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Hamminkeln
Regionale Produkte besser vermarkten

Hamminkeln. An der Landwirtschaft hängen die meisten Arbeitsplätze. Doch die Bauern sind in der Krise - nicht nur wegen der Milchpreise. Jetzt suchen sie die Unterstützung der Landespolitik. Romanski träumt von regionaler Marke "Kreis Wesel". Von Thomas Hesse

Die Landwirtschaft steht unter Druck. Milchpreise im Tief, Pachtpreise im Hoch, die Erzeugerpreise fangen das nicht auf. Konzerne diktieren die Preise der Fleischerzeuger, die Kosten- und Bürokratiespirale dreht sich unaufhaltsam, selbst die großen Betriebe können nicht überleben. Immer mehr Betriebe geben auf.

Zum Beispiel bei Gerd Schmäh, der in seiner Nachbarschaft in Brünen der letzte Voll-Landwirt ist. Er suchte gestern zusammen mit Heinrich Heselmann, SPD-Kreistagsmitglied und Bauer, sowie Heinz-Wilhelm Hecheltjen Unterstützung bei der Landespolitik, konkret verantwortlich: der Abgeordnete und landwirtschaftliche Sprecher der SPD, Norbert Meesters. Der hörte aufmerksam zu und will Ideen weitertragen. Dabei kamen die konkreten Pläne eher von der Stadt. Sie will ansetzen, einen Markt für mehr regionale Produkte "made in Hamminkeln" zu verwirklichen. Der Verbraucher sei bereit, mehr zu bezahlen, wenn das Geld direkt bei den Landwirten ankommt, hieß es übereinstimmend. "Lebensmittel brauchen mehr Wertschätzung", sagte dazu Bürgermeister Bernd Romanski.

Das ist nicht nur so dahingeplaudert. In Hamminkeln sind die meisten Arbeitsplätze, das sind mehrere Hunderte, in der Landwirtschaft angesiedelt, sagte Kämmerer Robert Graaf. Die größte Branche der Stadt spült viel Geld in die Stadtkasse. Schon aus Gründen der Selbsterhaltung muss die Verwaltung die Bauern unterstützen gegen das Höfesterben. "Hat Landwirtschaft in diesem Land überhaupt noch eine Perspektive?", fragte Heselmann skeptisch. Gerd Schmäh berichtete von hohen Pachtpreisen, vom Kampf innerhalb des Berufsstandes, von der Kritik an Bauernverbänden und Kammern, die zu Lobbyistengruppen verkommen seien oder deren Wachsen-oder-weichen-Strategie in die Sackgasse geführt habe. Aus dieser Wachstumspolitik ist ein neuer Typus Bauer entstanden: der Tieflader-Landwirt. Der baut große Viehställe etwa im Kreis Kleve, ohne genug Land zu haben, kapert im Kreis Wesel Flächen, transportiert sein Vieh dorthin und treibt die Pachtpreise hoch.

Schmäh und Hecheltjen klagen deshalb über Druck an vielen Fronten. Dazu zählt auch die Bürokratie aus dem Düsseldorfer Landwirtschafts- und Umweltministerium. Meesters wurde auf den Weg gegeben, mäßigend auf Koalitionspartner und Minister Remmel einzuwirken. Der Abgeordnete sprach von großem Vertrauen, dass er sich auf dem Land erworben habe. "Es geht auch mit einer Mehrheit für die SPD, dann wird der Meesters Landwirtschaftsminister, und dann klappt das schon", sagte der Weseler. Er will bei der regionalen Vermarktung mehr tun, ohne allerdings konkret zu werden, und dort regionale Strukturen erhalten, "wo sie zu retten sind".

Meesters riet den Verbänden, von starrer Standespolitik loszukommen. Ansonsten frage er sich, warum die aktuelle Initiative "Mehr Tierwohl" nicht vermarktet werde. Romanski schwebt schon vor: "Warum machen wir nicht die Kreis-Wesel-Marke für regionale Produkte?" Er ließ Meesters zudem wissen: "Die ländlichen Kommunen interessieren in Düsseldorf keine Sau. Politischen Aufschrei gibt es nur, wenn Opel in Bochum schließt. Währenddessen gehen auf dem Land bewährte Strukturen unter."

Quelle: RP
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