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Hamminkeln
Plan platzt - das 70-Zentimeter-Desaster

Hamminkeln. Zwei Investoren können sich nicht einigen. Nun wird das Projekt Raiffeisenstraße wieder auf Null gestellt. Zu verstehen ist das nicht. Die Gemengelage der Interessen ist auch von persönlichen Themen verursacht. Von Thomas Hesse

Der Knoten schien durchgeschlagen beim Bauvorhaben an der Raiffeisenstraße, nachdem sich die Investoren Schneiders und Schleiting auf gleichmäßige Bauhöhen verständigt hatten. Im Planungsausschuss am 29. Juni sollte das politische Häkchen darunter gesetzt werden. Jetzt wird das Rad wieder zurückgedreht. Denn es besteht plötzlich keine Einigkeit zwischen den Investoren, was dem Vorhaben die Grundlage entzieht. Eine Groteske, denn der Plan platzte wegen 70 Zentimeter Grundstücksbreite, auf die man sich nicht einigen konnte. Das Hin und Her ist sachlich kaum mehr nachvollziehen, die Geschichte besitzt mit persönlicher Gemengelage wohl auch einen Schuss Irrationalität.

Für die Hamminkelner heißt das: Der ersehnte dm-Markt steht in den Sternen, das Planverfahren wird auf fast Null gestellt. Die Verwaltung empfiehlt dem Fachausschuss, die vorhabenbezogene Änderung des Bebauungsplans aufzuheben, also planungsrechtlich auf dem Stand davor neu zu beginnen. Ein Verfahren zur Bebauung kann wegen der Fristen ein bis eineinhalb Jahre dauern, bis sich etwas tut. Die Brache in Hamminkelns Mitte bleibt also bis auf Weiteres Brache.

Außerdem wird es von CDU und Grünen den Vorstoß für eine Veränderungssperre geben, die ungewollte Planungen verhindert. Den gab es schon einmal, er wurde aber auf Drängen der Verwaltung abgeblasen, um den Investoren Verhandlungsspieleraum zu lassen. Nun will Bürgermeister Romanski, der dem Hickhack fassungslos gegenüber steht, aber der Sperre zustimmen. Dennoch will die Verwaltung die Hintertür offen lassen, etwa per Sondersitzung. Falls sich die Investoren doch noch auf einen Durchführungsvertrag im Sinn von Politik und Stadt verständigen. Auch das ist nach den bisherigen Erfahrungen denkbar.

Die Geschichte des Scheiterns wird laut Insidern so erzählt: Ein Investor hatte eine Etage abgespeckt auf Druck von renommierten Hamminkelnern. Nichts ging mehr. Dann lag der Kompromiss doch in der Luft, beim Teilprojekt des zweiten Investors an der Blumenkamper Straße wurde auch eine Etage gekappt, im Gegenzug die Tiefgarage eingespart. Stattdessen wurden neun Parkplätze in Senkrecht-Aufstellung vorgesehen. Dafür fehlte Fläche - es soll sich um 70 Zentimeter auf Grundstücksbreite handeln. Doch das Areal wurde nicht abgeknapst, wohl weil es im anderen Projektbereich benötigt wird, bestehende Zusagen für Zufahrtsgrößen für den Einzelhandel zu erfüllen. Wieder gab es Gespräche, die Stellplätze wurden nun längs- statt senkrecht aufgestellt, die Zahl schrumpfte von neun auf vier. Das reichte nicht.

Um die Stellplatzanforderung zu erfüllen, bot die Stadt woanders zehn Plätze an. Das wurde torpediert, wieder soll es Bedenken gegeben haben, so ein Insider. Zwischenzeitlich wurde gefordert, die Bebauungspläne für beide Projekte zu trennen, damit die Investoren alleine handeln können. Doch der Weg ist auch verbaut. Die Stadt würde damit ihren Einfluss auf die Stadtgestaltung und die Erschließung aufgeben.

Quelle: RP
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