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Wesel
Orgelkonzert als reiches Hörerlebnis

Wesel. Organist Daniel Clark spielte im Rahmen des Niederrheinischen Orgelherbstes im Willibrordi-Dom - am Ende gab es Trost. Von Hanne Buschmann

Samstagabend, das dritte Konzert des Niederrheinischen Orgelherbstes im Willibrordi-Dom, war wie die vorigen Veranstaltungen ein außergewöhnlich reiches Hör-Erlebnis und eine Denk-Aufgabe, der die aufgeschlossenen Hörer aufmerksam folgten. Auch hier stand das eine große Thema an: Die Menschen und ihr Leben auf ihrem Stern, das auch eine Plackerei des Immergleichen auf ihrem Planeten ist. Und doch nistet zumindest im Unbewussten die Unruhe, dem Stern geistigen Lebens näher zu kommen. Die universale Sprache der Musik nahm die Hörer mit auf diesen Weg der Verinnerlichung.

Er begann mit Bachs Präludium und Fuge a-Moll, BHW 543, mit der weit ausholenden Geste großer Akkorde, die sich bald in hurtigen Läufen auflösten, mal auf den Manualen, mal besonders eindringlich im Pedal. Die Fuge zeigte sich als durchsichtige architektonische Ordnung von feinen Linien, die zum Schluss beglaubigt wurden mit den prägenden Manual- und Pedaltakten des Präludiums. Francois Collin de Blamont (1690 - 1760), einst am Hof Ludwig XIV. wirkender Komponist, der heute selten aufgeführt wird, überraschte mit seinen üppigen Melodien. Sein Concerto A-Dur, gegliedert in drei traditionelle Sätze, feierte das Leben: lieblich das sanfte Adagio, mit federleichten Trillern das Andante; mit betörenden Echo-Effekten, die auch als Variationen aufgefasst werden konnten, der zweigliedrige Allegro-Pastorella-Satz zum Schluss. Und da schwangen sie latent mit: die Fragen nach der Unsicherheit des Daseins.

Der aus England stammende, an Berliner Kirchen und an Dresdens Frauenkirche wirkende Organist Daniel Clark spielte das gesamte Abendprogramm, ebenso wie seine Vorgänger, als Einheit. Das kam der Konzentration des Organisten wie dem geistigen Zusammenfassen der Hörer zugute. Höchstens ein oder zwei Atemzüge lang, auf dem analogen Videofilm zu beobachten, dauerte das Umblättern sowie das Aufschlagen eines neuen Notenheftes.

Noch ein wenig aufgeführter Musiker, auch Begründer der Musikwissenschaft, wie Kantor Ansgar Schlei sagte, August Gottfried Ritter (1811 - 1885) also, wurde vorgestellt mit der Sonate Nr. 3 a-Moll, op. 23. Helle Weckrufe, gestaltet mit kompliziertem Fingersatz, verlautbarten Forderungen nach entschlossenem Handeln für eine bessere Welt.

Die Weisheit der Zeit wurde Klang in Louis Viernes (1870 - 1937) Larghetto und Final aus der Sinfonie Nr. 5, op. 47. Die unnennbar empfindsame Tonsprache entführte in die menschlich denkbare, aber nicht entschlüsselbare Unendlichkeit, und sie tröstete mit den Farben der diesseitigen Welt im Final. Stille im Auditorium. Dann wurde Dank bekundet mit langem Applaus.

Quelle: RP
 
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