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Hamminkeln
Flüchtlinge setzen Zeichen gegen Terror

Paris: Flüchtlinge in Mehrhoog setzen Zeichen gegen Terror
Flüchtlinge in Mehrhoog überraschten Helfer am Samstag mit einer Solidaritätsaktion. "Das hat uns alle ein bisschen angepackt. Es war sehr emotional", berichtet Michael Möllenbeck von der Flüchtlingshilfe. FOTO: Flüchtlingshilfe Mehrhoog
Hamminkeln. "Terror ist der Grund unserer Flucht" und "Wir trauern mit euch" steht auf Plakaten, die Flüchtlinge in einer Unterkunft in Mehrhoog am Samstag in Gedenken an die Opfer der Pariser Anschläge hochhalten.  Von Fritz Schubert

Ein emotional tief bewegendes Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität mit den Opfern der Attentate von Paris setzten am Samstagnachmittag die Flüchtlinge, die derzeit in der Hoogenbuschhalle in Mehrhoog untergebracht sind. Sie überraschten das Team der Flüchtlingshilfe, das zu einer regmäßigen Versammlung gekommen war, mit einer vorbereiteten Aktion. Wie Michael Möllenbeck von der Flüchtlingshilfe am Sonntag berichtete, baten die Asylbewerber darum, eine Schweigeminute an den Anfang zu setzen. Zudem hatten sie Schilder mit Botschaften gestaltet. Auf denen stand in Arabisch zu lesen:

"Nein zu Terrorismus in allen Ländern der Welt!" steht auf den Plakaten der Flüchtlingskinder. FOTO: Flüchtlingshilfe Mehrhoog
  • "Wir trauern mit Euch"
  • "Auch wir hassen Terroristen"
  • "Terrorismus war der Grund für unsere Flucht"
  • "Was in Frankreich geschehen ist, tut uns unendlich leid und wir verurteilen es"
  • "Auch unsere Religion verbietet Terror"
  • "Wir wollen nur in Frieden leben"
  • "Mögen die Ermordeten in Frieden ruhen"
  • "Wir lieben Eure Länder"

Außerdem, so Michael Möllenbeck weiter, hatten die Flüchtlinge den Wunsch, mit den bunten Plakaten, auf die dann auch die deutschen Übersetzungen hinzugeschrieben worden waren, durch den Ort zu gehen. Das Helferteam riet davon jedoch wegen schon beginnender Dunkelheit ab. "Die Mehrhooger hätten von der Aktion vermutlich gar nichts mitbekommen. Deshalb sind wir in der Halle geblieben, haben Fotos gemacht und das Ganze sofort bei Facebook gepostet. Die Flüchtlinge sendeten so ihre Botschaften in die Welt. Die Resonanz ist bereits sehr groß", sagte Möllenbeck.

So gedenkt die Region der Opfer in Paris FOTO: dpa, mjh wst

Er war auch Sonntag noch beeindruckt von der Aktion: "Das hat uns alle ein bisschen angepackt. Es war sehr emotional. Bei der Schweigeminute war es so leise wie nie in der Halle. Auch die Kinder waren ganz ruhig." Ein etwa zwölf Jahre alter Junge, der ein wenig Englisch sprechen kann, habe ihm anschließend noch einmal bestätigt, dass er Deutschland liebe, dass er viel Angst gehabt habe und er jetzt sicher und ruhig hier leben könne.

Die Hoogenbuschhalle hat eine Kapazität von 170 Plätzen und ist derzeit mit gut 150 Flüchtlingen belegt. Die Menschen stammen aus Syrien, dem Iran, dem Irak, aus Ghana, Nigeria, Pakistan, Algerien und Belutschistan. Die Flüchtlingshilfe besteht aus etwa 115 Ehrenamtlichen und kümmert sich in verschiedenen Gruppen um die jeweiligen Belange – von der Kleiderkammer bis zur Kinderbetreuung. Möllenbeck zum Beispiel war Sonntag mit einigen Helfern dabei, den Umzug für zwei Syrer in eine Wohnung über die Bühne zu bringen,

Pressestimmen: "Dieser Krieg wird uns aufgezwungen" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Nach der Anschlagsserie in Paris am Freitagabend forderte die Bundesregierung die Länder auf, den Schutz an Flüchtlingsunterkünften zu erhöhen. Grund seien Befürchtungen, dass Rechtsextremisten die Attentate in der französischen Hauptstadt als Begründung für Anschläge missbrauchen könnten, berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung" unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise. 

Wie in anderen Städten der Region um die Opfer in Paris getrauert wird, sehen Sie in dieser Bilderstrecke. 

Quelle: RP
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