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Wesel
Politesse schreibt Feuerwehrleute auf

Wesel: Politesse schreibt Feuerwehrleute auf
So wie hier an der Verkehrsinsel an der Ecke Kurfürstenring/Caspar-Baur-Straße stellen alarmierte Kräfte häufig ihre Wagen ab. FOTO: privat
Wesel. Ehrenamtliche Retter eilen nach Alarm zur Wache, rücken zum Löschen aus und finden dann Knöllchen an ihren Autos. Von Fritz Schubert

Früher rief die Sirene auf dem Dach der Feuerwache die Wehrleute herbei und setzte die Nachbarn in Kenntnis, dass flottes Ausrücken angesagt war. Heute ist der Alarm nur noch höchst selten in der ganzen Stadt zu hören. Zusätzlich benötigte Kräfte werden über andere Kommunikationsmittel angefordert. Dass die Wehr unterwegs ist, merken Anwohner der Wache am Kurfürstenring spätestens an den Pkw, die manchmal recht unorthodox geparkt sind. Bei Großalarm steht beispielsweise der Grünstreifen auf dem Ring voller Autos. Vor Jahren war dafür eigens der Bordstein abgeschrägt worden - denn im Ernstfall muss es schnell gehen. Vor Knöllchen schützt der Drang der Helfer aber offenbar ebenso wenig wie die Plakette "Feuerwehr im Einsatz" unter der Frontscheibe. Insgesamt vier Wehrleute fanden am Mittwoch nach einem Brandeinsatz (siehe Info-Box) Strafzettel unter dem Scheibenwischer.

Passanten mit Kenntnis der besonderen Umstände rund um die Wache in der Innenstadt staunten nicht schlecht. Schließlich ist die Wehr doch ein Bestandteil der Stadt, Ordnung und Rettung sind im gleichen Dezernat angesiedelt. Besonders sauer stößt so etwas natürlich bei den Ehrenamtlichen auf. "Es ist nicht das erste Mal", sagt beispielsweise Andreas Schikyr, stellvertretender Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Wesel. Die Politessen machten zwar nur ihre Arbeit, aber die Wehrleute seien eben auf dem Weg zum Einsatz und genössen dabei auch gesetzlich verbriefte Sonderrechte. Schikyr hält die Knöllchen-Schreiberei aus verschiedenen Gründen für überflüssig. Denn die Zettel würden am Ende vom Ordnungsamt sowieso wieder einkassiert. Das mache also insgesamt nur Arbeit für mehrere Beteiligte in der Wache und im Rathaus und belaste den Feuerwehrchef Thomas Verbeet unnötig.

Verbeet ist derjenige, der ebenfalls mangelndes Fingerspitzengefühl beklagt und mit den Knöllchen im Rathaus aufläuft, um den Verwaltungsakt zu stoppen. Bei den vier Knöllchen vom Mittwoch ging es zum Beispiel um zwei Parkverstöße auf der Verkehrsinsel an der Ecke Kurfürstenring/Caspar-Baur-Straße. Verbeet erklärt die geübte Praxis: Bei Alarm wird die komplette Ampelanlage der Kreuzung auf Rot gestellt, damit die Hauptamtlichen ungestört losbrausen können. Hinzugerufene Freiwillige, die erst zur Wache kommen müssen, rollen aus Richtung Friedhof kommend am Ministau links vorbei, stellen sich auf die Verkehrsinsel und hasten zur nahen Wache. Knöllchen zu 20 und 30 Euro waren der Dank. 15- und 20-Euro-Tickets fanden zwei Kollegen an anderen Stellen in der Caspar-Baur- und der Poppelbaumstraße.

"Natürlich stellen wir die Verfahren ein", sagt Gerd Füting vom Ordnungsamt. "Wir sind ja auf die Hilfe der Freiwilligen angewiesen und wollen sie nicht verärgern." Vereinbart sei das Parken auf dem Grünstreifen, bei Mittelinseln, Geh- und Radwegen habe die Politesse aber "kein Ermessen" und müsse so handeln. Schließlich, so Füting, gebe es auch Vorwürfe, man messe mit zweierlei Maß.

Wehrchef Verbeet wünscht sich eindeutige und klare Regelungen für das Parken von Ehrenamtlichen - wie es sie auch anderswo gebe. Zudem versteht er das Aufschreiben anderer städtischer Einheiten beim Parken anlässlich dienstlicher Fahrten nicht. Er findet nämlich sogar manchmal Knöllchen am feuerwehrroten Dienstwagen.

Quelle: RP
 
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