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Hamminkeln/Wesel
Pausenloser Kampf gegen die Fluten

Hamminkeln/Wesel: Pausenloser Kampf gegen die Fluten
FOTO: Christoph Reichwein
Hamminkeln/Wesel. In Hamminkeln haben gestern Tausende Einsatzkräfte der Feuerwehr aus dem ganzen Land und viele freiwillige Helfer unter anderem mit Sandsäcken versucht, den Isseldeich zu sichern. Riesige Pumpen sollen Wasser in Weikensee leiten. Von Klaus Nikolei und Thomas Hesse

Alle fünf Katastrophenzüge der Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen sowie mehrere Hundert Feuerwehrleute aus dem Kreis Wesel, dem nahen Ruhrgebiet und dem Bergischen Land waren gestern im Dauereinsatz, um in Hamminkeln eine Katastrophe zu verhindern. Außerdem packten viele Tausend Bürger kräftig mit an. Denn nach ergiebigen Regenfällen drohten die Dämme der Issel, deren Pegel von 50 Zentimeter auf 2,10 Meter gestiegen war, unter anderem im Bereich Ringenberg zu brechen. Bis zu 20.000 Sandsäcke würden an durchgeweichten Stellen des Damms verbaut, erklärte ein Sprecher des Krisenstabs im Kreis Wesel. Sie waren unter anderem von der Hamminkelner Feuerwehr sowie von freiwilligen Helfern gefüllt worden, unter ihnen auch Flüchtlinge. Viele weitere Tausend Säcke stehen bereit.

An einigen Stellen trat der Fluss über die Ufer und setzte Wiesen und Felder unter Wasser. Die Bahnlinie nach Bocholt wurde gesperrt. Unweit der Straße Vierwinden auf der Grenze zwischen Hamminkeln und Wesel-Blumenkamp wurde der Damm gestern Mittag an drei Stellen von der Freiwilligen Feuerwehr Hamminkeln geöffnet. Mit der Folge, dass sich ein Teil des Wassers auf den hinter dem Deich liegenden Wiesen ausbreiten konnte.

Freiwillige füllten Säcke zur Deichsicherung. Innenminister Ralf Jäger (unter dem Schirm) beim Ortstermin in Ringenberg. FOTO: Christoph Reichwein

Gegen 15 Uhr sackte dann nach Angaben der Hamminkelner Feuerwehr unweit des A 3-Rastplatzes Kranekamp, gut 600 Meter flussaufwärts vom Restaurant Roadhouse entfernt, ein Stück der Deichkrone ab. Das Wasser floss Richtung Autobahn. Häuser gebe es in dem Bereich keine, erklärte Bürgermeister Bernd Romanski.

Zuvor hatte er NRW-Innenminister Ralf Jäger bei einer Rundfahrt durch die vom Dauerregen besonders betroffenen Stadtteile Ringenberg und Dingden (hier sorgte der angeschwollene Königsbach für eine Seenplatte) begleitet. "Das sieht nicht gut aus", sagte Jäger im Gespräch mit der RP. Zusammen mit Romanski und Landrat Dr. Angar Müller verschaffte er sich unter anderem am Isseldeich in Ringenberg einen Überblick über die Lage. Anschließend besuchte er noch die nahe Hamminkelner Feuerwache, um sich bei den freiwilligen Helfern zu bedanken. Auf die Frage, ob das Land künftig mehr Geld in den Hochwasserschutz investieren werde, sagte Jäger: "Das ist nicht mein Thema. Aber wir investieren in den Katastophenschutz im Lande 143 Millionen Euro." Der Landrat erklärte anschließend, dass sich am Vormittag Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nach der Lage in Hamminkeln erkundigt habe. "Die Hilfe ist prima angelaufen", habe er geantwortet.

Hochwasser an der Issel in Hamminkeln FOTO: dpa, mku fdt

Von dem Vorhaben, die Issel am Abend irgendwo im Bereich zwischen Ringenberg und Dingden zu öffnen, um einen Teil des immer weiter steigenden Wasser auf Grünflächen abzuleiten, rückten die Verantwortlichem am frühen Abend ab. Auf Anfrage erklärte Bürgermeister Romanski, dass man an der Ringenberger Isselbrücke riesige Pumpen aufbauen werde, die mit Spezialschläuchen das Wasser in den nahen Weikensee leiten sollen.

Die Feuerwehrleute sorgten nicht nur den ganzen Tag dafür, dass der Isseldeich mit Sandsäcken gesichert wurde, sondern pumpten auch noch zahlreiche Keller aus, in die Grundwasser eingedrungen war. Bis zum frühen Abend wurden mehr als 250 Einsätze gezählt.

In Hamminkeln droht Deichbruch nach Unwetter

Auch Wesels Feuerwehr wurde zu mehreren Einsätzen gerufen. So pumpten sie nach Angaben von Feuerwehrchef Thomas Verbeet am Mittwochabend und gestern knapp 70 Keller aus. Außerdem waren vier Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehren Innenstadt und Obrighoven damit beschäftigt, den Isseldeich im Bereich der Bärenschleuse an der Wurmflakstraße in Obrighoven abzusichern. Denn aus dem durchnässten Bollwerk drang Wasser auf die Fahrbahn. Die Einsatzkräfte sicherten den Deich mit Sandsäcken ab, um nicht zuletzt die dahinterliegenden Höfe zu schützen.

Quelle: RP
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