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Wesel
Premiere des Sprachchirurgen ist geglückt

Wesel: Premiere des Sprachchirurgen ist geglückt
Der frühere Gymnasiallehrer Friedrich Schepers sorgte für einen unterhaltsamen Abend im ehemaligen Kino. FOTO: Pottgießer
Wesel. Vertreter und Verkäuferinnen können im wahrsten Sinne des Wortes darüber reden. Plappern gehört zu ihrem Handwerk. Um jedoch richtig plappern zu können, braucht man eine gewisse Anleitung, eine Anleitung von einem Fachmann, einem sogenannten Sprachchirurgen. Von Dieter Krüssmann

Friedrich Schepers ist zwar kein Professor, bezeichnet sich aber als Seminarleiter und will mit seinen Vorträgen dem Publikum eines zeigen - die Leidenschaft des Redens.

Eigentlich ist Friedrich Schepers ein ehemaliger Lehrer für Musik und Deutsch. In Duisburg-Walsum lehrte er am Kopernikus-Gymnasium. Dass er ein großes Gefühl auch für den Jazz hat, merkte man schon am Anfang seines Solo-Programms, das unter dem Motto "Homo Laber" zum ersten Mal im Weseler Kulturspielhaus Scala an der Wilhelmstraße stattfand.

Der Künstler konnte eingangs alle Besucher persönlich begrüßen, denn gerade einmal 30 Personen wollten sich diese besondere Veranstaltung nicht entgehen lassen. Schade, denn diejenigen, die nicht gekommen waren, haben etwas Besonderes verpasst. So ein Programm hört man auch nicht alle Tage.

Der Lehrer im "Unruhezustand" und Buchautor aus dem benachbarten Hünxe improvisierte nicht nur mit feinen Jazz-Klängen auf dem Stage-Piano. Er unterrichtete wie ein Lehrer, so wie man es gewohnt ist. Er verstand sich als "Spezialist für minimalinvasive Sprachchirurgie", denn er spielte mit Buchstaben, entfernte sie aus Wörtern und erfand immer wieder neue lustige Wortspielereien. Das war äußerst unterhaltsam.

Sein Programm war abwechslungsreich, anfangs zwar noch etwas zögerlich, dann aber immer mehr in Ektase kommend. Schüttelreime waren es, die kurz und bündig zu Slapsticks gemacht wurden. "Wie heißt der Hund von Pippi Langstrumpf?" - Antwort: "Struppi Langpimpf!" Oder: "Wie nennt man einen Militärmarsch in einer Striptease-Bar?" - Da wurde der Zapfenstreich zum Strapsenzeig. So einfach geht das!

Er griff Motive auf, fügte sie neu zusammen und sprach über Themen wie "Das magische Quadrat des Kamasutra", über notorische Schlafwandler, Kinderblähungen, die Werbung ("Zu riesigen Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arsch oder Apotheker"), und die Schönheits-Operationen. Dabei könne man den Begriff Trümmerfrauen noch ernst nehmen. Es gibt keine Grenzen ohne Ärzte, meinte er lächelnd. Seine Wortschöpfungen stehen in keinem Wörterbuch. Durch das minimale Verschieben der einzelnen Buchstaben entstanden immer mehr neue Begriffe. Und das war seine "Spezial-Macke" - die Minimal-Verballhornung von idio(ma)tischen Redensarten, die unter Beibehaltung der vollen Wucht der Autorität solcher "Sprachgeschosse" das neue inhaltliche Ziel treffen sollen.

Auch nach der Pause jonglierte der Künstler weiter mit Wörtern und stellte dem Publikum Preisfragen: Woran erkennt man Klatschtanten? "An ihren Gerüchten sollt ihr sie erkennen". Da lautete des Motto eines Mediziners: "Die Zeit heilt alle Kunden".

Es ging aber auch um Vorurteile, um die Erotik und bestimmte Ratschläge zum Thema Übergewicht ("Aller Umfang ist schwer"). Zudem arbeitete er mit einer eigens angefertigten Tafel. Er zeigte die Perfektion mit der Addition von Zahlen und spielte mit den Silben "In" und "der", kreuz und quer, hoch und runter - es ging alles. Eine manchmal ziemlich verzwickte Sache, dennoch gut verständlich. Teilweise waren seine Äußerungen ein wenig hinterlistig, arrogant, zynisch, manchmal zu obszön oder auch einfach ein wenig zu albern. Aber das kann ja auch nicht jeder. Dennoch, es wurde viel gelacht an diesem Abend. "Der Melissengeist begleite euch", meinte er ganz zum Schluss. "Ich danke ihnen, dass sie mir zuhören durften!" Von ihm wird man sicherlich in Zukunft noch mehr hören. Auf jeden Fall gibt es einen neuen Beruf - den Sprachchirurgen!

Quelle: RP
 
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