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Niederrhein
Radboud ist Partner der LVR-Neurologie

Niederrhein: Radboud ist Partner der LVR-Neurologie
Die St.-Radboud-Klinik in Nimwegen kooperiert künftig mit der LVR-Neurologie. FOTO: Franssen
Niederrhein. Die seit 2015 angewandte Thrombektomie bei Schlaganfallpatienten steht für Patienten aus dem Kreis Kleve bereit. Die Stroke-Unit der LVR-Klinik arbeitet mit der St.-Radboud-Klinik in Nimwegen. 15. Schlaganfallsymposium ist am 7. Mai. Von Matthias Grass

Als sie vor rund zwei Jahren eingeführt wurde, galt die "Thrombektomie" als Revolution in der Schlaganfall-Behandlung: Mit einem neuen Katheter können die Neurochirurgen bei schweren Schlaganfällen das Blutgerinnsel im Kopf von der Leiste aus erreichen und entfernen. Die Heilungschancen für den Patienten steigen enorm, die Überlebensrate sowieso. Angewandt wird die Methode bis jetzt allerdings nur an großen Kliniken. "Im Kreis Kleve ist kein Hospital, das eine Thrombektomie machen kann - deshalb haben wir als Stroke-Units im Kreis Kleve Partner, mit denen wir zusammenarbeiten", sagt Dr. Christoph Baumsteiger, Chefarzt der Klinik für Neurologie und klinischen Neurophysiologie an der Föhrenbachklinik der LVR-Klinik in Bedburg-Hau.

Die beiden Stroke-Units im Kreis Kleve, Kevelaer und die LVR-Klinik Bedburg-Hau, teilen sich die Patienten nördlich der Autobahn 57 (Bedburg-Hau) und südlich (Kevelaer). Während Kevelaerer Patienten nach Duisburg gebracht werden, arbeitet die Neurologie der LVR-Klinik in Bedburg-Hau mit der niederländischen Universitätsklinik St. Radboud in Nimwegen zusammen, in der die Patienten aus dem Norden des Kreises operiert werden. "Das liegt für uns ja direkt vor der Tür", sagt Baumsteiger. Außerdem seien die Niederlande federführend bei der Studie zur Thrombektomie gewesen. Nach der Operation geht es nach wenigen Tagen wieder zurück in die Neurologie der Föhrenbachklinik, deren Fachpersonal dann die Nachsorge übernimmt. Rund um die Uhr mit allen Fachtherapeuten, versichert Baumsteiger.

"Wichtig ist ein schnelles Eingreifen - deshalb bei den ersten Symptomen eines Schlaganfalls direkt die 112 wählen, nicht erst in ein Wartezimmer setzen", schärft Baumsteiger möglichen Patienten ein. Die Rettungssanitäter im Kreis seien gut ausgebildet und könnten die Entscheidung treffen, wann ein solcher Fall in welches Krankenhaus gebracht werden muss. "Wir haben ein Netzwerk am Niederrhein aufgebaut, das in der Regel gut funktioniert", sagt der Bedburg-Hauer Chefarzt. Denn: Jede Minute zählt, je früher der Patient behandelt wird, desto höher die Heilungschancen. Ein Trost: Die Medizin hat Fortschritte gemacht - musste der Patient früher innerhalb von drei Stunden behandelt werden, so sind es inzwischen 4,5 Stunden, für eine Thrombektomie reichen sechs Stunden. Da ist die 25-Minuten-Nähe zu Nimwegen nicht hoch genug anzurechnen.

"Wenn ein Patient eingeliefert wird, muss eine Computer-Tomographie mit Gehirndarstellung gemacht werden. Bei einem schweren Schlaganfall mit verstopftem Gefäß wird dann in Nimwegen operiert, andere werden sofort mit aggressiven Medikamenten behandelt", erklärt Baumsteiger. Zwischen 1998 und 2008 konnte durch den Aufbau der Stroke-Units die Sterblichkeit nach einem Schlaganfall um 40 Prozent reduziert werden, das wird durch die neue Operationsmethode noch einmal verbessert. Und: In der Zeit wurde auch die Wahrscheinlichkeit einer schweren Behinderung verringert, erklärt der Arzt.

Inzwischen zieht man in Bedburg-Hau auch eine Fachärztin für Psychiatrie zu Rate. Denn oftmals drohen nach einem Schlaganfall Depressionen, die dann behandelt werden können. Eine neue These sage aus, erklärt der Arzt, dass es bei depressiven Menschen zu mehr Schlaganfällen kommen könne.

Baumsteiger rät für die Vorbeugung vor allem zu mehr Bewegung: "Bewegungsmangel ist das neue Rauchen", sagt der Arzt. Dreimal die Woche 30 Minuten an die frische Luft schütze vor Herz- und Hirninfarkt und stärke zudem die Gedächtnisleistung.

Damit das geknüpfte Netz gegen den Schlaganfall weiter gut funktioniert, lädt Baumsteiger für Samstag, 7. Mai, zum 15. Schlaganfallsymposium um 9 Uhr in das Gesellschaftshaus der LVR-Klinik Bedburg-Hau ein. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Landrat Wolfgang Spreen, Referenten sind Wissenschaftler und Ärzte der Universitäten Bochum, Essen, Düsseldorf, Münster sowie Fachärzte der hiesigen Kliniken wie der Kardiologe Dr. Stefan Schuster vom Karl-Leisner-Klinikum Kleve. Eingeladen sind Fachärzte, Rettungspersonal und auch Hausärzte.

Quelle: RP
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