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Wesel
"Schickt den Norbert in den Landtag"

Wesel: "Schickt den Norbert in den Landtag"
Treffen bei Brötchen und Kaffee: Norbert Meesters und Hannelore Kraft. Drückten den Altersschnitt mächtig: Felix Bröcker (l.) und Aaron Roland Wagner. FOTO: jaba
Wesel. Felix Bröcker und Aaron Roland Wagner senken den Altersdurchschnitt beim Frühstück mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gewaltig. Die 17-jährigen Schüler des Duden-Gymnasiums haben Fragen an die Regierungschefin notiert. Von Thomas Hesse

Die Mehrzahl der 400 Besucher in der Niederrheinhalle aber ist weißhaarig. Wer hat schon Zeit, sich um 11.30 Uhr bei Brötchen und Kaffee Politik zu konsumieren? Helmut Ulbrich und Willi Meesters, beide 85 Jahre, haben Zeit. Der eine Ex-Ratsmitglied, das vom einstigen Wähler Konrad Adenauers zum Traditionsgenossen mutierte. Der andere Vater des SPD-Abgeordneten Norbert Meesters und "richtig stolz, was mein Sohn erreicht hat". Am Ende sind Jung und Alt vereint. Hannelore Krafts Auftritt finden sie "sehr sympathisch und bürgernah". Stimmt. Die Ministerpräsidentin weiß, wie man Stimmungen aufnimmt. Sie spricht professionell und ist doch nah dran am Wähler.

15 Weseler Genossen haben die Tische am Mittwochabend geschmückt. Am Donnerstag führen sie Gästelisten und begrüßen Teilnehmer. Auch Parteichef Ludger Hovest ist rechtzeitig vom australischen Fernurlaub nach Hause gejettet und erzählt von der Insel Nauru, wo Flüchtlingslager untergebracht sind. Ganz im Hier und Jetzt agiert Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Sie dankt am Rednerpult Kraft für die Fördermillionen, die nach Wesel geflossen seien. Dann steigt sie für Norbert Meesters als Wahlkämpferin in die Bütt. Der Abgeordnete und Kandidat dankt für "diesen Werbeblock" und erklärt, das "Grundsummen für die SPD zu vernehmen, das positiv für die Wahl ist". Das Land brauche "Zusammenhalt und Stabilität", dafür stehe er.

Autogrammstunde mit der Ministerpräsidentin FOTO: Jana Bauch

Die Ministerpräsidentin braucht auch etwas. "Ihr müsst mir wieder den Norbert in den Landtag schicken, er ist ein Pfund in der Landtagsfraktion", ruft sie, und die Frühstücksgäste applaudieren. Hannelore Kraft ist Profi und entscheidet schnell, das Bad in der Menge - den Gang von Tisch zu Tisch, um Fragen zu beantworten - kürzer ausfallen zu lassen. "Ich rede länger, dann kann ich mehr von euch erreichen", sagt sie. Wie sie redet, kommt an. Ihre Botschaft: Die tut was, die hält das Land zusammen, die entwickelt das Land voran. Im Wahlkampf komme man endlich bei den vielen Auftritten an die Menschen heran und erfahre, wo der Schuh drückt.

"Als SPD haben wir seit 2010 einen klaren Plan, den wir abarbeiten. Wir machen das Land sozialer und gerechter, und wir stehen für Veränderungen. Wir können wandeln", sagt Hannelore Kraft. Kinder, Bildung und Familie seien Schwerpunkte. Natürlich hat sie Zahlen der Milliardensummen parat, die in diese Bereiche geflossen sind. Und dann kommt der Satz, der sie immer wieder einholt: "Kein Kind zurücklassen!" Ja, dies sei zwar nie hundertprozentig zu erreichen, aber er gelte immer noch. Man habe begrenzt eine Präventionskette aufgebaut, die aufs ganze Land zu übertragen sei. Dafür brauche sie eine weitere Legislaturperiode. Kita-Ausbau, Schulinvestitionen, Rekordzahlen bei Studenten, "weil wir die Studiengebühren abgeschafft haben", und die Aufholjagd bei Infrastrukturprojekten, Integration und Zusammenhalt der Kulturen: Die Fortschrittsliste ist lang.

FOTO: Jana Bauch

So bleibt wenig Zeit für Gespräche. Die Ministerpräsidentin eilt von Tisch zu Tisch, sie hört vom Problem Einbrüche, von Staus, vernachlässigter Infrastruktur und warum sie die Grünen nicht mit einem Wort erwähnt habe. Das zeitlich begrenzte Spektakel ist auch ein Stück Medieninszenierung. Ein Pulk von Fotografen zieht mit, Schreiber überregionaler Gazetten notieren, was das Weseler Volk von der Regierungschefin will. Mario Cerener vom Fusternberg, der einen Wahlkampffilm für Meesters dreht, hat seine Wunsch-Szenen im Kasten. "Ich habe Hannelore Kraft noch nie direkt erlebt, ich bin beeindruckt", sagt er. Da geht es ihm wie Felix Bröcker oder Aaron Roland Wagner, der eigentlich der FDP nähersteht und nun die klare Sprache und Direktheit von Kraft lobt "eine gute Rede".

Quelle: RP
 
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