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Hamminkeln
Rat sagt Ja zu Weseler Flüchtlingen

Hamminkeln: Rat sagt Ja zu Weseler Flüchtlingen
FOTO: Malz
Hamminkeln. Nachbarstadt mietet Unterkünfte an der Straße Daßhorst, weil sie versäumt hat, Unterbringungsreser-ven zu schaffen. Hamminkelner Rat stimmte zu, freie Wohncontainer zu belegen. Von Thomas Hesse

Der Rat hat gestern in einer Sondersitzung einstimmig beschlossen, an die Stadt Wesel 122 Plätze zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu vermieten. Das ist ein bisher einmaliger Vorgang in der Region. Hintergrund ist der leichtfertige Umgang der Kreisstadt mit den dortigen Unterbringungsreserven. Während sich Hamminkeln mit hohen Investitionen ein Polster verschafft hat, wurde in Wesel der Mangel an Wohnungen für Flüchtlinge hingenommen. Politisch war dort gewollt, Unterkünfte nur dezentral vorzuhalten, was misslang. Obwohl klar war, dass die Nachbarstadt ihre Aufnahmequote nur zu 60 Prozent erfüllt hat und die Bezirksregierung Arnsberg keine Ausnahme für weitere Zuweisungen duldet. 380 oder 30 Flüchtlinge wöchentlich werden 2016 in Wesel erwartet, davon ziehen nun 122 Flüchtlinge ins Containerdörfchen in der Daßhorst. Wesel zahlt dafür 38.300 Euro monatlich Miete inklusive 8500 Euro Nebenkosten.

Die Nutzung soll drei bis vier Monate gelten, wobei allerdings nicht absehbar ist, wie lange man in Wesel für den Aufbau eigener Kapazitäten benötigt. Wie berichtet, wird dort das ehemalige Trapp-Haus an der Trappstraße für 200 Menschen als zentrale Unterkunft umgebaut. Andere Unterkünfte, etwa am Fusternberg, sind ebenfalls geplant. Hamminkeln jedenfalls hat nicht nur die Aufnahmequote übererfüllt, sondern mindestens noch in diesem Jahr viel Platz. Die gut ausgestatteten Container an der Straße Daßhorst sind nur zu rund einem Viertel belegt (64 Personen). Insgesamt ist dort eine Kapazität von 244 Plätzen vorhanden.

Wesel ist auch für weitere Belange der Flüchtlinge zuständig. So wird die Nachbarverwaltung alle melde- und ausländerrechtlichen Fragen klären, die Bearbeitung der Unterstützungsleistungen und die soziale Betreuung übernehmen sowie die Beschulung und die Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen auf ihrem Stadtgebiet sicherstellen. Die entsprechende Vereinbarung wurde gestern vom Rat ebenfalls bejaht.

Im Rat wurde gesagt, dass man erwarte, Wesel werde seine Hausaufgaben machen. In der gestrigen Entscheidung dürfe man keine Aufforderung an andere Kommunen sehen, sich der Hamminkelner Kapazitäten zu bedienen. Bürgermeister Bernd Romanski sah in der Entscheidung einen doppelten Aspekt: Man wolle Nachbarschaftshilfe leisten und Flüchtlingen eine gute Unterkunft geben, aber auch zusätzliche Einnahmen erzielen. Am Mittwoch geht es nun konkret um die Zusammenarbeit. Die Sozialämter der beiden Städte sowie die jeweiligen Flüchtlingshilfen treffen sich dann zur Vorbereitung.

Quelle: RP
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