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Hamminkeln
Reaktionen auf Überfall schockieren Flüchtlingshilfe

Hamminkeln. Nach dem Überfall in Mehrhoog, bei dem ein Flüchtling beteiligt war, tobt bei Facebook eine Schlammschlacht. Von Thomas Hesse

Die mustergültige Integrations-Welt von Mehrhoog hat seit dem Überfall eines 25-jährigen Syrers, der in einer Unterkunft im Dorf lebt, auf eine Kassiererin in einem örtlichen Supermarkt einen Riss bekommen. In sozialen Netzwerken, insbesondere bei Facebook, tobt eine verbale Schlacht voller Ressentiments und Verdächtigungen bis hin zu Drohungen, sich notfalls mit Gewalt gegen auffällige Flüchtlinge zu wehren. Auch die heile Helfer-Welt, die vor zwei Wochen beim Integrationsfest in der Hogenbuschhalle noch intakt war, hat einen Schlag bekommen. Weil sich die Flüchtlingshilfe und vor allem das sogenannte "Team Halle" sich nicht mit dem Niveau der Auseinandersetzung bei Facebook gemein machen will, hat sie gestern - auch auf Englisch - eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie ihr großes Bedauern ausdrückt.

Was war geschehen? Am Samstag letzte Woche hatten zwei maskierte Männer einen Discounter an der Rheinstraße betreten und von der Kassiererin Geld verlangt. Sie bedrohten sie mit einem Messer. Da die Frau die Kasse nicht umgehend öffnen konnte und sich weitere Kunden im Bereich der Kasse aufhielten, flüchteten die Täter ohne Beute. Bei der anschließenden Fahndung wurde in der Nähe ein 25-jähriger Syrer unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Er lebt in Mehrhoog - mit Familie. Der zweite Täter entwischte und ist bis heute nicht gestellt worden. Er gilt als Haupttäter, soll ebenfalls Syrer und bereits längere Zeit in Deutschland sein. Den Mehrhooger Flüchtlingshelfern ist er nicht bekannt, wie der Vorsitzendes des "Team Halle", Michael Möllenbeck, gestern sagte.

Schon am Sonntag wurde der offizielle Polizeibericht auf Facebook veröffentlicht, woraufhin sich in Kommentaren heftige Äußerungen anschlossen. "Bei Facebook wurde die Welle losgetreten, vor Ort herrscht helle Aufregung", sagte eine Polizeisprecherin. Möllenbeck ist entsetzt über die "Tonlage und die geschmacklosen, bedrohenden Kommentare". Er sagte: "Der Überfall hat den Leuten in die Karten gespielt, die Flüchtlingen mit Vorurteilen begegnen. Dabei schämen sich die anderen Flüchtlinge für die Tat des Syrers, sie sind in ihrem Stolz und ihrer Ehre verletzt. Sie befürchten, dass das gute Zusammenleben mit den Mehrhoogern einen Knacks bekommt."

Das "Team Halle", benannt nach der Betreuung in der nun leergeräumten Hogenbuschhalle, das nun Flüchtlinge in den Unterkünften Kreuz- und Handwerkerstraße betreut, zeigte sich gestern "zutiefst schockiert und traurig". In ihrer Erklärung hieß es: "Der Syrer wurde vom ,Team Halle' der Flüchtlingshilfe Mehrhoog betreut. Unser Mitgefühl gilt vor allem der Kassiererin des Discounters. Ebenso betroffen sind die anderen Flüchtlinge in den Mehrhooger Unterkünften. Sie kooperieren gemeinsam mit dem Team Halle mit der zuständigen Polizeibehörde und konnten so schon wertvolle Hinweise, die hoffentlich schnell zur Ergreifung des zweiten Täters führen werden, geben."

Möllenbeck sagte: "Die Aufregung war so groß, dass wir zwei Nächte lang mit den Flüchtlingen über den Überfall und die Folgen geredet haben. In der Hogenbuschhalle hatten wir früher Vollversammlungen, eine solche Versammlung wird es im Zusammenhang mit dem Vorfall nun noch einmal geben."

(thh)
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