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Hamminkeln
Reise durch Bilderwelten

Hamminkeln. Bei der Präsentation des neuen virtuellen Projektes der internationalen Medienkunst-Plattform "globalscreen" im Schloss Ringenberg konnten sich die Besucher auf eine Reise zwischen Realität und Simulation begeben. Von Cornelia Krsak

Aus Lautsprechern dröhnt ein rhythmisches Pulsieren, ähnlich einem menschlichen Herzschlag. Der Rittersaal im Schloss Ringenberg liegt im Dunkeln. Ausstellungsbesucher drängen sich vor zwei großen Videoleinwänden, auf denen immer wieder derselbe Film abläuft. Lichter ziehen in Bahnen vor dunklem Hintergrund vorbei wie Sterne in den Weiten des Weltalls. Man hat das Gefühl, in einem Raumschiff durch eine Galaxie zu gleiten. Alle paar Augenblicke blitzt es hell auf, während der Strom der Lichter kontinuierlich weiterläuft, im gleichmäßigen Rhythmus des akustischen Signals.

In ihrer Video-Installation "Exosphere" beschäftigt sich Judith Nothnagel mit Fragen der menschlichen Existenz in Raum und Zeit. Die Hamminkelner Künstlerin hat dafür ihre Gehirnströme mittels EEG in Echtzeit aufgezeichnet und digital so bearbeitet, dass sie wie eine kosmische Erscheinung mit "Sonnenwinden" und intergalaktischem Sternenstaub wirken. Auf wandfüllende Großleinwände projiziert hat die Videoarbeit eine geradezu hypnotisierende Wirkung.

25 Künstler nehmen teil

Bei der Präsentation des neuen virtuellen Projektes der internationalen Medienkunst-Plattform "globalscreen" im Schloss Ringenberg konnten sich die Besucher auf eine Entdeckungsreise durch faszinierende Bilder- und Klangwelten begeben. 25 Künstler aus allen Teilen der Welt nehmen am Projekt teil.

In drei abgedunkelten Räumen liefen Video-Kurzfilme zum Thema Simulationen auf großen Leinwänden. "Wir wollten bewusst eine Erlebnisatmosphäre schaffen und haben es so aufgebaut, dass die Besucher hin und hergehen können und nicht in einen engen Raum gezwängt werden", sagte Nothnagel. Die Besucher pendelten zwischen Ritter-, Wappen- und Nischensaal.

Wer beobachtet wen?

Das Projekt "Simulationen" befasst sich mit Aspekten der Wahrnehmung und des Zeitgeistes in einer Zeit der künstlichen Bilderfluten und Realitäts-Simulationen. Was ist echt, was virtuell generiert? Nicht immer war das in den Kurzfilmen auf Anhieb zu unterscheiden. Der Film "Cell Water" des Amerikaners Sky David macht biologische Vorgänge sichtbar, der Franzose Reynald Drouhin lässt eine virtuelle Stadt endlos langsam über die Leinwand ziehen, während Axel und David Klepsch sechs Einzelbilder zu einer rasanten Sequenz mit dem Titel "Vorsicht Stufe" montierten. Eine maskierte Frau mit einer Vielzahl von Augen, die das gesamte Gesicht bedecken, kreiert von der Iranerin Shahram Entekhabi, irritiert den Betrachter, der sich unvermittelt fragt: Wer beobachtet eigentlich wen?

Das spannende am Projekt ist die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand Künstler aus der ganzen Welt an einem Ort zusammenzubringen. "In einem musealen Betrieb wäre das so nicht möglich", betonte Hubert Baumann, der in die Ausstellung einführte. "Wir im Schloss Ringenberg begreifen uns als Künstlerproduzentenraum", sagte Dr. Gudrun Bott. Kunst brauche Öffentlichkeit und das Projekt "globalscreen" ermögliche den Künstlern, sich selbst Öffentlichkeit zu verschaffen.

Quelle: RP
 
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