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Niederrhein
Pfarrer Spätling: Vatikan mildert Sanktionen

Niederrhein. Der Geistliche, der im Januar bei einer Pegida-Demo vorneweg marschierte, darf wieder predigen. Es ist ihm weiterhin verboten, im Namen der Kirche zu sprechen. Von Markus Balser

Die "Begnadigung" kam von oberster Stelle: Der Vatikan hat die Sanktionen gegen den bei einer Pegida-Demonstration aufgetretenen Priester Paul Spätling abgemildert. Der Pfarrer, der lediglich formell dem Seelsorgeteam von St. Christophorus in Emmerich angehörte, darf wieder in Gottesdiensten predigen, aber weiterhin nicht "innerhalb und außerhalb von Kirchen öffentlich im Namen der Kirche" sprechen. Der Entzug der Predigtvollmacht durch Münsters Bischof Felix Genn wurde als "unverhältnismäßig" bewertet und aufgehoben. Das geht aus einem der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegenden Schreiben der vatikanischen Kleruskongregation hervor.

Spätling war im Januar bei einer islamfeindlichen Pegida-Demo in Duisburg aufgetreten. Davon hatte Genn sich distanziert, dem Ruhestandsgeistlichen die Predigtbefugnis entzogen und ihm öffentliche Auftritte im Namen der Kirche untersagt. Denn der Pfarrer habe mit seinen Äußerungen Grundlagen für rechte Ideologien, Fremdenfeindlichkeit und ein Gegeneinander der Religionen gelegt und seine Autorität als Pfarrer und Priester missbraucht. Gegen die Sanktionen legte Spätling in Rom Beschwerde ein.

Bistumssprecher Stephan Kronenburg begrüßte die Bestätigung des Verbots öffentlicher Äußerungen. Damit seien Auftritte wie bei der Pegida-Demonstration ausgeschlossen. "Wir hätten uns gewünscht, dass auch das Predigtverbot bestätigt worden wäre", sagte er. Entscheidend sei aber der Hinweis der Kongregation bei der "Modifikation des Predigtverbots", was eine Predigt beinhalten darf. Darin habe es um die Auslegung der Heiligen Schrift und die Erklärung von Glaubenswahrheiten zu gehen. "Auch hieran hat sich Pfarrer Spätling künftig zu halten", so Kronenburg.

Spätling, Jahrgang 1947, war im Jahr 2008 von Kranenburg nach Emmerich versetzt worden. In St. Christophorus ist der Geistliche jedoch kaum in Erscheinung getreten. Den wenigsten dürfte er bekannt gewesen sein. Selbst Stadtpfarrer Bernd de Baey kannte ihn nicht. Er distanzierte sich deutlich von Spätling, hatte aber auch angekündigt, auf ihn zugehen zu wollen.

Zu Gottesdiensten wurde Spätling auch schon zu Zeiten Pfarrer Peter Kossens nur selten eingesetzt, weil seine Ansichten sehr stark polarisierten. "Mit dem Gemeindeleben war das nicht in Einklang zu bringen", hatte Kossen der RP im Januar gesagt. Unter seinem Nachfolger Karsten Weidisch war dann auch irgendwann das Postfach Spätlings aus dem Pfarrbüro entfernt worden, da er sich dort ohnehin nie blicken ließ. Nach dem Wirbel um seinen Pegida-Auftritt hatte sich Spätling, der aus Sonsbeck stammt, noch mehr zurückgezogen. Trotz des Predigtverbotes durfte er in der Klever Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt Messen nach altem Ritus halten.

Quelle: RP
 
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