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Wesel
Orgelherbst startet sehr hörenswert

Wesel. Gerhard Weinberger aus München gestaltete das erste Konzert des diesjährigen, fünften Orgelherbstes am Niederrhein. Die Besucher belohnten den Kirchenmusiker mit gebührendem Applaus. Von Hanne Buschmann

Samstagabend im Willibrordi-Dom das erste Konzert des diesjährigen, nunmehr fünften "Orgelherbstes am Niederrhein", eines vom Weseler Domkantor Ansgar Schlei ins Leben gerufene Internationale Orgelfestival. Eingeladen war Gerhard Weinberger aus München, international geschätzter Kirchenmusiker, ehemals Dozent an der Musikhochschule München, von 1983 bis 2011 Professor an der Musikhochschule Detmold. Er präsentierte ein Programm vom 17. Jahrhundert bis zur Neuzeit, eingerahmt vom großen Johann Sebastian Bach zu Anfang und vom auch heute noch zu entdeckenden Max Reger am Schluss. Dazwischen für die meisten Hörer wohl zeitlich Neues, Unbekanntes und, wie sich herausstellte, sehr wohl Hörens- und Bewahrenswertes.

Groß der Beginn mit Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur, BWV 564, geprägt von dem Können und der Lebensreife des Interpreten sowie von dessen persönlicher Unaufdringlichkeit. Sofort spürbar: Ungeteilt dem Werk wandte er sich zu. Das blieb so bei jeglicher Klangrede, die im Fortgang des gesamten Konzerts zu einer einzigen Predigt für humanes Denken wurde. Der Organist zeigte in eher angedeuteten Pausen den Wechsel zur nächsten Komposition an. Die Hörer konnten die gesamte Spieltechnik

Bach also - die wenigen ersten richtungweisenden hellen Töne auf dem Manual gespielt, dann die eindrucksvolle lange Wiederholung und Ausfeilung jener Tonfolge nur auf dem Pedal - ein Meistwerk für sich in Bachs Orgelkunst. Es blieb im Ohr über die spätere Zusammenführung von Manual und Pedal. Das reich geschmückte Adagio und die überaus geläufige Fuge vollendeten diese Komposition. Drei Bach zugeschriebene Choralbearbeitungen vertieften Gedanken der Anbetung und Zuversicht.

Eingebunden in das überkommene transzendentale Denken erschienen die moderneren Klänge völlig organisch. Rüdingers Sonate h-Moll erfreute mit hellen Flötenpassagen in ernster Ehrbezeugung; eindrucksvoll der Einbruch der übermenschlichen Macht in Piechlers Nocturno (Salve regina) und dessen Welt ergreifendes "Puer natus est". Renners Thema mit Variationen c-Moll wurde zum Lied der Hoffnung in allem Leid. In Max Regers Dankpsalm, op.145,2, sammelten sich Lebenserfahrungen. Sprödigkeit blitzte bisweilen auf, verwandelte sich aber in leise, stille Schönheit. Das alles wurde von den Hörern mit gebührendem Applaus anerkannt. Und noch etwas. Einige Hörer hatten den emeritierten Pastor Helmut Butterweck, früher an der Gnadenkirche, entdeckt, dankbar für dessen Achtung der Kirchenmusik.

Quelle: RP
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