| 00.00 Uhr

Himmel Und Erde
Schleuderware Weihnachten

Wesel. Es gibt Unzeitiges, über das nachgedacht, gesprochen, geschrieben werden muss. Unzeitiges Handeln gehört dazu, auch wenn es beklatscht wird. Am Wochenende des Totensonntags fand zum wiederholten Male der Nikolausmarkt in Mehrhoog statt. Hunderte kamen, um miteinander zu feiern, ins Gespräch zu kommen und sich und ihre Kinder am Ende vom Nikolaus beschenken zu lassen. Nikolaus-, Advents- und Weihnachtsmärkte sind eine feine Sache.

Sie laden Menschen zu Begegnung und Gemeinschaft ein. Oft von Ehrenamtlichen und Vereinen aus Dorf und Stadt vorbereitet, sind sie ein vorbildliches Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Aber alle diese Märkte haben ihre Zeit. Es ist die Zeit des Advents. Einen verkleideten Nikolaus am Wochenende des Ewigkeitssonntags durch ein Dorf zu schicken, während andere Menschen die Gräber ihrer Angehörigen besuchen und in den Kirchen die Namen der Verstorbenen des vergangenen Jahres verlesen werden, ist mindestens gedankenlos.

Da zählt auch nicht, wenn ein solcher Markt schon viele Jahre an diesem Wochenende Tradition hat. Wenn unzeitiges Handeln in unserer Gesellschaft die Oberhand gewinnt, dürfen wir uns über den vielbeklagten Werteverlust nicht aufregen. "Alles hat seine Zeit", lesen wir in der Bibel, aufgeschrieben im Alten Testament. Der Advent, der Nikolaustag, das Fest von Jesu Geburt, alles hat seine Zeit. Wer gibt uns das Recht, Feste und Feiern nach Gutdünken zu verschieben? Die Kirche ist nicht die Wächterin über die Zeit, aber sie hat die Aufgabe, zu mahnen und deutliche Worte des Widerspruchs zu finden, wenn wir festgelegte Feste und Zeiten unserem Terminkalender oder kommerziellen Interessen unterordnen.

Wollen wir noch eine christlich geprägte Gesellschaft sein, oder sind wir schon längst auf dem Weg zu einer entkirchlichten Spaß- und Eventgesellschaft? Den Menschen in Mehrhoog und anderswo sei ihr Nikolausmarkt von Herzen gegönnt. Aber Nikolaus ist am 6. Dezember und Heiligabend am 24. Dezember. Welche Reaktionen würden wir erleben, wenn die Kirchen die Weihnachtsgottesdienste einfach um zwei Wochen nach vorne oder hinten verschieben würden, weil es dann vielleicht besser passt? Advent ist die Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf die Ankunft (lateinisch: adventus) des Gottessohnes Jesus Christus.

Das Warten ist ein zentraler Aspekt dieser rund vierwöchigen Zeit im Dezember. Zum einen warten wir auf den Gedächtnistag (Weihnachten), bei dem wir uns an das erste Kommen Jesu in seiner Geburt erinnern. Zum anderen warten wir darauf, dass Jesus das zweite Mal erscheint, am Ende der Tage. Wenn wir das Warten verlernen und unsere eigenen Zeiten setzen, verlieren wir alles. So wird Weihnachten und das, was dazu gehört, zur Schleuderware, die uns am Ende zwischen den Fingern zerrinnt.

Thomas Brödenfeld

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Himmel Und Erde: Schleuderware Weihnachten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.