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Ausstellung
Pankok machte Fremde zu Freunden

Wesel. Zeitlos und aktuell: Die neue Ausstellung in Haus Esselt ist "Bruder Mensch - Fremde im Werk von Otto Pankok" überschrieben. Am Samstag ist Eröffnung.

Eigentlich ist alles über ihn gesagt und sehr viel von ihm gezeigt. Doch Otto Pankok ist ein zeitloser Künstler und in Zeiten der Flüchtlingsströme und -debatten aktueller denn je. Seine Kunst ist nicht auserzählt, wie die neue Winterausstellung in Gut Haus Esselt zeigt. Sie ist mit "Bruder Mensch - Fremde im Werk von Otto Pankok" überschrieben und ein Appell für Mitmenschlichkeit und kulturelle Offenheit und gegen Ausgrenzung. Sie ist ein beachtlicher und beachtenswerter Beitrag in einer Situation wachsender Fremdenfeindlichkeit. Eben Pankoks Blick für den Bruder, den zur Flucht Gezwungenen und den Verfolgten.

Das klingt pathetisch und bekennerisch. Doch Otto Pankok hat gelebt, was er malte und aufschrieb. Annette Burger, Kuratorin und Vorstand der Otto-Pankok-Stiftung, sagt es so: "Er hat sich Fremde zu Freunden gemacht. Und er hat viele Reisen in die Fremde gemacht." Sie hat eine spannende Zusammenstellung von Pankoks Werken geschaffen. Ein Bild im unteren Bereich der Ausstellungsscheune ist kennzeichnend. "Chulli im Schnee" (1934) heißt es und zeigt ein Sinti-Mädchen im Großformat. Ihm springt die Einsamkeit förmlich aus den Augen, es ist umgeben von Kälte. Die Botschaft dieser schwarzschattigen Arbeit ist ergreifend, wenn man sie mit heutigen Bildern flüchtender Familien vergleicht: Die Kinder sind die, die es immer trifft. "Schulklassen, die Haus Esselt besuchen, sind immer beeindruckt und begreifen sofort, worauf es ankommt", sagt Annette Burger.

Natürlich sind Pankoks Zigeunerbilder zu sehen, den Düsseldorfer Sinti galt seine besondere Sympathie. Schon früh hat er in seinen ausdrucksstarken Holzschnitten ihr Schicksal vorweggenommen. Andere, wie die junge Frau Gaisa, hat er über Jahre mehrfach porträtiert. Gaisa kehrt in der Ausstellung immer wieder, sie ist das Gesicht von Pankoks Fremdenfreundlichkeit. Er hat auch häufig Geschichten zu den Menschen notiert, so dass die Bilder noch persönlicher werden. Manche Motive aber benötigen keine Erläuterung. "Fliehen - wohin?" heißt eins. Die Bilder werden noch eindringlicher, wenn sie in zwei Techniken präsentiert werden, als Holzschnitte und als Radierungen. "Kinder am Stacheldraht" ist so eins, in sicherer Raumaufteilung auf wenige Striche konzentriert.

Weitere Ausstellungsräume sind Naturbildern vorbehalten, kühle, genau beobachtete Ansichten, Naturgewalten und verschneite Landschaften, in denen geräumte Wege ins ferne Nichts führen. Otto Pankok hat sie in der Eifel geschaffen, wo er als entarteter Künstler sein einsames Familienleben führte, aber noch mutig weiter gegen das Naziregime anmalte. Auch das hat mit Flucht zu tun, mit Fluchtort.

Doch Pankoks lebensbejahende Art gehörte auch zum Umgang mit Fremden. Es sind positive, lebensvolle Bilder von seinen Reisen zu sehen, etwa aus Mazedonien und Montenegro. Sie sind prall, echt, den Fremden und ihrer Lebensart zugewandt. Mensch, Tier und Natur sind hier eine Einheit. Gleichzeitig kennzeichnen die versöhnlichen Arbeiten Pankoks stilistischen Wandel. "Er hat hier auch gewohnt, er hat Fremde zu Brüdern gemacht. Das hat etwas Vorbildliches", findet Annette Burger.

Eine Botschaft, die zu den Herausforderungen der Zeit passt. Bei der Eröffnung am Samstag wird sicherlich oft davon die Rede sein. Denn: Es ist vielleicht doch noch nicht alles über Otto Pankok gesagt.

VON THOMAS HESSE

Quelle: RP
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