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Wesel
Schlappe für Freibad-Betreiber

Wesel. Die Halbzeit-Bilanz, die Bäder-Betriebsleiter Martin Burgers im RP-Gespräch zieht, könnte schlechter kaum sein. Folge des unbeständigen Wetters und des veränderten Freizeitverhaltens. Ein Kombibad soll die Lösung sein. Von Klaus Nikolei

Das Weseler Rheinbad hat eine ganze Reihe extrem treuer Stammgäste. Sie durchpflügen allmorgendlich ein mit 25 bis 26 Grad wohltemperiertes Wasser und sorgen zusammen mit den Sportschwimmern dafür, dass die Saison-Halbzeit-Bilanz von Bäder-Betriebsleiter Martin Burgers nicht noch schlechter ausfällt. Wobei das kaum möglich ist. Denn seit an Muttertag, 8. Mai, das schmucke Weseler Freibad seine Pforten geöffnet hat, haben lediglich 8815 zahlende Gäste das Drehkreuz am Eingang passiert (Stand: Ende Juni). 9732 waren es ein Jahr zuvor.

"Gefühlt hatten wir in den vergangenen Wochen praktisch jeden Tag Niederschlag", sagt Burgers. "Kein Wunder, dass da die Leute ausblieben." Doch es ist nicht allein das unbeständige Wetter, das für einen Negativrekord bei den Besucherzahlen sorgt. Auch das Freizeitverhalten vor allem jüngerer Menschen hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark verändert.

"Es ist nicht nur so, dass die Kinder heute oft bis 15 Uhr Unterricht haben. Während sich früher die Jugend auch bei weniger gutem Wetter im Freibad getroffen hat, weil es sonst kaum andere Freizeitangebote gab, bleiben viele Schüler heute lieber zu Hause an ihren Computern", sagt Burgers, der diese Entwicklung bedauert.

Ins Freibad kämen sie meist erst dann, wenn es um die 30 Grad heiß sei und sie sich abkühlen wollen. "Doch viele zieht es dann noch eher zum Auesee, weil es dort nichts kostet."

Selbst wenn jetzt zum Start der Sommerferien eine sechswöchige Hitzeperiode starten würde, könnte das Vorjahresergebnis von 45.000 Badegästen in vier Monaten wohl nicht mehr erreicht werden. Und welche Schlussfolgerung zieht Burgers aus dieser deprimierenden Tatsache: "Letztlich führt kein Weg an einem Kombibad vorbei. Nirgendwo werden noch große Freibäder errichtet. Und alle meine Kollegen in Städten wie Kempen, Emmerich oder Bocholt, lachen sich halb tot, weil sie Kombibäder haben, bei denen man entweder das Dach bei gutem Wetter einfahren kann oder die Seitenteile öffnet, so dass die Leute von der Liegewiese direkt ins Becken können." Deshalb hofft er inständig, dass der von der Politik schon mehrfach diskutierte Neubau in den nächsten Jahren in die Tat umgesetzt wird. Abgesehen von den Kosten gibt es das Problem, dass der Standort am Rhein im Überschwemmungsgebiet liegt. Wie berichtet, befinden sich die städtischen Planer und die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde noch in der Abstimmung darüber, was am Rhein möglich wäre. Vorher will keiner Stellung beziehen oder gar Summen nennen.

Übrigens: Da in der nächsten Woche die Temperaturen wieder deutlich sinken sollen, will die Bäder GmbH nachmittags zusätzlich auch das Heubergbad öffnen, "damit Familien nicht nach Bocholt fahren müssen", sagt Burgers. Denn normalerweise bleibt das dringend sanierungsbedürftige Hallenbad während der Ferien geschlossen. Und sollte das Wetter auch in der zweiten Woche durchwachsen bleiben, könnte sich Burgers vorstellen, das Heubergbad stundenweise zu öffnen. "Wir würden dann auf jeden Fall versuchen, das personell irgendwie hinzubekommen."

Quelle: RP
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