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Wesel
Ringe für die kleinen Störche

Wesel: Ringe für die kleinen Störche
Natursponsoring: Die Firma Möll-Hüfing stellte der Biostation für die Aktion in der Dingdener Heide ihren Hubwagen gratis zur Verfügung. FOTO: RPO
Wesel. Storchennachwuchs in der Dingdener Heide und in der Bislicher Kirchenwoy ist gestern beringt worden. Sie haben den Stresstest gut überstanden. Die Kindergarten-Kinder in Bislich freuen sich jeden Tag an den Adebars (Seite C 2). Von Bernfried Paus

WESEL / HAMMINKELN Die rund vier Wochen alten Jungstörche in der Dingdener Heide und im Horst gut acht Meter über der knochentrockenen Kirchenwoy in Bislich tragen seit gestern Nachmittag alle einen schwarzen Ring. Der stellt nun sicher, dass ihre künftigen Flugrouten verfolgt werden können und auch ihre Endstation. Michael Jöbges (52), Herr der Ringe, hat in luftiger Höhe ganze Arbeit geleistet. Mit einem Hubwagen ließ er sich bis ans Nest hieven, um den künftigen Langbeinen den schwarzen Kunststoff-Ring ums obere Gelenk zu klicken – so ist er später auch in hohem Gras leicht auszumachen. Der Ring stört den Vogel nicht und wird ihn ewig begleiten.

Mutter Storch in Aufregung

In der Dingdener Heide nähert sich der Hubwagen dem Nest langsam durch hüfthohes Gras. Die Storchenmutter späht das Gelände ab. Sie merkt, dass etwas nicht stimmt. Als der von Kameraleuten begleitete Wagen vorm Haus Adebar hält, fliegt Mutter Storch davon. Die Jungstörche stellen sich tot, weil Gefahr droht. "Akinese" nennt das der Ornithologe. Dieser natürliche Reflex erleichtert Jöbges die Arbeit. Ruhig wie ein Operateur greift er in das weiße Knäuel mit den schwarzen Punkten, nimmt ein Bein, legt den Ring drum, bis es klick macht. Dann ist das nächste Bein an der Reihe. Die handballgroßen Küken bewegen sich nicht. Nur am Brustkorb erkennt der Fachmann, dass sie leben. Die schwarzen Augen sind die ganze Zeit offen. "Schwarzstörche reagieren ganz anders", sagt Jöbges, "die picken und schlagen wild um sich."

Bei den Storcheneltern löst die Attacke mit dem grellroten Greifarm-Ungetüm massive Unruhe aus. Auch Vater Storch hat inzwischen Wind von der Aktion bekommen. Beide umkreisen den Horst, mal näher, mal höher, mal auf Distanz. Aufklärungsflüge. Kaum ist die Mission beendet und der Tross noch dabei abzuziehen, nimmt Vater Storch Kurs auf den Horst und landet bei seinen Sprösslingen. "Die Kleinen sind froh, dass Papa wieder da ist", sagt Hans Glader von der Biostation mitfühlend.

In Bislich, wo RWE Masten abgebaut hat, um den Störchen freie Bahn zu geben, rückt der Beringer mit seinen Begleitern mit zwei Hubwagen an. Das verkürzt die Störung. Gut so, denn der Horst liegt in der prallen Nachmittagssonne, die Eltern werden als Schattenspender dringend gebraucht.

Der kleine Julien (4) hat Glück. Sein Opa steuert einen Hubwagen, den RWE für die Naturschützer gechartert hat. Christoph Brake nimmt seinen Enkel im Korb mit nach oben und zeigt ihm die kleinen Störche. Vogelkundler Jöbges ist begeistert von der Wohnung. "Alles sauber und trocken. So muss es sein." Nur ein alter Socken stört ihn. Er wirft ihn nach unten.

Quelle: RP
 
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