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Himmel & Erde
Reformation und die Eine Welt

Wesel. Alle zwei Wochen schreibt der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Wesel, Thomas Brödenfeld, seine Kolumne "Himmel & Erde". Heute geht es um Reformation.

In vielen Kirchen werden morgen Reformationsgottesdienste gefeiert. Während in früheren Jahren die Gottesdienste am Reformationstag rein evangelisch geprägt und verantwortet waren, gibt es heute zunehmend ökumenisch gefeierte Reformationsgottesdienste. Ökumenisch kann dabei bedeuten, dass Gäste aus verschiedenen Kirchen weltweit beteiligt sind, es kann aber auch bedeuten, dass ein Reformationsgottesdienst von Vertretern aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen vorbereitet und gefeiert wird. Wie können wir heute unseren christlichen Glauben in einer Welt leben, die immer stärker zusammenrückt und in der wir den Problemen der Anderen nicht mehr ausweichen können? Was wir im Moment mit den fast schon apokalyptisch anmutenden Flüchtlingsströmen nach Europa erleben, ist ja nichts anderes, als dass die Menschen der Welt zu uns kommen. In unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und in unsere Freiheit. Grenzen zählen nicht mehr, die Sehnsucht nach Leben und Überleben ist stärker als alles andere. Welche Antworten haben wir als Kirchen auf diese bis vor kurzem noch für unmöglich gehaltenen Aufbruchsbewegungen ganzer Völker?

Mit dem 31. Oktober 2015 beginnt ein neues Reformationsjahr in der Dekade bis zum Reformationsjubiläum 2017. Unter dem Leitwort "Reformation und die Eine Welt" werden in den kommenden Monaten die globalen Aspekte des Reformationsgeschehens diskutiert und weitergedacht. "Was wir heute im Rückblick als 'Reformation' bezeichnen und manchmal etwas vereinfacht allein mit den Ereignissen vor 500 Jahren in Wittenberg in Verbindung bringen, hat eine globale Wirkung erzielt. Über 400 Millionen Menschen weltweit verbinden ihre geistig-religiöse Existenz mit dem reformatorischen Geschehen, das nicht nur von Wittenberg, sondern auch von anderen europäischen Städten und Regionen ausging", schreibt der Vorsitzende des Rates der EKD, Heinrich Bedford-Strohm. Heute sind wir eingeladen, uns bewusst in den Kontext der Reformationsbedürftigkeit unseres Handelns und Verhaltens in dieser Welt zu stellen. Was sind unsere Anteile an dem Gesicht dieser heillosen und zerstrittenen Welt? Welche Entscheidungen erwachsen aus unserem Glauben für die Menschen in so vielen unterdrückten und wirtschaftlich ausgepressten Ländern? Wie können wir authentisch in unseren eigenen Konfessionen leben und dennoch die Spaltungen der christlichen Kirchen überwinden? Die Fülle der Fragen erscheint erdrückend. Aber wer sich auf die Suchbewegung des Reformationsgeschehens einlässt, darf auf Antworten hoffen, die befreien und verändern.

VON THOMAS BRÖDENFELD

Quelle: RP
 
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