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Kreis Wesel
Preisverfall: Landwirte mit Rücken zur Wand

Kreis Wesel: Preisverfall: Landwirte mit Rücken zur Wand
Landwirte wie Milchviehhalter Johannes Paaßen aus Veen leiden unter dem Preisverfall für ihre Produkte. Das Russland-Embargo müsse fallen, sagen sie. FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Kreis Wesel. Der Präsident des rheinischen Landwirtschaftsverbandes, Bernhard Conzen, sprach bei der Winterversammlung der Ortsbauernschaft Veen von der Sorge vor einem "Strukturumbruch". Von Erwin Kohl

"Des einen Freud ist des anderen Leid", sagt der Volksmund. Wie real diese Weisheit sein kann, erleben derzeit die Landwirte. Während Autofahrer und Heizölkunden sich vor Freude über die niedrigen Mineralölpreise auf die Schenkel klopfen, leiden die Bauern hierzulande unter dem niedrigen Getreidepreis. In welchem Zusammenhang Weizen- und Spritpreise stehen, erläuterte Bernhard Conzen, Präsident des rheinischen Landwirtschaftsverbandes während der Winterversammlung der Ortsbauernschaft Alpen-Veen in der Gaststätte Zur deutschen Flotte.

"In der Regel wird aus einem Teil der Getreideproduktion Methanol gewonnen. Bei den niedrigen Ölpreisen lohnt sich das aber zurzeit nicht", so Conzen. Als direkte Folge sinken die Nachfrage und somit auch der Preis. Und das ist aktuell längst nicht die einzige Baustelle der Landwirte.

Weil auch die Preise für Fleisch, Milch und Zucker im Keller sind, seien die Unternehmensgewinne der Agrarbetriebe in den vergangenen zwei Jahren um satte 44 Prozent eingebrochen. "Die Zahlen sind besorgniserregend. In diesem Jahr erwarten wir ein weiteres Defizit von 23 Prozent. Die Landwirte stehen mit dem Rücken zur Wand. Man muss Sorge haben, dass es zu einem Strukturbruch kommt", sagte Bernhard Conzen.

Die Gründe für die Misere sieht der Verbandspräsident im Russland-Embargo, den wegbrechenden Märkten in Asien sowie in der weltweiten Überproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Ein weiteres Dilemma sieht der Bauernfunktionär Conzen in der "Ministerialbürokratie".

Artenschutz, zunehmende Einschränkungen bei der Nutztierhaltung und vor allem die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen sind ihm ein Dorn im Auge: "Ein Vorkaufsrecht für Umweltschutzverbände und deren Stiftungen sind ein Eingriff in das Eigentum der Landwirte. Dazu kommt, dass in unserem Land ohnehin pro Tag 12,8 Hektar versiegelt werden, ohne dafür einen Ausgleich zu schaffen."

All dies treibe die Bodenpreise in die Höhe, der Zukauf von Agrarfläche werde zunehmend unrentabel. Auch was die Verschärfung gesetzlicher Rahmenbedingungen in der Massentierhaltung betrifft, sieht Conzen den schwarzen Peter bei den Landwirten: "Mehr Tierwohl fordern und gleichzeitig die Preise senken, das passt nicht zusammen."

Angesichts der Probleme könnten sich die Landwirte längst nicht mehr selber helfen. Der Verband fordert, die nationalen Gesetze zu überdenken, und auf internationaler Ebene das Ende des Russland-Embargos sowie die Erschließung von Drittstaaten. Um den Forderungen mehr Gewicht zu geben, hat der Landwirtschaftsverband ein Aktionsbündnis gegründet. Dem haben sich unter anderem Gärtner, Fischer, Jäger, Landfrauen- und Landjugendverbände angeschlossen. Conzen: "Im ländlichen Raum haben wir mehr als 600 000 Mitglieder. Das hat auch unsere Ministerpräsidentin erstmal unruhig gemacht."

Quelle: RP
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