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Niederrhein
Peter, der Geschichtenerzähler

Niederrhein: Peter, der Geschichtenerzähler
Kunst an der JVA Pont mit Peter Busch (links). "Der Rosengarten des Anstaltsleiters" heißt das Gemeinschaftsprojekt, das 2009 entstand. FOTO: Seybert
Niederrhein. Der Gelderner Peter Busch zeichnet nicht gerne, aber gut. Seine Leidenschaft gilt dem Material: Alles, was man anfassen kann. Er ist ein Sammler, der die Dinge in ganz neue Zusammenhänge stellt. Von Bianca Mokwa

Sein Kennzeichen: die schlohweißen Haare. Sobald Peter Busch die Türe zu seinem Atelier öffnet, kommen Besucher. Der 65-Jährige nennt es "seinen Anschluss nach draußen".

In seinem Atelier an der Karmeliterstraße 9 in Geldern, das gleichzeitig Wohnhaus und sein Geburtshaus ist, zeigt er sein neuestes Werk. "Ich+Ich" steht auf einem kleinen Zettel an der Wand. Daneben hängen allerlei Kästen. Sie rahmen Dinge wie ein Rotes Kreuz auf weißem Grund oder ein Ölgemälde vom naturalistischen Gelderner Maler Franz Pistorius, den Busch sehr verehrt hat. Der Schriftsteller Peter Strege nennt die Arrangements von Busch "Erinnerungsschreine für Menschendinge, deren Andenken vergessen zu werden drohen". Klar habe er auch schon gemalt, richtige Bilder, sagt Busch. Im Zeichenunterricht in der Schule war er immer einer der Besten. "Ich musste an die Tafel den Vierwaldstätter See zeichnen." Und seine Zeichnungen sind richtig gut. Ja, er bewundere sogar die Franzosen oder Italiener, die schöne, bunte Bilder malen. Aber das ist nicht sein Ding. "Das bin nicht ich", sagt der ehemalige Postbote und nennt sich den einzigen "post-modernen Künstler am Niederrhein, den er kenne", ein Wortspiel, versteht sich.

Nein, ihm liege mehr das handwerkliche, das Arbeiten mit unterschiedlichem Material findet er spannender. Mit Begeisterung erinnert er sich an die wunderbare Werkstatt seines Vaters. "Dort roch es immer nach Hobelspänen." Der Vater war Zimmermann und von ihm habe er dieses Faible für Holz wohl geerbt. Aber für noch etwas hat Busch eine Vorliebe: für Gegenstände, möglichst gebrauchte, möglichst die, die keiner mehr haben will. "Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt." Aus einem Regal, über dem das Schild "Bildungsschutzgebiet" prangt, holt er ein Stück Metall. Er dreht und wendet es in der Hand. Was es ist? Einen Dino, einen Drachen haben Kinder darin entdeckt, die dem Künstler einen Besuch abgestattet haben. "Es bleibt ein altes Stück Blech", sagt Busch, und weiß doch mit seinen Werken, die Fantasie bei den Betrachtern anzukurbeln.

"Mensch=Kreativität=Freiheit", nennt er die Formel, die er auch hinter die Gefängnismauer trägt. Seit mehr als 20 Jahren macht er mit den Insassen der JVA Pont Projekte unter dem Titel "The Wall-Kunst und Knast". Die Arbeit mit den Gefangenen sei Teil seines Lebens geworden. In der JVA Kleve an der Krohnenstraße steht übrigens ein von Busch gestalteter Altar und ein Kreuz. Außerdem ist Busch Mitbegründer und Mitglied der Gruppe "Kuhnst" und des "Kuhnst Turm Niederrhein" die den Gelderner Wasserturm innehabe und dort oft Künstler zu Gast haben.

Regelmäßig gibt es im Gelderner Wasserturm am Bahnhof Veranstaltungen zu den Kreis Klever Kultourtagen. Busch ist auch Mitinitiator des "Turm-Stipendium Gelderns". "Ich gefalle mir gut in der Rolle des Künstlers, des Machers, des Bewegers", sagt Busch. Die Arbeit macht ihm Spaß. Er sei aber kein Lehrmeister. "Ich will nicht die Menschen verbessern. Ich erzähle Geschichten", sagt er über seine Arbeiten, meist Installationen. Er bringe die Dinge wieder neu zusammen. Gespannt hört er den Geschichten zu, die dem Betrachter seiner Werke einfallen. Dann zündet er sich auch gerne ein Pfeifchen an, ein weiteres, unverkennbares Markenzeichen.

Quelle: RP
 
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