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Wesel
Platznot in Duden-Realschule und AVG

Wesel: Platznot in Duden-Realschule und AVG
„Wir haben fürs neue Schuljahr 57 Gymnasiasten auf Warteliste“, so Ina Gaastra, Leiterin der Duden-Realschule. FOTO: Malz Ekkehart
Wesel. Nach heißer Debatte hat der Schulausschuss beschlossen, dass die Kinder künftig auch in der Duden-Realschule einen Hauptschulabschluss erwerben können. Nun muss in Fachräume investiert werden. Die CDU enthielt sich der Stimme. Von Klaus Nikolei

Ab dem Schuljahr 2018/19 wird die Konrad-Duden-Realschule einen sogenannten Bildungsgang nach § 132c des NRW-Schulgesetzes einrichten, damit leistungsschwächere Schüler künftig dort ihren Hauptschulabschluss ablegen können. Das hat der Schulausschuss gestern nach heftiger Debatte beschlossen. Allerdings enthielt sich die CDU bei der Abstimmung.

Wie schnell sich die Zeiten doch ändern: Vor gut fünf Jahren stand die Zukunft der Duden-Realschule (KDR) mit weniger als 400 Schülern auf der Kippe. Dann aber boxte das "Bildungsbündnis" vor zwei Jahren im Rat das langsame Auslaufen von Realschule Mitte und Martini-Hauptschule durch. Das alles hat indirekt zur Folge, dass in der KDR im Sommer 2022 knapp 700 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden dürften. Wie das kommt? Ein Grund ist, dass künftig Schüler, die auf den beiden Gymnasien nicht zurechtkommen, nur noch von der Realschule aufgenommen werden können. Die Gesamtschule hat nämlich keine Kapazitäten. Allein fürs neue Schuljahr stehen 57 Gymnasiasten auf der Warteliste von KDR-Leiterin Ina Gaastra. "Und es werden gewiss noch mehr", erklärte sie am Ende der Sitzung auf Anfrage.

Weil die Bezirksregierung bei einem Bildungsgang nach § 132c zwingend die Einrichtung von Fachräumen verlangt, muss nun flott gehandelt werden. Für gut 250.000 Euro soll aus einem Werkraum ein Technikraum gemacht und ein naturwissenschaftlicher Raum in eine Lehrküche umgewandelt werden. Außerdem wird ein bislang als Möbellager genutzter Vier-Klassen-Pavillon aus den 80er Jahren aufwendig umgebaut. Geschätzte Kosten: 160.000 Euro.

Daniela Staude, schulpolitische Sprecherin der CDU, und ihre Parteifreunde machten mehrfach deutlich, dass sie mit dieser Regelung eigentlich nicht einverstanden sind. Zeige sich doch nun, dass die Schließung von Realschule Mitte und Martini-Hauptschule ein Fehler gewesen sei. Ähnlich äußerte sich auch Jürgen Berner (FDP): "Das wird alles teuer. Aber Geld spielt ja offensichtlich keine Rolle." Mit Verweis auf die neue Landesregierung stellte Staude unter anderem die provokante Frage, was getan werden müsse, "um den Auflösungsbeschluss zurückzunehmen". Ein Aufschrei und Hohngelächter einiger SPD-Mitglieder war die Folge. Da wurde allen klar: Hier sucht die CDU einen Weg, irgendwie eine neue Hauptschule ins Gespräch zu bringen.

Ila Brix-Leusmann von der Schulverwaltung erklärte, dass man nicht auf Gesetze der neuen Regierung warten könne, sondern jetzt handeln müsse. So argumentierte auch Ruth Freßmann (SPD): "Wir haben keine Zeit. Wir müssen den Bildungsgang nach § 132 c einrichten."

Nach einer fünfminütigen Sitzungsunterbrechung gab Daniela Staude bekannt, dass sich die CDU der Stimme enthalten werde. "Es sind Kinder betroffen. Deshalb wollen wir der Sache nicht im Wege stehen."

Doch nicht nur die Duden-Realschule hat ein akutes Raumproblem, sondern auch das Andreas-Vesalius-Gymnasium. Denn durch die Öffnung der Gesamtschul-Dependance in der Innenstadt (Klassen fünf und sechs im Realschul-Bau) kann das AVG künftig nicht mehr auf Räume im "Paulinum" zurückgreifen. "Das ist keine gute Situation. Wenn ich an meiner Schule von vier Zügen ausgehe, dann muss ich an den Differenzierungsräumen sparen. Und wir haben auch Inklusion", erklärte AVG-Direktorin Dorotheé Brauner im Ausschuss. Platzprobleme werden nach Überzeugung von Schulentwicklungsplaner Wolf Krämer-Mandeau (Projektgruppe Bildung und Region, Bonn) künftig auch mehrere Grundschulen bekommen. Denn entgegen früherer Prognosen dürfte die Zahl der Kinder in Wesel wieder steigen.

Quelle: RP
 
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