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Hamminkeln/Dinslaken
16-Jähriger beim Schützenfest verprügelt

Schützenfest Hamminkeln-Brünen: 16-Jähriger brutal verprügelt
Enrico Keusgen gestern Abend (großes Bild) und kurz nach der Aufnahme Krankenhaus am frühen Dienstagmorgen. FOTO: Keusgen
Hamminkeln/Dinslaken. Enrico Keusgen ist beim Schützenfest in Hamminkeln-Brünen mehrfach ins Gesicht getreten worden – während er schon am Boden lag. Die Polizei sucht Zeugen und Täter. Seine Mutter sagt: "Diese Gewalt ist unglaublich." Von Sebastian Peters

Es ist eine neue Dimension von Gewalt für ein Dorf wie Brünen: Mehrere junge Männer haben dort beim Schützenfest auf ein am Boden liegendes Opfer eingetreten, ihn dabei nach Schilderung der Mutter mehrfach im Gesicht getroffen. Zeugen hätten ihr geschildert, dass diese Tat unvermittelt geschehen sei, dass ihr Sohn sich vorher nicht aggressiv gezeigt habe. Der 16-jährige Enrico Keusgen aus Dinslaken liegt jetzt im Krankenhaus, die linke Gesichtshälfte geschwollen, den Mund kann er nur schwerlich bewegen. Seine Mutter Anggie sagt: "Wie können Menschen so etwas tun? Diese Gewalt ist unglaublich. Ich hatte solche Angst um mein Kind."

Am Montagabend gegen 22 Uhr hatte die 37-jährige Dinslakenerin ihren Sohn und seinen Freund nach Brünen gebracht. In der dortigen Festscheune an der Bergstraße sollte am Abend des Pfingstmontags das Schützenfest ausklingen, zu Freibier legte das Discoteam Future auf. Enrico Keusgen und der Freund hätten dort einige Mädchen treffen wollen, sagt die Mutter. Was dann gegen 1.50 Uhr im Bereich der Toilettenanlage neben der Brüner Reithalle geschah, das hat sie nur aus Zeugensicht und von ihrem Sohn gehört.

Enrico habe ihr berichtet, dass er von zehn bis zwölf jungen Männern angesprochen worden sei. Er sagt, er habe besonnen reagiert, habe die Männer gefragt, warum sie ihn so aggressiv ansprachen. Daraufhin sei er von hinten geschubst worden und zu Boden gefallen. Vier bis fünf der jungen Männer hätten dann auf ihn eingetreten. Sein Freund habe ebenfalls helfen wollen, sei auch geschlagen worden. Er habe sich gewehrt und versucht, zu Enrico Keusgen vorzudringen - ohne Erfolg. Ein Junge aus der Gruppe der Täter habe sogar mit dem Handy noch Verstärkung hinzu gerufen. Mehrfach hätten die jungen Männer Enrico ins Gesicht getreten, obwohl er schon am Boden lag. Enrico habe versucht, das Gesicht mit den Händen zu schützen. Doch darauf hätten die Täter keine Rücksicht genommen. "Ich bin so entsetzt", sagt die Mutter. Wie die Polizei berichtete, flüchteten die Täter schließlich über die Bergstraße in Richtung Mühlenweg.

Die Mutter Anggie Keusgen. FOTO: AK

Ein Feuerwehrmann traf das Opfer, versorgte es mit einem zweiten Helfer, kontaktierte auch die Polizei. Anggie Keusgen wurde über den Vorfall um 2.17 Uhr informiert. Mehrfach sei Enrico bewusstlos gewesen, schildert Anggie Keusgen. Sie sei dann in großer Angst um ihr Kind zum Krankenhaus gefahren. "In meinem Kopf spielten sich tausend Szenen ab. Ich war in großer Sorge, weil ich ja nicht wusste, was meinem Kind genau geschehen war." Schockiert sei sie gewesen, als sie den Kopf ihres Sohnes sah. Dass ihr Sohn selbst seine Angreifer provoziert haben könnte, meint sie ausschließen zu können. So hätten es ihr auch Zeugen berichtet. "Enrico ist ein ganz besonnener Junge, er ist auf Streitschlichtung aus." Dass er Fremde nicht angreife, habe er auch in seinem Sport immer gelehrt bekommen. "Enrico ist Boxer, trainiert auch die Bambini im Verein. Der würde nie jemanden attackieren". Seit dem Vorfall zeige er sich äußerst sensibel. Wenn jemand in seine Nähe komme, zucke er zusammen.

Am Dienstag postete Anggie Keusgen den Vorfall auch bei Facebook. Sie hofft auf weitere Zeugen, will wissen, was genau geschehen ist. Deshalb entschied sie sich gestern Abend auch, mit unserer Redaktion über den Vorfall zu sprechen sowie die Bilder ihres Sohnes zu senden. "Wir wollen beide, dass anderen Jugendlichen so etwas nicht passiert." Im sozialen Netzwerk melden sich viele, meinen schon Namen von Tätern zu kennen. Die will Anggie Keusgen jetzt an die Polizei übermitteln, außerdem einen Anwalt einschalten. Für ihren Sohn hat die Mutter eine Schlussfolgerung gezogen: "Zu so einer Discoveranstaltung werde ich ihn nicht mehr bringen."

Die Polizei beschreibt die Täter folgendermaßen:  Erster mutmaßlicher Täter: Vorname vermutlich Rafael/Raphael, ca. 18 Jahre alt, schlanke Figur, dunkler Teint, ca. 1, 70 Meter groß, trug auffällige, lockige Haare, eine Brille, ein weißes T- Shirt und ein schwarzes Baseballcape. Zweiter mutmaßlicher Täter: Ca. 1,70  - 180 Meter groß, dünne Figur, trug eine Brille sowie eine schwarze Kappe.

Hinweise an die Polizei in Hamminkeln, Tel.: 02852 966100.

Anmerkung der Redaktion: Normalerweise lassen wir Blaulicht-Meldungen nicht kommentieren. Dies hatten wir bei dieser Nachricht übersehen und nachträglich die Kommentierfunktion deaktiviert. Aus Transparenzgründen lassen wir die bisher veröffentlichten Kommentare in diesem Fall stehen.

 

Quelle: RP
 
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