nederlands Dans Theaters und wurde seitdem als "work in progress" mehrfach von den Choreographen umgearbeitet und weiterentwickelt, so dass es - wie eine erstaunliche Reise - auch die Entwicklung ihres Stils nachzeichnet.

Es handelt sich um eine Parodie auf Show-Elemente, wie sie zwischen 1920 und 1950 im Entertainment beliebt waren. Die leichtgewichtig daherkommende Choreographie zeigt die oberflächliche, absurd-komische Spaßmacherei, aber auch die ironische, dunkle Seite jener tiefen Bitterkeit, in die das Show-Business seine Helden drängen kann.

Karten gibt es unter der Telefonnummer 0203 283 62100.

Quelle: RP
 
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