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Himmel Und Erde
Ostern - Aufstand für das Leben

Wesel. Immer mehr Menschen "fremdeln" mit Feiertagen wie Karfreitag. Neue Bewegungen versuchen, die gesetzlichen Vorgaben, die mit dem Tag verbunden sind, zu unterlaufen.

Anlässlich des Ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin erschien in der Tageszeitung "Die Welt" ein Leitartikel mit der Überschrift "Das fremde Fest". Gemeint war damals, dass viele Menschen - und zunehmend auch Christen - mit dem Pfingstfest kaum oder nichts mehr anfangen können. Das Fest des Heiligen Geistes sei zu einem bloßen Ritual geworden, allenfalls gut für einen verlängerten Wochenendurlaub. Ein verkanntes, verblasstes Hochfest der Christenheit, das sich irgendwann einmal selber überlebt hat.

13 Jahre ist die Einschätzung des Autors über das Pfingstfest jetzt her. Nun gehen wir mit dem kommenden Palmsonntag in die letzte Woche der Passionszeit. In dichter Folge drängen sich die Bilder der Karwoche auf. Dem umjubelten Einzug in Jerusalem folgten das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, die Einsamkeit und der Verrat im Garten Gethsemane, Gefangennahme und Geißelung, schließlich das Todesurteil und die Kreuzigung auf Golgatha. Die Woche vor Ostern führt uns intensiv in das Geschehen von Leben und Tod, Schuld und Versöhnung, Ende und Auferstehung hinein. Doch immer mehr Menschen "fremdeln" mit diesen Tagen. An Karfreitag, der als staatlicher und zudem "stiller" Feiertag einem besonderen Schutz unterliegt, versuchen immer neue Bewegungen, die gesetzlichen Vorgaben zu unterlaufen. Öffentliche Tanzveranstaltungen an Karfreitag auf der Kölner Domplatte sind Ausdruck einer Protesthaltung, die sich nicht mehr daran gebunden fühlt, wie die Passionszeit und die Ostertage zu feiern sind.

Dabei war ja schon das erste Osterfest ein unerhörtes und somit "fremdes" Fest für die Menschen damals. Gegen jede Vorstellungskraft war das leere Grab am Ostermorgen ein Protestzeichen Gottes gegen den Tod. Aus der totalen Vernichtung von Hoffnung und Liebe wurde neues Leben mit Zukunft. Aus der Einsamkeit im Garten Gethsemane und der Verlassenheit am Kreuz entstand die Gemeinschaft der Christen. Eine Gemeinschaft, die miteinander hofft und glaubt, die zweifelt und oft genug auch in die Irre gegangen ist. Eine Gemeinschaft nicht ohne Verstrickung in Schuld und Fehler. Aber zu allen Zeiten eine durch Jesus mit Gott versöhnte Bewegung. Eine Protestbewegung gegen den Tod und ein Aufstand für das Leben. Ostern ist und bleibt das "fremde" Fest. Weil es nicht zu verstehen ist. Die Zumutung bleibt, in den fremden Bildern das Angebot Gottes für das eigene Leben zu entdecken. Die letzte Woche der Passionszeit empfinde ich von daher als ein besonderes Geschenk Gottes für mich. Zwischen Stille und Jubel der kommenden Woche lässt Gott mich sein Heil erfahren.

VON THOMAS BRÖDENFELD

Quelle: RP
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